An der Börse keine Leuchte

14.02.2013 15:02 | Stefan Wolff

Ein mittelständisches Unternehmen aus Baden-Württemberg, so alt wie die Bundesrepublik und seither in Familienhand. Der “Gestaltung des öffentlichen Raumes im Einklang mit Mensch, Landschaft und Architektur” hat sich die Firma Hess verschrieben. Seriöser geht eigentlich nicht mehr. In der Börsenlandschaft hinterlässt die Firma ein dunkles Loch und in so manchem Depot einen tiefen Krater.

Nur vier Monate liegen zwischen dem Börsengang des Leuchtenherstellers und dem Gang zum Insolvenzrichter. So eilig hatte es wahrscheinlich noch kein Unternehmen, nicht einmal am Neuen Markt. 36 Millionen Euro hat das Unternehmen bei seinem Börsengang eingespielt und offenbar im Rekordtempo verbrannt. Der Aktienkurs sackte von fast 16 Euro auf unter einen Euro durch.

Bleibt die Frage nach der Schuld. Seit 2011 soll der ehemalige Vorstand und Großaktionär Christoph Hess die Bilanzen frisiert und geschönt haben, was dieser bestreitet. Konnte oder wollte die führende Konsortialbank, die LBBW, die tickende Zeitbombe nicht erkennen? Es wird wohl Klagen hageln, nicht nur gegen das Unternehmen.

Wenigstens kann dieses Mal die Medienschelte ausbleiben. Der Börsengang der Hess AG ist von der Wirtschaftspresse kritisch begleitet worden. Schon früh haben Kollegen (auch und vor allem bei boerse.ARD.de) auf Risiken und Ungereimtheiten bei diesem Börsengang hingewiesen. Börsenberichterstattung ist eben auch Verbraucher- und Anlegerschutz.

Generell aber dürften es Börsenaspiranten wieder schwerer haben, Anleger von sich und ihrer Wachstumsgeschichte zu überzeugen. Hess hat Vertrauen verspielt, das nun andere wieder aufbauen müssen. Im Gegensatz zu den Zeiten am Neuen Markt ist Hess aber auch ein Einzelfall. Eine Serie von Bilanzfälschungen und falscher Versprechen ist nicht in Sicht.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von WvV

    Das Geld “Verbrannt”? Wohl nicht, es haben nur andere Leute.
    Leider ist es unter Banken üblich riskante Kredite auf diese Art
    zu “sichern”. Lehman-Pleite lässt grüssen!

  2. Kommentar 2: von supply

    Hier haben wieder einmal die Banken nit “gzockt”, um an ihre Kredite zu kommen. Wenn Bank-”bilanzierung” so einfach wäre, würde jede Bank niemanden mehr einen Kredit zur Verfügung stellen. In dem Falle be Hess schon. Denn die “Dummen” waren wieder einmal die Gierigen. Die vertrauten auf ein solides geführtes Unternehmen mit “riesigen” Absatzmäkten und insbesondere für die Banken, die ihre Provisionen zügig beiseite geschafft haben. Der(n) Konsortilbank(en) war es doch egal, wer auf der Strecke bleibt. Wenn “Banker” nicht die Bilanzen ordentlich diurchforstet haben, wie zum Beispile bei einem kleinen Häuslebauer, dann fragt sich doch einer, der sich in der Bilanzierung auskennt, wo die Umsätze herkommen. Der Fall Flow-Tex müsste doch noch in aller Munde sein, oder nicht ???? Da wurde mit politischen Mitteln der ganze Skandal erst einmal unter dem Teppich gekehrt und ein kleiner Steuerbeamter vom Finanzamt Karlsrueh – Durlche musste seinen Hut nehmen, weil er schon zwei Jahr vor Untergang der Flow-Tex Gesellschaft der Bilanzierung kein Vertaruen mehr schenkte. Das Ergebnis ist doch jeden bekannt.

  3. Kommentar 3: von Siggi

    “Nur vier Monate liegen zwischen dem Börsengang des Leuchtenherstellers und dem Gang zum Insolvenzrichter. So eilig hatte es wahrscheinlich noch kein Unternehmen, nicht einmal am Neuen Markt.”

    Wenn Wirtschaftskriminalität kaum verfolgt wird, muss man eben nicht mehr Zeit verschwenden. Ich bin neugierig wie diese Geschichte ausgeht.

  4. Kommentar 4: von WvV

    da wird noch 3 1/2 Jahre die Lüge herrschen, dann gibt es keine Fa. Hess mehr.

  5. Kommentar 5: von GoldFan

    Für den Privatanleger wird es zunehmend schwieriger, nicht das Opfer von Betrügern zu werden. Da wird guter, neutraler Journalismus auch immer wichtiger.

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