Domino Days

17.11.2011 11:11 | Stefan Wolff

Jetzt schwappen die Wellen des Finanzsturms auch in die vermeintlich sicheren Häfen. In Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Belgien und Finnland schießen die Renditen nach oben. Nur in Deutschland hält der Deich. Da kann der Finanzminister sich für zehn Jahre Geld leihen und würde gerade mal 1,5 Prozent Zinsen zahlen. Für ein halbes Jahr gibt es das Geld für Umme. 0,08 Prozent Zinsen. So seh’n Sieger aus!

Das “Schalalala” darf aber getrost im Halse stecken bleiben. Schließlich tritt genau das ein, was zu befürchten war. Die Anleihemärkte geraten aus den Fugen. Es herrscht blanker Aktionismus. Staatspapiere haben als sichere Häfen ausgedient. Zu groß sind die wahrgenommenen Ansteckungsgefahren, egal, ob sie für wahr genommen oder ob darauf spekuliert wird.

Die Politik hat nicht glaubhaft darlegen können, wie sie die Schuldenkrise in den Griff bekommen will. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, wie diesem Phänomen zu begegnen ist. Natürlich könnte die Europäische Zentralbank (EZB) die Druckerpresse anschmeißen und alles aufkaufen, was in den Depots der Großanleger keinen Platz mehr findet. Macht die US-Notenbank doch auch.

Oder weicht der deutsche Widerstand doch noch auf, und es kommen die Euro-Bonds? Fakt ist: Wenn alle Länder (und nicht nur die in der Schuldenperipherie) auf einmal höhere Zinsen und damit sowieso für die Risiken der Nachbarn bezahlen, dürfte auch der Druck auf die Deutschen steigen, sich an den Zinskosten zu beteiligen. Denn es ist vollkommen klar, dass Spanien nicht lange die (wie bei der jüngsten Auktion aufgerufenen) Zinsen in Höhe von fast sieben Prozent wird zahlen können (oder wollen).

Deutschland zahlt absurd niedrige Zinsen für seine Staatsschulden. Wer sich auf dieses Niveau beruft, erklärt den Ausnahmefall zur Normalität. Zudem haben die niedrigen Zinsen nicht eben den Sparwillen unserer Regierenden stimuliert. Ganz im Gegenteil öffne Finanzminister Schäuble womöglich seine Schatulle für Versicherer, falls sich diese als “systemisch” herausstellen sollten.

Diese Schuldenkrise entwickelt sich genau so, wie es viele vor einem Jahr vorhergesagt haben. Denkverbote haben hier keinen Platz mehr. Vermutlich ist es sinnvoll, einen Teil der Schulden zu vergemeinschaften, wenn uns denn wirklich so viel an dieser Währungs- und Wertegemeinschaft liegt
.
Die Finanzwirtschaft wird am Anleihemarkt nach den gemachten Erfahrungen nicht eben hilfreich zur Seite springen. Versicherungen und Banken ziehen sich auf breiter Front aus diesem Geschäft zurück. Die Allianz bezeichnete sich kürzlich als “von den Märkten getrieben”. Noch so eine Lehre aus dieser Krise. “Die Märkte”, das sind immer die anderen.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Subdi

    Es gibt nur eine schnelle Lösung:
    Die EZB muss signalisieren, dass jederzeit bereit und in der Lage ist, unbegrenzt Geld zu drucken. Sie muss es gar nicht tun, die Bereitschaft würde schon genügen. Aber genau das wollen die Deutschen nicht, denn das würde die deutsche Machtposition in Europa schwächen. Schäuble und Bundesbank wollen die anderen Euro Ländern Manieren lehren.

  2. Kommentar 2: von MartinS

    Ich bin zwar ueberrascht, dass die deutschen Anleihen sich mit so niedrigen Renditen verkaufen – immerhin ist auch Deutschland hoch verschuldet (>80%) und wird selbst im aktuellen Jahr einer (immer noch) florierenden Exportwirtschaft ein Defizit einfahren; allerdings sehe ich die Entwicklung in Europa und die Art wie sie (auch von der deutschen Regierung) begleitet wird nicht unbedingt nur negativ. Man laesst genuegend (Finanzmarkt-) Druck zu, um echte Reformen und Sparwillen in den hoch verschuldeten Laendern herbeizufuehren; gleichzeitig gibt man aber auch nach mit Hilfen, EZB Anleihenankaeufen. Natuerlich ein gefaehrlicher Balance-Akt. Ultima Ratio wird in meinen Augen sein, dass die EZB Geld druckt, aber halt erst als ultima ratio.

