Griechenlands Regierung lenkt ein und gibt ihren Widerstand gegen weitreichende Privatisierungen auf. Sie beugt sich damit einer Forderung von EZB und IWF. Damit wird der Weg frei für die nächste Tranche der internationalen Finanzhilfe. So soll es sein: Unterstützung im Tausch gegen substanzielle Reformen. Das ist ein gutes Geschäft. Die Griechen finden für sich ein tragfähiges Wirtschaftsmodell, die Hilfe der Euro-Länder, der EU und des IWF fließt nicht in ein Fass ohne Boden.
Gleichzeitig hat sich die EZB auch gegenüber den europäischen Regierungen durchgesetzt. Die unheilvolle Debatte über eine Umschuldung verstummt, weil die EZB eindringlich vor den weitreichenden Folgen eines Staatsbankrotts warnt. Dabei ist es hilfreich, dass der neue Bundesbankpräsident die Linie der EZB unterstützt und mit seinen Argumenten offenbar in Berlin Gehör findet. Wenn es Weidmann gelänge, Deutschland vom Harakiri abzuhalten, wäre viel gewonnen. Gerade die Deutschen hätten in einer neuen Finanzkrise besonders viel zu verlieren. Ich habe hier immer wieder darauf hingewiesen.
Als einzige möglicherweise machbare Variante einer Schuldenerleichterung sehe ich einen für Investoren freiwilligen Umtausch von Griechen-Anleihen gegen Euro-Bonds mit AAA-Rating. Diese Bonds könnten eine längere Laufzeit, einen niedrigen Zinssatz oder auch einen niedrigeren Nennwert haben. Auf Grund ihres Ratings wären sie für Banken, Versicherungen, Pensionskassen dennoch attraktiv, weil sie zwar einen Verlust realisieren müssten, aber mit der verbleibenden Forderung auf dem Trockenen wären. Deutsche Bank Chefvolkswirt Thomas Mayer hat frühzeitig einen solchen Vorschlag ins Spiel gebracht, der in Berlin brüsk abgelehnt wurde. Bei einem solchen freiwilligen Umtausch ließe sich die Schuldenlast Griechenlands reduzieren, ohne dass ein Default einträte, vor dessen Folgen auch die Ratingagenturen eindringlich warnen.
Die beteiligten Regierungen in Athen, in Berlin und anderswo sollten alles tun, um diese Krise marktschonend zu entschärfen. Das ständige Weltuntergangsgerede belastet bereits den deutschen Konsum und führt zu verstärktem Angstsparen. Die GfK hat darauf heute hingewiesen. Die Deutschen könnten sich angesichts wachsender Einkommen mehr Konsum erlauben, wenn dieser, die kollektive Psyche belastende, Faktor wegfiele.
Um bitte nicht missverstanden zu werden. Ich will exzessive Staatsverschuldung keineswegs bagatellisieren und halte harten Druck auf die Schuldnerländer für erforderlich. Ich plädiere für eine Rückführung der Schuldenstände in allen europäischen Ländern auf ein erträgliches Maß. Ich halte die 60-Prozent-Grenze für sinnvoll – als Ober- und nicht als Untergrenze der Verschuldung. Ich kann private Investoren nur eindringlich davor waren, Staaten ihr Geld zu leihen, die sich von dieser nach oben entfernen.




Mittwoch, 25. Mai 2011 | 12:46 Uhr
Sehr geehrter Herr Best,
grundsätzlich stimme ich Ihnen zu. Nur den Passus mit dem Angstsparen würde ich nicht unterstützen. Aus meinem Gefühl heraus, gibt es nur zwei Parteien. Die einen können einfach nicht mehr konsumieren, weil Ihnen schlicht dazu das Geld fehlt und die Anderen haben bereits alles und konsumieren soviel sinnvolles wie Sie können und haben trotzdem am Ende des Monats immer noch etwas übrig(auch wenn Sie leidlich versuchen alles auszugeben). Ich höre nur immer in meinem wohlhabenden Umfeld “raus damit solange es noch etwas Wert ist”, ist dass etwa der traurige Grund für unseren vielbeschworenen Aufschwung? Ich befürchte es.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 12:54 Uhr
Ist unsere Gesellschaft nicht wesentlich vielschichtiger in ihrer Sozial-, Einkommens- und Vermögensstruktur? Außerdem führt der Exportboom doch dazu, dass mehr Menschen Arbeit finden, Einkommen erzielen, dass befristete Arbeitsverhältnisse in unbefristete umgewandelt werden, dass Zeitarbeit durch direkte Anstellung ersetzt wird, dass Freiberufler und Selbstständige besser verdienen, usw.
Ich würde den deutschen Konsum nicht abschreiben, er braucht seine Zeit. Die Haushalte müssen erst mal Vertrauen fassen. Verschiedene Schocks der Vergangenheit sitzen tief.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 13:07 Uhr
[...] Best Börsen Blog: Die EZB setzt sich durch [...]
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 13:16 Uhr
Ohne Privatisierungen kann die griechische Wirtschaft nie umfassend modernisiert werden – den Griechen fehlt das notwendige Kapital.
Eine “Treuhandanstalt” wäre ideal – zudem wird diese Lösung einen Schreck den Portugiesen, den Iren, den Spaniern und sogar den Italienern einjagen, damit sie endlich ihren Finanzen in Ordnung bringen, sonst….
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 13:24 Uhr
Ihr Kommentar ist diesmal wirklich unter aller Sau, Herr Best!
Dass die Deutschen mehr verdienen ist schlichtweg eine Lüge!
Und die Griechenland-Krise kann man nur mit einem Schnitt beenden, alles andere ist Zeitschinderei!
