Herzlichen Glückwunsch, Dax

01.07.2013 11:07 | Stefan Wolff

Keine Torte, wenig Worte. Das Silberjubiläum vom Deutschen Aktienindex (Dax) hätte ruhig ein wenig glamouröser ausfallen können. Verdient hätte es der Index allemal. Zum einen hat der Dax dem Aktienhandel in Deutschland ein Gesicht gegeben, zum anderen ist er für die Börse selbst eine Goldgrube. 120.000 Produkte können auf die Dax-Familie gehandelt werden. Die Lizenzen dafür vergibt die Börse.

 

Der “Dax” hätte genauso gut “Dix” heißen können oder “Dux”. Nur das naheliegende ging nicht. “DAI” als Kürzel für “Deutscher Aktienindex” war bereits besetzt – von Aktien der Daimler Benz AG. Vier Männer standen vor 25 Jahren auf dem Parkett, verwarfen dankenswerterweise “Dux”, das vom lateinischen Wort für “führen” abgeleitet war, und entschieden sich für das Bekannte.

 

Der Name ist ein Glücksgriff, weil er so griffig ist und sich nahtlos in die Börsentierwelt aus Bulle und Bär einreihen lässt. Selbst Aktienmuffeln ist der Dax ein Begriff, wenn auch die Deutschen kein Volk von Aktionären geworden sind. Den Versuch hat es gegeben, mit der “Volksaktie” der Telekom. Dass der Versuch gescheitert ist, hat sich tief ins Gedächtnis gebrannt. Trotzdem ist die Dax-Geschichte eine Erfolgsgeschichte. Wer vor 25 Jahren eingestiegen ist, kann sich rückwirkend über 8,5 Prozent Rendite pro Jahr freuen. Aber wer kann das schon? Für die meisten Anleger beginnt die Dax-Sozialisation beim Internet-Hype, mit den bekannten Folgen.

 

Schließlich war die Dax-Geschichte ja nicht gradlinig. Die Schwankungen haben mit der Zeit zugenommen, sodass der alte Kostolany-Rat, Aktien zu kaufen und den Wecker auf “in zehn Jahren” zu stellen, nicht mehr gilt. Wer mit Aktien Geld verdienen will, muss aufpassen und auch mal die Strategie überdenken. “Wer billig gibt und teuer kauft, der hat am Markt bald ausgeschnauft”, warnt ein alter Börsenspruch.

 

“Wie, erst 25 Jahre?”, ist wohl die häufigste Reaktion auf diesen Geburtstag, was aber daran liegt, dass der Dax zurück gerechnet wurde, und so der Verlauf bis zum Beginn des Aktienhandels nach dem Krieg verfolgt werden kann. So ist der 87er Crash mit drin, auch wenn der 1988 aus der Taufe gehobene Index unbeschwert in die Wiedervereinigungseuphorie hinein laufen durfte.

 

So erzählt der Dax Geschichten und reagiert auf Geschichte, wenn auch auf seine eigene Art.

Der Rücktritt von Oskar Lafontaine vom Amt des Bundesfinanzministers im März 1999 gehört sicherlich zu den kurioseren Ereignisen. Der Dax machte einen Riesensatz, denn dass “Linke” mit Geld nicht umgehen können, gehört zum Allgemeinwissen an der Börse. Da störte es auch nicht, dass es die anderen auch nicht können.

 

Gorbatschow hat die Börse auch bewegt, wenn auch in die andere Richtung. Der Putschversuch gegen den Chef der Sowjetunion i.A. und Gerüchte um seinen Tod ließen den Dax im August 1991 aus dem Stand um neun Prozent einbrechen. Überhaupt sind ja Gerüchte das Salz in der Börsensuppe. Geschickt ausgestreut würzen sie einen ansonsten faden Tag. Deutsche Händler unterstellen gern ihren britischen Kollegen, dass sie aus Langeweile den Dax zuweilen mit erfundenen Geschichten anschubsen.

Meistens ist das aber gar nicht nötig. Ob es in fünf Jahren wieder Torte gibt?

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Kleine Presseschau vom 1. Juli 2013 | Die Börsenblogger

    [...] ARD-Börsenblog: Herzlichen Glückwunsch, Dax [...]

  2. Kommentar 2: von Herzlichen Glückwunsch, Dax | Worldtradeforum.de

    [...] Der Deutsche Aktienindex hat der Börse in Deutschland erst ein Gesicht gegeben, meint Stefan Wolff. In seiner noch relativ kurzen Lebensgeschichte hat der Dax bereits viele Börsen-Geschichten zu… weiterlesen auf blogs.hr-online.de [...]

  3. Kommentar 3: von Harald Böhrk

    Herzlichen Glückwunsch Dax,

    weiter so bis zum 50. und ich will hoffen das die nächsten Fünfundzwanzig Jahre so aufregend werden wie die ersten fünfundzwanzig Jahren. Mit allen auf und abwärts Trend des Daxes, wie es sich gehört.

    Ich glaube mehr braucht man nichts dazu zu schreiben.

    Alles Gute wünsche ich allen.

    Mit Freundlichen Gruß

    Böhrk

  4. Kommentar 4: von Siggi

    Von mir auch Herzlichen Glückwunsch DAX.

    Mit der klassischen Börse kenne ich mich halbwegs aus. Bis 2008 war der DAX eine relativ gute Orientierung. Im Laufe des Jahres 2008 war deutlich zu sehen, das Nachrichten und Börsenkurse extrem in verschiedene Richtung laufen. Das es zum Crash kommt war mir klar, dass ich den Zeitpunkt erwischt habe und eine Woche vor dem Absturz noch alles mit Gewinn verkaufen konnte, war reines Glück.

    Seit dem Zeitpunkt bin ich Festgeld- / Tagesgeldanleger. Ich verstehe nichts von einer Börse, die von einer gigantischen Geldmenge getrieben ist und bei der Transaktion in Sekundenbruchteilen mehrfach von Computern durchgeführt werden. Zwar haben Nachrichten oft noch Auswirkungen, sehr oft aber auch nicht.

    Zumindest ich kann den DAX so nicht mehr zur Orientierung nutzen.

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