  3. Kommentar 3: von Charakterlos

    Wie schnell plötzlich alles gehen kann…
    „und die Geister die ich rief…“

    Angenommen man regelt garnix mehr, und lässt das derzeitige System frei umherschwingen, wo wird es sich einpendeln? Oder wird es gnadenlos in’s unendliche (tiefe) abgleiten ?

    Ich als Europäischer Staatsbürger halte von der Idee die EZB dazu zu zwingen Geld zu drucken garnichts. Wenn die das macht, dann ist mein Vertrauen in die Währung futsch. Dann kann der Markt ohne mich weiter machen.

  4. Kommentar 4: von A.K.

    @Subdi
    Hier geht’s doch gar nicht um Macht Deutschlands über andere Staaten, das meinen vielleicht die Briten. Hier geht es um das weniger schlechte Konzept: Das Konzept der Einäugigen (Deutschland, Niederlande, Österreich, Finnland u.a.), eine gewisse Solidität walten zu lassen (Neuverschuldung wenigstens reduzieren), gegen das Konzept der Blinden (Griechenland, Portugal, Italien, aber auch Frankreich), das darin besteht, munter weiter Schulden zu machen nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut.“
    Im Übrigen ist die Gelddrucklösung keine Lösung. Und zwar aus folgendem Grund: Selbst wenn ein massiver Ankauf maroder Staatsanleihen durch die EZB mit Geld „ex nihilo“ nicht in der Realwirtschaft ankommen und daher nicht zu Inflation führen w ü r d e (was ja keineswegs sicher ist), so würde jedenfalls bei den Investoren die (nicht unberechtigte) Angst vor Inflation und einer damit einhergehenden Abwertung des Euro im Verhältnis zu anderen Währungen aufkeimen, was schon genügen würde, Investoren davon abzuschrecken, europäische Staatsanleihen zu kaufen. Ein z.B. japanischer Investor müßte ja erhebliche Wechselkursverluste befürchten.
    Da ein echter Sparwille bei Europas Politikern nach wie vor nicht erkennbar ist, würden auch Eurobonds nicht genügend Abnehmer finden.
    Die einzige Lösung der Staatsschuldenkrise ist so einfach wie naheliegend: Sparen, sparen, sparen und dadurch die Neuverschuldung (auch in Deutschland) so schnell wie möglich auf Null drücken, besser noch, Haushaltsüberschüsse produzieren. Es wird gesagt, dadurch würde die Konjunktur abgewürgt. Aber was ist denn die Alternative??? Ich meine, der Einfluß der Staatsausgaben auf die Konjunktur wird weit überschätzt. Die Staatsausgaben bestehen ganz überwiegend aus Sozialleistungen und nur zu einem ganz kleinen Teil aus Infrastrukturprojekten wie Straßenbau. Hätten die Staaten mit dem Staatsschuldenwahnsinn erst gar nicht schon vor Jahrzehnten angefangen, hätten sie heute – mangels Tilgungs- und Zinszahlungen – alle fette Haushaltsüberschüsse oder zumindest ausgeglichene Haushalte.

  5. Kommentar 5: von Charakterlos

    PS: http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf
    „Vorrangige Aufgabe der Zentralbanken ist, den Wert des Geldes zu
    schützen.“ Prof. Dr. Axel A. Weber

    Vielleicht sollten wir uns eher m eine gerechtere Verteilung bemühen…

  6. Kommentar 6: von Piratos

    Wenn die Menschen wüssten, wie das Geldsystem funktioniert, dann wäre auch jedem klar, dass bei Kauf von Anleihen von einer Nichtbank (Mensch) , Geld vernichtet wird, die Bankbilanz verkürzt sich.
    Es ist absoluter Quatsch dass ein Käufer einer Anleihe dem Staat Geld leiht, das haben die Banken bereits getan und mit dem Kauf einer Anleihe durch eine Nichtbank wird dieser Kredit lediglich abbezahlt.

    Wacht auf Leute, in einer Bankbilanz sind eure Guthaben auf den Konten „Schulden der Bank“, genau diese Schulden sind der Grund, warum Banken System relevant sind, und gerettet werden müssen.