Und wer sich um unsere Banken sorgt – die haben genügend Reserven, um ihre “Investitionen” in Griechenland abschreiben zu können – bei den Landesbanken zahlt eh der Steuerzahler – mit dem kleinen Unterschied, dass das Geld nicht zwischendurch durch Griechenland fließt.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 14:15 Uhr
Hallo Herr Best,
Hierbei wird nur Geld auf Schuld geschüttet und dabei Realvermögen transferiert.
ich hoffe Sie ertragen die Gegenrede von mir…
Bitte erklären Sie Ihren Lesern doch einmal genau, wie Geld entsteht, damit könnten Ihre Leser besser verstehen, dass Geld und Schulden zwei Seiten der gleichen Medaille sind.
Da das Geld durch Schulden machen entsteht, müssten Sie dann den Lesern auch erklären, dass wenn die Schulden “zurückgezahlt” werden, auch das entsprechende Geld aus einem Geldsystem verschwindet.
Wenn im Euro Raum die Schulden auf die “60-Prozent-Grenze” heruntergefahren würden, käme es zu einem deflationären Schock mit den bekannten Auswirkungen.
Das hilft genau so wenig, wie die “Privatisierung” von Realwerten in Griechenland, das weiß jeder, der schon mal Monopoly gespielt hat und seine Hotels verkaufen musste.
Wer das Geldsystem versteht, die Entstehung und Vernichtung von “Geld” versteht, hat kein Problem damit, diese Krise zu verstehen. Und erkennt, dass es für dieses “Schuldenproblem” nur eine Lösung gibt, nämlich eine Währungsreform, so wie es in der Geschichte von Geldsystemen üblich ist.
Frau Merkel würde sagen , es ist “alternativ los”
Alle anderen Rettungsversuche finden nur statt, um eine Währungsreform hinauszuzögern.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 14:40 Uhr
Gut, das es Griechenland gibt. Kann man doch somit von den anderen überschuldeten Staaten in der EU ablenken.
Selbst die sogenannte Lokomotive Deutschland kann die Zinsen für die aufgenommenen Kredite nur deshalb zahlen, weil parallel dazu immer wieder neue Kredite aufgenommen werden müssen. Selbst in Zeiten starker Steuerzuwächse! Von Schuldentilgung spricht ja niemand mehr.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:04 Uhr
Herr Best, Sie sind zu optimistisch.
Ich wünschte, dass Ihre Hoffnungen eintreffen bezüglich der Konsolidierung der Staatsfinanzen. Aber wenn ich mir die Zahlen anschaue, kann ich Ihre optimistischen Hoffnungen (vielleicht Wunschdenken) nicht teilen.
Hier mal die sehr betrüblichen Zahlen:
1) Griechenland hat 10% Defizit respektive des Bips und keine wirklich
konkurrenzfähige Industrie. Das Land hat sich de facto in den letzten
zehn Jahren in wesentlichen Bereichen deindustrialisiert, auch wegen der
billigeren Euro-Importe, da die Lohnstückkosten in GR zu hoch waren.
Solange der starke Euro den Griechen erhalten bleibt, wird sich das Land auch nicht schnell wieder industrialisieren.
2) Auch Griechenland leidet unter einer schlechten demographischen Entwicklung, da kommen noch nicht beachtete Belastungen auf GR zu.
3) Leidet GR unter einer beispiellosen Korruptionskultur, und diese
wird man auch nicht in 3 Jahren beseitigen sondern höchstens in 20 Jahren.
Aus all den Gründen glaube ich nicht, dass GR vom Kapitalmarkt in den nächsten 10 Jahren zu vernünftigen Zinsen an Kredite kommt.
Das heißt, entweder Transferunion (igitt) oder Umschuldung.
Bezüglich Ihres Wunsches, dass 60% max Verschuldung im Vergleich zum Bip wünschenswert ist bei allen EURO-Staaten: Selbst in den fetten Jahren vor der Finanzkrise ging die Verschuldungsrate nur nach oben.
Selbst Deutschland baut nicht ab und ist gerade in einer eher
begünstigten Situation.
Zur EZB: Warum ist die EZB gegen eine Umstrukturierung? Na ja, weil der sehr ehrenwerte Herr Trichet massiv griechische Staatsschrottpapiere
gekauft hat und diese ihn bei einer Umschuldung als Deppen dastehen lassen.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:10 Uhr
@ Fionn H.
Ja, eine Treuhand für Griechenland wäre genau das richtige, ich stimme Ihnen absolut zu. Offenbar will die Regierung in Athen auch in diese Richtung gehen.
@ Gruffel
Wenn wir das täten, was Sie vorschlagen, würden wir in der Tat in Deutschland schon bald keine wachsenden sondern schrumpfende Einkommen haben. Das Finanzsystem hält einen Staatsbankrott in der Euro-Zone nicht aus, zumal dann niemand mehr da wäre, der strauchelnde Banken retten könnte, wenn die Staaten selbst straucheln …
@ Toben
Der Abbau von Schulden, den ich fordere, ist ein relativer – gemessen am nominalen BIP. Das ist keine Rückzahlung. Er erfolgt durch ausgeglichene, oder nahezu ausgeglichene Haushalte. Das deutsche BIP z.B. wird in diesem Jahr voraussichtlich um 5,5 bis 6 Prozent nominal wachsen, die Neuverschuldung aber nur 1 bis 1,5 Prozent des BIP betragen – der Schuldenstand in Prozenten des BIP wird sinken. Das Gerede von einer “Währungsreform” ist schlicht hirnrissig, sorry das ich das so direkt sage.
@ Prollo
Deutschland wird in diesem Jahr einen fetten Primärüberschuss haben, im kommenden Jahr einen ausgeglichenen Haushalt … falls die Energiewende nicht zu teuer wird und Steuersenkungen unterbleiben.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:12 Uhr
Die von verschiedene Stellen vorgebrachte Variante eines freiwilligen Umtausch von Griechen-Anleihen gegen Euro-Bonds mit AAA-Rating kann meiner Meinung nicht fuktionieren. Wenn z.B. die Hälfte der Gläubiger auf dieses Angebot eingehen würden, bräuchte die andere Hälfte ihre Papiere ja nicht mehr umzutauschen, da die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles enstprechend sinken würde.
Also wer will in einer solchen Situation seine Papiere als erstes umtauschen? Wie will man den Druck des drohenden Defaults dann noch Aufrecht halten?
Was das Angstsparen anbegeht: Die Menschen in meinem Umkreis suchen doch eher nach Möglichkeiten ihr Geld werthaltig anzulegen, als weitere Euros anzuhäufen.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:15 Uhr
@ Toben
Allerdings wäre es auch möglich, dass die Staaten weniger Schulden haben und mehr Schulden in der privaten Hand (Firmen) gehalten wird in Form
von Investitionskrediten. In diesem Fall wäre gleich viel Geld im Umlauf, aber die Geldverwendung wäre wirtschaftlich besser.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:19 Uhr
@ Crasher
Das griechische Handelsbilanzdefizit geht zurück, die Griechen importieren deutlich weniger und exportieren etwas mehr. Das Lohnniveau sinkt, der Standort wird dadurch konkurrenzfähiger.
Was die Korruption betrifft ist ja selbst Deutschlands Exportwirtschaft lernfähig und verzichtet mittlerweile – weitgehend – darauf, die ganze Welt mit Schmiergeld zu beglücken. Warum sollten die Griechen nicht dazulernen?
Und der sehr ehrenwerte Herr Trichet hat dafür gesorgt, dass nachher, wenn Sie zum Geldautomaten gehen, etwas rauskommt … er hat einen tollen Job gemacht in der Finanzkrise.
Der Ankauf von Anleihen war eine vorübergehende Maßnahme als die staatlichen Rettungsschirme noch nicht aufgespannt waren. Das Kaufprogramm ist de facto längst ausgelaufen.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:26 Uhr
@ Markus Müller
Alle würden ganz sicher nicht verkaufen, aber auf Banken oder Versicherungen ließe sich durch Stresstests sanfter Druck ausüben. Einen Versuch könnte es wert sein.
Was das Sparen betrifft: Die monetäre Sparquote der Privathaushalte liegt über 11 Prozent. Ich weiß, dass manche Leute überteuerte Häuser kaufen, selber schuld … Die einzigen Realwerte, die aus meiner Sicht einen Kauf wert sind, wären Aktien. Die aber rangieren in der Statistik im Geldvermögen. Wie sie wissen halte ich nicht viel von Gold oder Immobilien als Vermögensanlage.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:41 Uhr
Herr Best, in der Theorie könnte es ja durchaus so laufen, wie Sie sich das
wünschen. Und in diesem Fall wäre ich ja auch sehr froh!
Aber: Die EZB, und die nordeuropäischen Garantiererstaaten haben sich
ja durch die Rettungen von den Griechen erpressbar gemacht.
Je mehr gerettet wird, desto erpressbarer werden wir, da ja die Garantien für
die Griechen steigen.
Wenn es nun der griechischen Bevölkerung demnächst einfach stinkt, dass sie solche Einschnitte hinnehmen sollen, so werden die griechischen
Politiker den Erpressungsjoker ausspielen. Davon gehe ich feste aus.
Von unserer Sicht aus wäre eine Umschuldung eine Risikobegrenzungsaktion.
Klar man müsste gleich etwas dafür zahlen, die Rechnung gleich präsentiert bekommen.
Aber je mehr gerettet wird, desto größer wird das Risiko und desto
größer könnte der Knall am Ende werden.
Übrigens steht im Economist zu diesem Thema ein ausführlicher
Artikel. Auch sie sehen die Retterei eher als riskantes Harakiri-Spiel.
Letztes Jahr war die Ansage der Euro-Retter, dass alles vorübergehend sein soll und GR ab 2013 oder gar 2012 sich wieder Geld am Kapitalmarkt
beschaffen werden kann. Jetzt geben sie kleinlaut zu, dass das wohl nicht passieren wird.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 15:47 Uhr
@ Crasher
Eine Umschuldung würde doch den Druck von Griechenland nehmen. So wie es jetzt läuft, ist der Druck maximal und er wirkt. Griechenland würde im Juli keine renten mehr zahlen können und im Staatssektor keine Löhne mehr, wenn die nächste Tranche von IWF und EZB nicht freigegeben wird. Und siehe da, die Privatisierung kommt in Gang.
Ich glaube übrigens auch nicht, dass Griechenland in den nächsten vier, fünf Jahren zurück kann an den Kapitalmarkt. Dazu hat übrigens die Umschuldungsdebatte entscheidend beigetragen!
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 16:12 Uhr
Herr Best, Ihr Wort in Gottes Ohr (ich hoffe es ja auch, dass das am Ende
alles glimpflich läuft, aber bin halt skeptisch).
Aber ich habe mal an Sie eine direkte Frage in Punkto Staatsfinanzierung:
Wie wir ja wissen, halten viele Banken Staatsanleihen.
Und im Prinzip können Banken sich billig Geld bei der Notenbank leihen, dieses gleich in Staatspapiere mit einem höheren Zins investieren und die
Zinsdifferenz als Arbitrage einstreichen. Zweitens kann die Notenbank soviel Geld verleihen an die Banken, wie sie will. Drittens, ist es bei Volkswirtschaftlern verpönt, wenn Staaten sich direkt bei der Notenbank Geld leihen. Ja, aber wenn wir jetzt alle drei Punkte zusammenzählen, so passiert ja genau das, nur über den Umweg über die Banken, die als Zwischenhändler für eine Nullleistung fürstlich entlohnt werden.
Und wie wir ja wissen, haben eine ganze Reihe von großen Privatbanken
genau aus diesem Grund in den letzten Jahren lieber Staatsfinanzierung betrieben, als ihre primäre Aufgabe zu erledigen, nämlich gute Investitionen in der Realwirtschaft mit Krediten zu versorgen.
Das ist ja mühseliger, weil man Geschäftsmodelle gründlich prüfen muss.