  7. Kommentar 7: von tropensturm

    Der größte Fehler war meiner Ansicht nach der Schuldenschnitt für Griechenland von Deutschland beschlossen gegen den Willen Griechenlands. Das hat das Vertrauen zerstört in die Eurozone zu investieren und nun purzelt ein Staat nach dem anderen nach griechischem Vorbild in Fast Forward.
    Mit dieser Entscheidung war klar, das es nur einen Souverän über die Schulden der Eurostaaten gibt, nämlich Deutschland. Alle anderen sind keine glaubwürdigen Schuldner mehr. Italiens Regierung ging auch noch gleich auf deutschen Druck futsch. Ein Staat kann nur so glaubwürdig sein, wie er Handlungsfähigkeit besitzt. Eines wurde klar, egal was für Reformen eingeleitet werden, und egal was für Versprechen abgegeben werden. Wenn die Zeitungen morgen etwas anderes schreiben, verfällt Deutschland sofort in Panikmodus und egalisiert einfach die Entscheidung des anderen.

    Der Markt ist nicht dumm, Staatsanleihen sind da um Sicherheit zu geben. 30% Versicherung, bedeutet im Umkehrschluss nichts anderes, als das Deutschland jederzeit bereit ist einen 70% Schuldenschnitts eines beliebigen anderen Eurolandes zu beschließen. Selbst mit Aktienanlagen auf Bankentitel hat man in den letzten Monaten nicht einmal soviel verloren. Rohre frei für die EZB, behebt das Problem nicht im Geringsten, sondern schindet nur weiter Zeit, damit die Banken und Versicherer noch mehr abschreiben können. Fiskale Union und im letzten Step Eurobonds sind die einzige Alternative zum unausweichlichen Kollaps der Eurozone.

  8. Kommentar 8: von No Fool

    Inhaltlich stimme ich mit Ihnen überein; stilistisch („für umme“), naja, bin ich nicht so zufrieden. Aber Hauptsache der Inhalt stimmt.

    Mich würde mal Ihre Meinung zum Problem der Target-Salden (aufgedeckt durch Prof. Sinn) interessieren. Nun, da offenbar die Südschiene ungehemmt Geld druckt und dies benutzt, um im Rest Europas einkaufen zu gehen, stapeln sich bei der Bundesbank die Target-Forderungen. Wir liefern die Waren ins Ausland und bekommen nur eine Forderung gegen die EZB? Wie werthaltig ist die? Wieso wird im Bundestag nicht darüber gesprochen?

    Dieses Problemfeld wird von den meisten Medien und von der Regierung derzeit gemieden wie vom Teufel das Weihwasser. Die FAZ macht hier eine rühmliche Ausnahme. Sie brachte am Wochenende einen aufschlußreichen Artikel:

    http://tinyurl.com/bnqafte
    [www.faz.net]

    Erschütternd.

  9. Kommentar 9: von Kleine Presseschau vom 17. November 2011 | Die Börsenblogger

    […] ARD Börsenblog: Domino Days […]

  10. Kommentar 10: von Liselotte Kranz

    Meine Meinung ist:

    Die Merkel und Sarkozy trauen sich nicht, das Problem zu lösen, indem man es an der Wurzel packt. Diese ganzen Rettungspakete sind nur ein Kurieren an den Symptomen.

    Und ich glaube, die EZB wird noch so viele Anleihen Italiens kaufen können, die Risikoprämien werden trotzdem weiter steigen.
    Die einzige ökonomisch saubere Lösung ist, dass die Länder, die jetzt diese Probleme mit der Staatsverschuldung haben, aus der Eurozone austreten. Wobei es nur die Wahl gibt zwischen Pest und Cholera, denn wenn die das tun und gleichzeitig Staatsbankrott anmelden, gibt es eine massive Bankenkrise, wogegen die derzeitige sog „Bankenkrise“ gar nichts ist. Aber den anderen Weg zu gehen, über die EZB und die Monetarisierung von Staatsschulden, würde wohl eine massive Inflation hervorrufen, und am Ende würde es vielleicht gar nichts helfen, und die Südländer müssten trotzdem aus dem Euro ausscheiden.

    Die jetzige Politik ist nur auf Zeitgewinn ausgerichtet. Aber Zeitgewinn wofür? Um eine Fiskalunion in Europa einzurichten, braucht man meiner Ansicht nach Jahrzehnte. Viele Länder werden das nicht wollen, wofür das Erstarken von rechten Parteien in einigen Ländern schon ein Anzeichen ist.