Wäre es nicht besser, den Staaten zu erlauben, bei der Notenbank sich zu finanzieren zu dem Zinssatz, den die Banken für Privatkredite im Schnitt verlangen? Und den Banken es verbieten, Staatsanleichen zu kaufen (oder eben nur mit 100% Eigenkapital). Vorteile: Für die Staaten wäre die Finanzierung gleich teuer wie jetzt. Zweitens: den Banken wäre die leichte Art, Geld zu verdienen genommen und sie würden sich wieder auf ihre Primäraufgabe mehr
konzentrieren, Kredite an die Realwirtschaft weiterzuleiten.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 16:25 Uhr
“Das Finanzsystem hält einen Staatsbankrott in der Euro-Zone nicht aus”
Das sagen Sie! Ich sage, Griechenlands Schulden sind Peanuts für unsere Banken!
Toben hat die Funktionsweise unseres Geldsystems schön auf den Punkt gebracht.
Meiner Meinung nach ist es aus dem Ruder gelaufen und kann nicht mehr wirklich kontrolliert und in gewollte Bahnen gelenkt werden, ohne dass es große soziale Zerwürfnisse geben wird – in ganz Europa, wenn nicht der gesamten “westlichen” Welt.
Ein vernünftig geplanter und umgesetzter Schnitt europaweit wäre das Sinnvollste – ein kompletter Neustart des Währungssystems.
Alles andere ist nur Flickschusterei und Zeitschinderei und zwischendrin bereichern sich die Aasgeier an den Steuergeldern der Bürger.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 16:31 Uhr
@ Crasher
Sie haben das System ganz gut durchschaut. Allerdings funktioniert der Kreislauf etwas anders. Sparer bringt Geld zur Bank. Bankenaufsicht verlangt, dass Bank das Geld in erstklassige Aktiva anlegt. Bank kauft Staatsanleihen – (nur) die gelten bei der Aufsicht als erstklassig. Bank nimmt Staatsanleihen und hinterlegt sie bei EZB als Sicherheit, wenn sie Liquidität braucht. Übrigens ist das Volumen dieser EZB-Liquidität bei weitem nicht so hoch wie das Volumen ausstehender Staatsanleihen. Es sind zur Zeit für die ganze Euro-Zone nur 360 Mrd. Euro. Außerdem erhält die EZB nicht ausschließlich Staatsanleihen als Sicherheiten sondern sondern jede Art von Papieren, z.T. mit Bewertungsabschlag. Es gibt auch Banken – große, starke – die gar keine EZB-Liquidität brauchen, weil sie Geld am Interbanken-Geldmarkt billiger bekommen oder ohnehin genug davon haben. Bei der EZB stehen die Schwächsten Schlange.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 16:40 Uhr
@ Gruffel
Ich habe offen gestanden ein anderes Weltbild. Banken sind genausowenig Aasgeier wie Frisöre oder Bäckermeister. Ich denke, dass die christliche Theologie und der Antisemitismus diesen Unfug in die Welt gesetzt haben – Luther vorneweg. Wir sollten uns von derart holzschnittartigen Vorurteilen freimachen. Banken betreiben Geldgeschäfte. Die gehören zum Wirtschaftskreislauf dazu und sind nicht sittenwidrig. Klar sollte man sich die Geschäfte im einzelnen kritisch ansehen, aber das kann man auch bei Bäckern und Frisören tun.
Dass Banken Staatsanleihen hoch verschuldeter Staaten besitzen, sollte man auch nicht primär den Banken anlasten. Was hätte es für ein Geschrei gegeben, hätten sie sich vor ein paar Jahren geweigert, solche Anleihen zu kaufen. Was hätten wir dann nicht zu hören bekommen über das “Primat der Politik” und so weiter. Außerdem erinnere ich mich, dass die Banken vor einem Jahr eindringlich gebeten wurden, ihren Bestand an Risiko-Staatsanleihen nicht abzubauen !
Was die systemischen Risiken eines Staatsbankrotts betrifft, sollten wir auf das Urteil von EZB und Bundesbank vertrauen und uns kein eigenes nur so aus dem Bauch heraus zutrauen.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 16:54 Uhr
Ich meinte mit Aasgeiern nicht unbedingt (nur) Banken.
Mir indirekt Antisemitismus zu unterstellen finde ich nun aber mehr als nur befremdlich – Zinsgeschäfte an sich sind nicht verwerflich – darauf zu wetten, wann, ob und wie ein Schuldner pleite geht, sehr wohl.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 16:59 Uhr
Trichet ist All-In gegangen. Es wird noch dauern bis die Erkenntnis angekommen ist, das wir unsere Banken in ganz Europa sanieren müssen. Die EZB hat über 480 Milliarden Euro an Asset Backed Securities nur allein von unseren Wackelkandidaten gebunkert. Die Bundesbank steht durch ihren Anteil mit 27% Anteil dafür gerade. Rien ne va plus. Lehmann Brothers wäre im Vergleich nur die Erinnerung an ein Darmgeräusch der Weltgeschichte wenn das hier platzt. Aber gut ich hab aus den Kommentaren auch gelernt, das einige der festen Überzeugung sind das schlucken unsere Banken alles locker weg. Akzeptanzproblem von Fakten, oder warum haben wir die nochmal wegen den paar Milliarden (warens 50?) bei Lehman Brothers retten müssen?
Griechenland muss sich neu strukturieren, die anderen der PIGS ebenso. Den Umtausch in Eurobonds wird kein so großes Problem bei der Wahl zwischen AAA+ oder B.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 17:00 Uhr
@ Gruffel
ich will Ihnen gar nichts unterstellen, schon gar nicht persönlich. Ich wollte nur darauf hinweisen, wo dieser in Deutschland verbreitete Banken-Hass herkommt, wer ihn geschürt hat in unserer Geistesgeschichte. Die Nazis haben sich genüsslich bei Luther und Hilferding (“Das Finanzkapital”) bedient, sie haben die religiöse und die sozialistische Tradition geplündert. Alles zusammen undifferenziert verrührt lebt im kollektiven Bewusstsein fort …
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 17:09 Uhr
Wie schon gesagt habe ich nichts gegen klassische Bankgeschäfte – Geld verleihen und anderer Leute Geld verleihen, für Investitionen oder um Notsituationen zu überbrücken – die Banken verdienen ein wenig daran – alle sind glücklich.