    Die Merkel und Sarkozy wollen also nur Zeit gewinnen, um die nächsten Wahlen einigermaßen unbeschadet zu überstehen.

    Aber die Steuerzahler kostet das Milliarden. Das ist eine unverantwortliche Politik.

  11. Kommentar 11: von Jockel

    Was wir brauchen, ist echtes Verstehen und Management der psychologischen Effekte!
    Stattdessen kurieren wir nur die Symptome und wundern uns dann.

    Beispiel:
    Sarkozy unterbricht Urlaub, um Derating zu verhindern.
    Folge:
    Wenn er das tut, muss es wohl sehr ernst sein. Wenn alle Angst haben, steigen die CDS-Prämien und anschließen fällt das Rating doch.
    Dieser Schuss ging nach hinten los.

    Ebenso:
    EZB-Anleihenkäufe, Krisentreffen, Rettungsschirme, Bankenstresstests, Denkverbote, Beruhigungsmassnahmen für die Märkte, …
    Das planloseste dabei: Der Versuch, Vertrauen zu hebeln.

    Der Euroraum besteht nunmal aus unterschiedlich starken PARTNERN.

    Die Märkte, die FAST immer die anderen sind, handeln mithilfe Ihrer Schwarmintelligenz wie eine Meute Wölfe:
    Nur der Stärkste profitiert, und zwar auch von den Schwachen. Schon der Zweitstärkste bekommt die Rolle, mit seiner bloßen Existenz zu belegen, dass der Stärkste noch nicht dran ist. (Viel mir bei DB + CoBa auf).

    Unter den Wölfen hilft leider nur eines: Einigkeit.
    Wir sollten als Europäer einig sein, wie eine gesunde Familie, die ja normalerweise auch aus starken und schwachen besteht.
    Es sollte selbstverständlich sein: der Starke hilft dem Schwachen.
    Wenn die Schwachen nun Geld brauchen, dann sollten wir es ihnen entweder A) gleich geben, oder es B) gleich verweigern.

    Für Anleger sind deutsche Anleihen z. Z. Geldvernichtung.
    Im Umkehrschluss hätte Deutschland die Gelegenheit, daraus finanztechnisch Geld zu verdienen. Nur leider kein vormuliertes Mandat.

    Nun fehlt der Politik auch noch die Stärke für ein klares A oder B.
    Aus Angst vor dem deutschen Steuerzahler und Wähler.
    Der wiederum hat auch nur Angst, nämlich davor, durch Finanztricks oder Südeuropa in ein Fass ohne Boden zu fallen.

    Also ringt man sich ein C ab: Die Meute selbst soll den Schutzwall gegen die Meute liefern (via Hebel) und Schulden sollen mit Schulden bekämpft werden. Klingt irgendwie nach Perpetuum mobile. Kann nicht gehen.

    Bundesbank (wie No Fool einbrachte) und EZB sehen als erste, dass nichts mehr geht und handeln schon mal ohne politisch abgesegnetes und kommuniziertes Mandat. Und weil sie sich dieser Kontrolle entzogen haben, es kaum verbreitetes Wissen über Art, Umfang und Willensbildung dazu gibt, ist die zwingende psychologische Folge: Noch mehr Angst.

    Deshalb bin ich für: Klare Ansagen, klare Auskünfte und klare Absagen.
    „Was darüber ist, das ist von übel.“ (Das sagte sogar schon Jesus).

  12. Kommentar 12: von Subdi

    @ A.K.

    Zitat „Hier geht es um das weniger schlechte Konzept: Das Konzept der Einäugigen (Deutschland, Niederlande, Österreich, Finnland u.a.), eine gewisse Solidität walten zu lassen“

    …und dieses Konzept sieht konkret so aus, dass Italien jetzt 7% Zinsen zahlen soll? Und wer profitiert davon? Der schlauere Teil der Finanzindustrie, und das sind hauptsächlich amerikanische Hedgefonds und ähnliches. Die Zinsen, die Italien zahlt sind letztlich auch das Geld des deutschen Steuerzahlers. Italien hat nun mal mehr Altlasten als Deutschland, und gibt sich große Mühe.

    Das ist kein Konzept, das ist Wahnsinn!
    Man muss nur mal über den großen Teich schaun: Bernanke hat ein Konzept, und es funktioniert auch.