Bis zu 19% Dispokreditzinssatz bei 1% Leitzins ist Wucherei.
Zudem kommen viele Banken ihren Aufgaben Geld für Investitionen zu verleihen nicht mehr nach.
Meine Abneigung für Banken – sofern man das so allgemein bezeichnen kann – kommt von keinen ideologischen Überzeugungen oder Verführern, sondern aus eigener Beobachtung.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 17:21 Uhr
@ Tropensturm
Vorsicht mit den 480 Milliarden. Die Zahl ist irgendwo aus der Presse. Sie ist m.E. falsch. Hier ist der EZB-Link zu geldpolitischen Operationen:
http://www.ecb.de/mopo/implement/omo/html/index.en.html
und hier die Bilanz:
http://www.ecb.int/press/pr/wfs/2011/html/fs110524.de.html
Die Volumina, die die EZB bewegt, sind zwar hoch, aber sie werden gerne überschätzt.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 17:47 Uhr
Herr Best, danke für das „hirnrissig“, mein Ego wird es verkraften, aber es würde mich doch sehr freuen, wenn Sie Ihre Meinung auch mit Argumente untermauern könnten.
Jede Geldsystemkrise wurde in der Geschichte mit einer Währungsreform beendet. OK manchmal brauchte man 2 oder 3 aufeinander folgende Reformen, je nach dem, was der Staat an Goldreserven hatte (Vertrauen in die neue Währung).
Das BIP ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung eines Staates, hat mit der Geld- und Schuldmenge in einem Geldsystem erst mal überhaupt nichts zu tun. Um die Schulden verschiedener Staaten vergleichbar zu machen, verstehe ich die Relationssetzung zum BIP, aber in der Geldmengentheorie spielt das BIP keine Rolle. Eine Geldmenge die nicht in der Wirtschaft zirkuliert, sondern auf Konten gehortet und verzinst wird, hat keinen Effekt für das BIP.
@Crasher
Genau das ist das Problem, die Staatsschulden sind die „Ultima Ratio“ eines Geldsystems, wenn sich der Privathaushalt oder das Unternehmen nicht mehr verschulden kann oder will. Dann muss der Staat einspringen, damit das Geldsystem nicht deflationiert, also schrumpft. Am Anfang eines Geldsystems ist der Staat kaum verschuldet, am Ende des Systems steht immer die Überschuldung des Staates.
Wenn die anderen Wirtschaftsteilnehmer sich nicht ausreichend verschulden, springt der Staat mit „Konjunkturprogrammen“ ein. Nun muss man sich natürlich fragen, warum dieser Zwang überhaupt besteht. Der Zinseszinseffekt der auf der Geldmenge lastet, zwingt diese Geldmenge zum exponentiellen Wachstum. Dieser Zuwachs der Geldmenge kommt nur durch neue Schulden in das System, egal wer diese Schulden aufnimmt. Als letzte Instanz kommt hier der Staat ins Spiel, solange bis er nicht mehr kann. Dann kommt die Währungsreform, die Herr Best offensichtlich nicht mag.
Spätestens dann wird jeder merken, dass Geld ein gutes Tauschmittel, aber kein guter Wertspeicher ist.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 18:45 Uhr
Na, Herr Best, Sie sind ja immer noch ein unverbesserlicher Optimist!
Ja, ja, Privatisierungen als Allheilmittel. Alte neoliberale Schule, eh? Naja, es mag ja sein, dass damit kurzfristig etwas Geld hereinkommt, aber dadurch ist das Land doch trotzdem nicht wettbewerbsfähig, weil es immer noch mit dem starken Euro zu kämpfen hat. Es steht halt hinterher nur komplett ohne Werte da, und die Bürger haben (wieder einmal) das Nachsehen! Schauen wir doch nach England (London Tube), um zu sehen, welch durchschlagenden Erfolg die Privatisierung hatte. Ach, oder nach Deutschland: Deutsche Bahn AG. Super! Was für ein tolles Unternehmen, und dabei ist es noch nicht mal voll privatisiert.
Nein, Herr Best, hier werden sich Bänker nochmal die Tasche vollstopfen, und das Land wird trotzdem Pleite gehen. Und die Banken werden trotzdem gerettet werden müssen. Durch uns.
Ja, ich gebe zu, ich bin da eher pessimistisch.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 18:57 Uhr
@ Mark
Die Privatisierungen in Deutschland haben sich doch bewährt. Deutsche Telekom und Deutsche Post funktionieren gut, bringen verlässliche Dienstleistungen zu vertretbaren Preisen, ohne finanzielle risiken für den Steuerzahler. Die Bahn hingegen ist zwar eine AG, aber zu 100 Prozent in Staatsbesitz. Auch muss sie sich bislang kaum dem Wettbewerb stellen.
Ich verspreche mir von einer Entstaatlichung der griechischen Wirtschaft weniger Vetternwirtschaft der politischen Parteien, mehr Wettbewerb, mehr Dynamik. Das sollte dem Land gut tun.
Mittwoch, 25. Mai 2011 | 22:04 Uhr
Herr Best, jetzt muss ich mich doch wundern,
was Sie hier @Crasher schreiben.
Es scheint mir, als hätten Sie sich noch nicht wirklich mit Geldentstehung beschäftigt oder gar eine Bankbilanz mal lesen.
Sonst wüssten Sie dass:
1. Wir zwei Geldkreisläufe haben, zum Einen den Zentralbankgeldkreislauf zwischen Zentralbank und den Geschäftsbanken, zum Anderen den Giralgeldkreislauf zwischen Geschäftsbanken und Publikum(Bankkunden).
2. Das, was wir als Geld auf unseren Konten verstehen, kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, sondern vielmehr ein Schuldversprechen der BANK dem Kunden gegenüber ist. Gesetzliches Zahlungsmittel ist nur BARgeld und Zentralbankgeld. (Deshalb haftet auch Frau Merkel persönlich für unsere Sichtguthaben
)
3. Die Bank bei Kreditvergabe an einen Kunden die Bankbilanz verlängert, und eben NICHT Kundenguthaben “weiter verleihen”, wie oft behauptet wird.
Giralgeld entsteht durch Kreditvergabe und wird nur durch Kreditrückzahlung oder Bankrott vernichtet.
4. Die Banken in Wirklichkeit diese Staatsanleihen bei der Zentralbank hinterlegen, um Zentralbankgeld zu bekommen, dass sie aber gleich wieder bei der Zentralbank als Mindestreserve hinterlegen, um auf Basis dessen Giralgeld (auch im Interbankenhandel) schöpfen zu können.
5. Staatsanleihen natürlich mit Giralgeld (M1) gekauft werden, und daher das “Volumen ausstehender Staatsanleihen” viel höher ist, als die EZB Liquidität, die zur Zentralbankgeldmenge (M0) zählt.
Und zur guter Letzt, Geld ist reine Glaubenssache, ist der Pfand (z.B. Staatsanleihen) den man einsetzt, um Geld zu schöpfen nichts “wert”, ist das Geld das man bekommt auch nichts wert.
Donnerstag, 26. Mai 2011 | 02:57 Uhr
Auch die Griechen wissen, was für jedermann offensichtlich ist:
1. Sarkozy, Merkel usw. wollen um buchstäblich jeden Preis einen Staatsbankrott Griechenlands verhindern, weil sie zu viel Angst vor den (vermeintlichen) Folgen haben (vermeintliche Bankenkrise 2.0, vermeintliche Schwächung des Euros).
2. Die EZB macht das, was die Politik will.
Warum also sparen? IWF, EZB und übrige Eurostaaten sind von den Griechen beliebig erpreßbar. Es wird so laufen:
* Die Ankündigung der griechischen Regierung, Staatseigentum zu versilbern, wird ein Lippenbekenntnis bleiben. Die Griechen werden schon Ausreden finden, warum das noch Zeit brauche. Letztlich werden sie es gar nicht machen. Welcher private Erwerber würde einem griechischen Lokführer weiterhin 100.000,- € pro Jahr zahlen? Oder den Arbeitnehmern der staatlichen Ölgesellschaft weiterhin 16 Monatsgehälter in Höhe von durchschnittlich 85.000,- € pro Jahr?
* Die Behauptung des IWF, der EZB und der Eurostaaten, man knüpfe die Hilfen für Griechenland an bestimmte Meilensteine beim Sparen, wird ein Lippenbekenntnis (Ziel: Beruhigung des für sehr dumm gehaltenen Wahlvolks) bleiben. Das heißt, die nächste Tranche des bestehenden Hilfsprogramms wird mit Sicherheit ausgezahlt werden, ganz egal, was die Griechen machen.
* In ein oder zwei Jahren werden die Wähler zumindest in Deutschland, den Niederlanden und vielleicht noch ein paar weiteren Eurostaaten erkannt haben, daß Griechenland ein Faß ohne Boden ist. Unter dem Druck seitens des Wahlvolks werden die Griechenlandhilfen gestoppt bzw. keine neuen aufgelegt werden. Dann wird der Staatsbankrott Griechenlands eintreten. Die Gelder aus den Hilfsprogrammen sind futsch.
Donnerstag, 26. Mai 2011 | 08:48 Uhr
Herr Best schrieb:
Was das Sparen betrifft: Die monetäre Sparquote der Privathaushalte liegt über 11 Prozent.
Das ist oberflächlich richtig. Es lohnt sich aber ein Blick in den Aufbau der Sparquote:
http://www.contradictio.de/sparquote.gif
Ich hielte es für sinnvoll, wenn EURO-Länder sich innerhalb der Stabilitätskriterien (3% jährl. Bip / 60% zum Bip Gesamt) über EURO-Bonds finanzieren könnten, gerne direkt bei der EZB zum EZB-Zins. Länder die diese Grenzen überschreiten sollten dann eigene Anleihen ausgeben müssen zu dann schlechteren Konditionen sprich höheren Zinsen. Auf diese Weise würde der Euro stabil und die Schuldenstaaten würden weiter diszipliniert.
Donnerstag, 26. Mai 2011 | 09:47 Uhr
@Humperdnick
Danke! Natürlich ist nicht alles schwarz/weiß aber die Sparquote kommt eben vorallem von den Wohlhabenden die kaum mehr wissen was Sie noch konsumieren sollen und daher eben sparen – zwangsweise sozusagen. Genau das habe ich gesucht……
@a.k. Ich denk auch das Erpressungspotential der Griechen an Europa wird größer. Griechenland wird sich nur bewegen, solange Sie es für die bessere Option hält. Falls also das Erpressungspotential an Europa groß genug ist, werden die Griechen aus meiner Sicht, um das Volk zu beruhigen, Europa vor die Wahl stellen: Entweder Ihr rettet uns und haltet uns am Tropf oder wir gehen alle drauf. Schöne Optionen.
Donnerstag, 26. Mai 2011 | 18:41 Uhr
Offensichtlich ist die Lage in Griechenland ein brennendes Thema
unter den Deutschen.
Hier findet man die englischen Seiten der führenden griechischen Zeitung “Kathimerini”
http://www.ekathimerini.com
Donnerstag, 26. Mai 2011 | 21:22 Uhr
@Herr Best: vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
@von Toben: ebenfalls vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Aber da hätte ich gleich noch ein paar Fragen zu Ihren Ausführungen:
Sie schreiben:
“Der Zinseszinseffekt der auf der Geldmenge lastet, zwingt diese Geldmenge zum exponentiellen Wachstum.”
Das kann ich jetzt so als Statement überhaupt nicht nachvollziehen.
Stellen wir uns einen kleinen Wirtschaftskreislauf vor, z.B. ein kleinen Dorf
ohne Wirtschaftwachstum. Das Dorf lebt autark. Auch in diesem System
wäre ein Geldsystem und eine Bank möglich. Nur würde die Bank für
Spareinlagen vielleicht keine Zinsen oder nur minimale Zinsen zahlen.