  13. Kommentar 13: von Didi

    Wenn man die Länder dieser Erde in Punkto Finanzen und Schulden genauer anschaut, stellt man eigentlich fest, dass die riesigen Schuldenberge eigentlich gar nicht getilgt werden können. Wenn man dies nur wollte würde die Wirtschaft weltweit zusammenbrechen. Ich stelle mir das vor wie ein großes Monopoliespiel. Es werden immer weniger immer mehr Geld scheffeln und immer mehr immer weniger Geld zur Verfügung haben. Deshalb mein Appell macht ein weltweiter Währungsschnitt und fangt bei Null an. Bei Monopolie geht auch irgendwann die Bank pleite und dann hört man das Spiel auf und fängt ein neues an.

  14. Kommentar 14: von Karl

    Die EU zeigt wesentlich gesündere Fundamentaldaten auf, als USA, UK und Japan. Die irrationale Erhöhung der Zinsen ist sicher politisch und durch die kurzsichtige Jagd nach hohen Renditen motiviert. Europa hat mit seiner Entstehung andere Großmächte herausgefordert. Es ist ein Krieg der hier geführt wird mit den Waffen von Zins, der Noten- und der regulären „Presse“. Wir sollten Ihn nicht verlieren … Was kann man tun ?

  15. Kommentar 15: von Karl

    Noch ein Nachtrag: Wie wäre es bei all den blanken Versprechen, buntem Papier und digitalen Impulsen eine durch REALE Werte gedeckte Währung zu etablieren, ja die Währung selbst zum realen Wert zu machen. Wie wäre es auf Zinsen zu verzichten und das Risiko zu teilen indem man statt dessen eine Gewinnbeteiligung (oder Verlustbeteiligung) vereinbart. Wie wäre es, wenn wir endlich alle miteinander nach unserer realen Verhältnissen leben würden, statt ständig Geld aus dem NICHTS zu schaffen ? Wie wäre es, wenn wir endlich aufhören würden mit unseren Schulden Handel zu treiben ? Na ? Wie wär’s ?

  16. Kommentar 16: von Hansi

    also wenn wir schon unsere Realwirtschaft mit einem Monopoliespiel verglei-
    chen sollen, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf.
    Wie Ihr alle da seid, hört entlich mal auf, alles miesmacherisch klein zu
    reden. Die Realwirtschaft floriert noch in Deutschland. die Auftragsbücher der Unternehmen sind ausgelastet. Die Arbeitslosigkeit sinkt weiter und ihr verbreitet nur Negativstimmung. Sicherlich kann nicht am deutschen Wesen die Welt genesen, wie es unsere Väter pflegten zu sagen. Da haben einige Kritiker recht , etwas mehr Bescheidenheit und nicht diese “ Großmanns-
    Sucht “ würden uns besser stehen !
    DAX u. Co , sind nicht die Wirklichkeit. Die Profiteure, sind im Moment
    nur die, die Angst verbreiten.
    Wir wissen doch ! Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.
    Es wäre auch fatal, wenn die Angstmacher es wirklich schaffen, für ein längeren Zeitraum, alles platt zu machen.
    Wirkungsvolle Horrorbilder der Medien tragen natürlich ihren Beitrag dazubei., die Angst zu schüren oder auch Hochstimmung zu verbreiten.

    mit verantwortungsvollem Gruß

  17. Kommentar 17: von GoldFan

    Sehr geehrter Herr Wolff,
    wann hat es denn in letzter Zeit Denkverbote gegeben?

  18. Kommentar 18: von Stefan Wolff

    Hallo Goldfan,

    es geht um die Denkverbote, die sich unsere Regierung auferlegt hat. Die Optionen auf Euro-Bonds in der Form „blauer“ und „roter“ Euro-Bonds hat nicht mal im Kern stattgefunden.

  19. Kommentar 19: von Lion

    Hallo zusammen,

    meine „Wahrheit“ sieht wie folgt aus:

    1. Die Staatsschulden werden niemals zurückgezahlt werden können.
    2. Man wird so lange Rettungsversuche starten, bis auch Deutschland bankrott ist.
    3. Die Eurozone wird zerfallen und was aus Europa wird, steht in den Sternen.
    4. Wenn die EZB oder der EFSF mithilfe der EZB Geld druckt, indem marode Anleihen gekauft werden, bedeutet das Inflation und eine Währungsreform steht vor der Tür.