Im Fall dass es Zinsen zahlt, wäre die Inflation natürlich genau so groß,
da das Dorf ja kein Wirtschaftswachstum hat per Annahme.
Für die Dorfbewohner wäre es dennoch attraktiv Geld bei der Bank zu parken wegen Sicherheit vor Dieben, und Inflationsausgleich,
leichterer Geldverkehr mit Überweisungen.
Also Ihren Satz kann ich auch nach langem Überlegen nicht nachvollziehen.
weitere Frage: Sie unterscheiden hier zwischen den verschiedenen Geldarten. Ich verstehe, dass wenn ich meinem Nachbarn auf Papier 1 Millionen leihe und gleichzeitig mir bei ihm direkt oder indirekt 1 Millionen
leihe, sich die Geldmenge (Giralmenge) vermehrt hat.
Aber das ist ja zunächst irrelevant weil ein Nullsummenspiel auf Papier.
Und ob jetzt echtes Geld oder Giralgeld, beides sind doch nur Schuldverschreibungen, aber eben in etwas anderer Form.
Sie haben doch de facto juristische Feinheiten des Geldes gut beschrieben,
die aber für die Frage der Systemsicherheit nicht wichtig sind?
Und zuletzt noch meine Frage an alle:
Könnte man nicht die Staatsverschuldungsproblematik auf folgende Art
lösen: Gedankengang: Die Staaten haben sich in der Vergangenheit verschuldet, das Geld in Umlauf gebracht (Renten Pensionen) oder verkonsumiert. Im Gegenzug versprachen sie diese Schuld mit
zukünftigen Steuereinnahmen zu begleichen. Die Bürger oder Unternehmen
haben dem Staat das Geld geliehen. Man könnte doch jetzt den Reset-Knopf drücken: Man sagt, die Zentralbank übernimmt die Verpflichtungen aus den derzeitig im Umlauf befindlichen Staatsanleihen.
Im Gegenzug wird den Staaten verboten, neue Schulden aufzunehmen.
Vorteile, die ich sehe:
1) Inflationsgefahr bestünde nicht, denn die Staaten haben das Geld ja
bereits in der Vergangenheit ausgegeben.
2) Einen Wirtschaftsschock gäbe es nicht, denn für die Besitzer von Staatsanleihen würde sich ja gar nichts ändern.
3) Die Staaten dürften zwar keine neuen Schulden machen, aber
dafür brauchen sie ab sofort auch keine Zinsen für Altschulden mehr aufbringen.
4) Da Staatsanleihen ja immer eine gewisse Laufzeit haben, ist das Problem aus der Welt, wenn die letzte Staatsanleihe auslief.
Irgendwo muss hier ein gedanklicher Fehler sein, aber ich sehe ihn nicht.
Falls es keinen gibt, wäre es doch super!
Freitag, 27. Mai 2011 | 01:25 Uhr
@Crasher
Um meinen Satz richtig zu verstehen, ist es wichtig, dass Sie klar zwischen Geld und Gut (Wirtschaft) trennen, ihr „Dorf-Wirtschaftskreislauf“ könnte auch ohne Geld auskommen (z.B. Tauschhandel).
Inflation ist im eigentlichen Sinn, das Verhältnis zwischen Geldmenge und Warenmenge. Wenn nun Banken Zinsen zahlen, wächst die Geldmenge, wenn nun nicht die Warenmenge im gleichen Maße wächst, steigen die Preise für die Waren (Inflation). Wenn die Warenmenge im gleichen Maß wie die Geldmenge wächst, haben wir Inflation von Null.
Die Geldmenge auf den Konten wächst durch das Zahlen von Zinsen und dem Zinseszins-Effekt, unabhängig von der Wirtschaft, mit einer exponentiellen Dynamik. Sie sollten das nicht vermischen.
Die schlechte Nachricht ist, dass am Ende eines Zinseszins Geldsystems die Geldmenge viel schneller wächst, als die Wirtschaft jemals wachsen kann. Üblicherweise wächst jede Wirtschaft mit abnehmender Geschwindigkeit (Sättigungskurve). Wenn Sie das verstehen, dann erklärt sich auch, wo dieser weltweite Globalisierung-Druck herkommt und warum es überhaupt z.B. ein Markt für künstliche Produkte wie Zertifikate gibt, alles ein Zeichen einer überschießenden Geldmenge und Ausdruck der Verzweiflung, neu Güter zu schaffen, die man dafür dann noch kaufen kann.
In letzter Verzweiflung haben die Zentralbanken die Zinsen auf quasi Null gesenkt und somit die wachsende Geldmengen Dynamik abgeschwächt aber aufhalten können sie sie nur durch einen Negativzins, Stichwort „Umlaufsicherungsgebühr“. Das trauen sich aber die Herren Zentralbänker nicht, denn dann würden die Menschen versuchen Ihr Sichtguthaben von der Bank in zinsfreies BARGeld zu tauschen, mit der Folge „Bankrun“. In unserem System gibt es nun mal nur 5 % der Giralgeldmenge als Bargeld. (seit dem ich das weiß, übe ich die Sprints zur Bank
)
Die Kehrseite des Problems der überschießenden Geldmenge ist die, hier eigentlich diskutierte, Schuldenkrise. Wenn man erkennt, dass Geld durch Schulden machen entsteht, wird klar, dass in einem Geld System immer genau so viel Geld wie Schuld existiert. (verteilt zwischen Arm und Reich
)
Genau daher kommt der Schuldenzwang im System, die verzinste Geldmenge zwingt das System zu mehr Schulden, wenn die Teilnehmer dazu nicht mehr bereit sind, die „Ultima Ratio“ Staat auch nicht mehr Schulden aufnimmt, dann kann die Zentralbank entweder das fehlende Geld einfach drucken, wie aktuell in USA gemacht wird, oder man setzt das Schuld-Geld System wieder zurück, streicht Geld und Schuld und fängt wieder von vorn an. Das ist die Währungsreform, von der ich sprach.