    Lion

  20. Kommentar 20: von GoldFan

    Danke für die schnelle Antwort!
    Hätte man vielleicht wirklich erwägen sollen. Mein Eindruck ist, wenn einmal wirklich alle Euroländer duetlich sagen, dass die Krise gemeinsam gestemmt wird, koste es (auch Deutschland) was es wolle, dann könnten die Marktteilnehmer wieder zur friedlichen Geldvermehrung übergehen, bei vernünftigen Zinssätzen, angemessener Inflation und vielleicht sogar stabilen Börsen.

  21. Kommentar 21: von Jockel

    @GoldFan + Herr Wolff
    ich hatte mit ‚Denkverboten‘ Rösslers Interview (‚Es darf keine Denkverbote geben‘) und eine Pleite Griechenlands verbunden.

    Dass Eurobonds auch Farben haben, ist mir neu. Da haben die Denkverbote wohl funktioniert im Sinne von Berichtsverboten.

  22. Kommentar 22: von Stefan Wolff

    Hallo Jockel,

    bei den gefärbten Bonds handelt es sich um eine Maßnahme, Schulden zum Teil zu vergemeinschaften und trotzdem Anreize zum Sparen zu erhalten. Die „blauen“ Eurobonds refinanzieren dabei Staatsschulden nur bis zur in Maastricht vereinbarten Obergrenze von 60 Prozent des BIP. Die „roten“ Bonds finanzieren Schulden darüber hinaus. sie werden von den einzelnen Ländern herausgegeben und zu den entsprechenden Konditionen verzinst. Das ermöglicht es den Schuldnerstaaten, die „erlaubten“ Schulden zu einem angemessenen Zins zu refinanzieren. Wer „sündigen“ will muss mehr zahlen oder auch nicht.

  23. Kommentar 23: von Piratos

    Es gibt doch nur noch zwei Lösungen für die Schuldenkrise.
    Entweder Deutschland tritt aus dem EURO aus, oder die EZB muss Geld drucken durch Aufkauf von Staatsanleihen.

    Beide Maßnahmen sind aber nur kurzfristiger Natur, wirklich beenden wird man das Problem nur, indem man im Geldsystem verhindert, das man sparen kann, den gespartes Geld wird der Wirtschaft entzogen und muss durch neue Kredite ersetzt werden. Das ist der Kern unseres aktuellen Problems. Leider verstehen das nur die wenigsten und Politiker schon gar nicht.

    So einfach und doch so schwer…

  24. Kommentar 24: von Subdi

    @Piratos
    Nein, die Lösung kann auch so aussehen, dass Staaten wie Spanien, Italien und teilweise auch Frankreich einen eisernen Sparkurs fahren, und in der Bevölkerung das nötige Geld abschöpfen, um ihre Schulden zurückzuzahlen. Das wird sicher zu einer Wirtschaftskrise, und zu viel sozialem Elend führen, aber es ist möglich. Für Deutschland wäre das rein materiell gesehen die billigste Lösung. Nachdem Wirtschaftskrisen Deflation verursachen, kann dann die EZB zusätzlich noch etwas Geld drucken, um die Folgen abzumildern. Ich finde das nicht gut, aber ich denke Merkel und Sarkozy streben so etwas an. Zumindest für die nächsten Monate.

  25. Kommentar 25: von Bernhard Haller

    Ich höre immer: Als ultima ratio müsse man die EZB Geld drucken lassen in unbegrenzten Ausmaß. So als ob die deutsche Regierung darüber etwas zu bestimmen hätte. Nur mal zur Aufklärung: Über Anleihekäufe (ob nun legal oder nicht, ist ja egal, es gibt dagegen ja keinen Richter!!) bestimmt der EZB-Rat. In diesem hat jedes Land der Eurozone nur eine Stimme (Deutschland mit 27%Anteil der Wirtschaftsleistung hat nur eine Stimme!! PIIGS-Saaten haben zusammen schon 5 Stimmen.). Das ist der Grund warum unsere Bundesregierung auch erpressbar ist. Sollte die Bundesregierung sich weigern, Hilfe zu leisten über Rettungspakete, Eurobonds oder wie auch immer, dann werden sich die nicht konkurrenzfähigen, sparunwilligen Länder die Hilfe eben selber genehmigen, über die Anleihekäufe der EZB über die sie im EZB-Rat bestimmen können. Ob die Politik sich nun einigt oder nicht, wir zahlen so oder so. Falls nicht werden Euroländer sich eine Geldspritze nach der anderen genehmigen (neuerdings: Die EZB will sich ein Limit von 20 Mrd. Euro pro Woche an Anleihekäufen setzten – das ist ja geradezu lachhaft, das sind nämlich dann rund eine Billion Euro in einem Jahr, also mehr als doppelt so viel wie die FED beim ihrem quantitativen easing Dollars gedruckt hat!!). So kommt man schön an das Geld der Deutschen (die über 4 Bio Euro auf der Kante haben). Deshalb will auch niemand die Währungsunion verlassen, weil man sich hier so schön selbst bedienen kann. Unsere Sparer, Vesicherten, Rentner, etc. werden über dieses Gelddrucken um den Lohn ihrer Arbeit betrogen, weil das Geld entwertet wird. Dem Bürger wird dann erzählt werden, es sei deshalb alles so teuer geworden, weil der Chinese auch plötzlich so viel Auto fährt und die Rohstoffe deshalb nun so teuer geworden sind. Und der Leib Brot, der dann 10 Euro kostet, das liegt dann daran, dass die Inder plötzlich so viel Getreide und Düngemittel kaufen, etc. etc.. Mein Rat an alle: Nehmt euer Geld, gebt es aus, solange es noch etwas wert ist.

  26. Kommentar 26: von tropensturm

    Vor einiger Zeit hatte ich hier zu einem anderen Blogeintrag einen Artikellink gepostet mit dem Hinweis das Irland Geld druckt. Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigt hat, weiß inzwischen das dank dem TARGET2 System jeder Teilausschluß eines Staates aus dem Euro illusorisch ist, weil nicht durchführbar! Geht ein Staat Pleite, oder wird auch nur ein Land ausgeschlossen, muss sofort der gesamte Euro zerbrechen, weil sonst die Forderungen aus TARGET2 nicht aufgelöst werden können, bzw. sie bleiben bei denen die noch im Euro wären. Anders gesagt geht ein Land aus dem Euro, müssten dessen Schulden gegenüber TARGET2 aus den Büchern gelöscht werden, d.h. die Eurozonenländer müssten diese sofort abschreiben. Verbleibt Griechenland im Euro und geht Bankrott, müssten die anderen Euroländer aber ebenfalls weiterfinanzieren über TARGET2.

    Das TARGET2 System ist auch der Grund dafür warum Griechenland dann doch wieder Geld „gefunden“ hat. Und es ist der Grund dafür dass das Geld drucken der EZB nicht das geringste ändern würde. Denn momentan tun das die Zentralbanken der einzelnen Euroländer nämlich bereits selbst! Deutschland (163 Milliarden mittlerweile), Luxemburg (67 Milliarden) um ihre Forderungen gegen TARGET2 zu senken, Griechenland und Irland um sich über TARGET2 zu finanzieren (jeweils knapp 15 Milliarden). Es gäbe also nichts zu befürchten wenn wir das von der Hintertür in die Vordertür befördern. Es würde nämlich nicht das Geringste ändern an der jetzigen Situation:
    http://ftalphaville.ft.com/blog/2011/11/14/745851/some-euro-banknotes-are-more-equal-than-others/

  27. Kommentar 27: von Lion

    @tropensturm

    Wenn das so ist wie Sie behaupten, dann verstehe ich nicht, warum NIEMAND über dieses TARGET-SYSTEM redet. Wenn Sie recht haben, wäre es doch ein Leichtes, das „Retten der Eurozone um jeden Preis“ damit zu begründen. Warum macht das denn keine(r)?

    Lion

  28. Kommentar 28: von tropensturm

    @Lion ich will nicht darüber spekulieren, warum Sie denken das niemand über TARGET2 schreibt/redet:

    Handelsblatt hatte eine Leseliste zusammengestellt:
    http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/06/20/nicht-sexy-aber-wichtig-leseliste-zur-target2-debatte/

    Der Bundesbankbericht ab Seite 34 TARGET2:
    http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/monatsberichte/2011/201103mb_bbk.pdf

    Wobei die TARGET2 Debatte ursprünglich von Herrn Sinns Theorie getragen wurde, das man damit die Kreditvergabe der Peripherieländer einschränken würde und sich dementsprechend die meisten Artikel darüber erhitzen.

  29. Kommentar 29: von Lion

    Danke – ich werde mich diesbezüglich mal kundig machen.

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