Ihrer zweiten Frage, erklärt sich vielleicht mit einer Gegenfrage:
Was ist der Unterschied zwischen einem Kredithai und einer Bank?
Der Kredithai hat Geld auf seinem Konto, das er dem Kreditnehmer überweist, und er zahlt es ihm später mit 20 % Zinsen zurück. In dem Moment, wo er dem Kreditnehmer das Geld überweist oder bar auszahlt, verfügt der Kreditnehmer über das Geld und der Kredithai nicht mehr.
Wenn Sie zur Bank gehen und ein Kredit dort nehmen, bekommen Sie das Geld auch Bar oder es erscheint auf Ihrem Konto, aber im Unterschied zum Kredithai wird dieses Geld von KEINEM Konto auf der Bank abgehoben.
Ich will Sie jetzt nicht zu sehr mit Bankbilanzen nerven, aber eine Kreditvergabe bei einer Bank ist “erfolgsneutral”. Das heißt, die Kreditvergabe ist eine “Bestandsbuchung”, sie verändert den Bestand (= Bilanz) der Bank. Diese Bilanz hat zwei Seiten, auf der einen Seite steht die „Forderungen an Kunden“, da steht der Betrag Ihrer Kreditsumme sozusagen als „Schuld“ und auf der anderen Seite stehen „Verbindlichkeiten ggü. Kunden (Ihr Guthabenkonto, auf dem das Geld Ihres Kredits erscheint)
Mit der Unterschrift unter einem Kreditvertrag bei der Bank, entsteht sowohl Schuld als auch Geld in der Bilanz gleichzeitig.
Das nennt man eine Bilanzverlängerung, beide Seiten der Bilanz verlängern sich um den Kreditbetrag. Die romantische Vorstellung, dass „Geld eines Sparers“ von der Bank als Kredit zu bekommen, ist, wie Herr Best so schön einbrachte, „hirnrissig“.
Das ist auch der Grund, warum man sein Geld auf seinem Konto noch sieht, obwohl die Bank immer sagt, dass sie mit dem Geld „arbeitet“, weil sie es weiter verleiht und deshalb man als Dank dafür Zinsen erhält. Wenn die Bank es so machen würde, also genauso wie der Kredithai, müsste das Geld ja auf dem Konto des Kreditnehmers sein, und von meinem Konto in der Zeit verschwinden, oder?
Die juristischen Feinheiten der unterschiedlichen Geldformen werden wichtig, wenn es zur Währungsreform kommt, weil sie unterschiedlich abgewertet werden, dann ist es besser, ein Schuldversprechen von der Zentralbank (Bargeld) zu haben als ein Schuldversprechen von einer Geschäftsbank(Giralgeld). Aber im Endeffekt haben Sie schon Recht, bei einer Währungsreform ist immer der, der Doofe, der seine Werte in Geld, egal welcher Form, gespeichert hat.
Ich hoffe ich konnte weiter helfen
Ach, zu ihrer letzten Frage, ganz kurz nur:
Ihre Idee führt in die Hyperinflation, denn wenn die Zentralbank die Schulden der Staaten übernimmt, muss Sie ja das Geld dafür neu drucken und ins System kippen. Mr. Bernanke wird ihnen das, an einem praktischen Beispiel erklären, Sie brauchen nur etwas Geduld.
Freitag, 27. Mai 2011 | 08:47 Uhr
Sorry, aber das was Toben hier schreibt, halte ich für weitgehend absurd. Zinszahlungen erhöhen nicht die Geldmenge. Infation bekämpft man nicht, indem man die Zinsen senkt. Es gibt auch keine mechanische Korrelation zwischen dem Wachstum von M3 (Der Geldmenge), dem realen Wachstum und der Inflationsrate. Wenn das so wäre, hätten wir derzeit eine feine Deflation, denn M3 bewegt sich kaum, die Kreditvergabe stagniert in Deutschland seit Jahren, gemessen am realen Wachstum schrumpft das Kreditvolumen. Und eine Währungsreform … das sind Hirngespinste.
@ Moserer u. Humperdinck
Es ist richtig, dass die Vermögensverteilung in Deutschland relativ steil ist, zu steil wie ich finde. Aber dennoch zerfällt das Land nicht in die Einen und die Anderen. Es gibt nennenswerte Ersparnisse in der Breite der Bevölkerung.
@ A.K. u. Humperdinck
Wir sollten die Anstrenungen der griechischen regierung und der bevölkerung nicht so gering schätzen. in Griechenland läuft das schärfste Anpassungsprogramm, dem sie sich je ein OECD-Staat unterzogen hat.
Dass Merkel und Sorkozy eine Staatspleite verhindern wollen ist richtig und verantwortungsvoll ihren Bürgern gegenüber. Eine europaweite Finanzkrise mit sofort folgender rezession ist keine vermeintliche sondern eine unausweichliche Folge eines Staatsbankrotts und wpürde den deutschen Steuerzahler sehr, sehr schmerzhaft treffen. Obwohl das so ist, versuchen die griechen keineswegs uns zu erpressen. Sie sind ganz Gegenteil erstaunlich einsichtig.
Freitag, 27. Mai 2011 | 09:24 Uhr
[...] verständlich zu machen, um bei diesen so die Hilfsbereitschaft wiederzuerwecken. Best Börsen Blog informiert hierzu und stellt eine interessante Alternative zur Schuldenerleichterung Griechenlands [...]
Freitag, 27. Mai 2011 | 10:24 Uhr
Herr Best schrieb:
Es ist richtig, dass die Vermögensverteilung in Deutschland relativ steil ist, zu steil wie ich finde. Aber dennoch zerfällt das Land nicht in die Einen und die Anderen.
Das sehe ich diametral anders. Wenn den 20% Reichsten über 80% des Volksvermögens gehören, dann erinnert mich das an 1789 damals war das Vermögen ähnlich krass verteilt und wozu hat dies geführt?
http://www.jjahnke.net/dumme9.html
Zu Griechenland:
Was halten Sie denn konkret von dem Vorschlag, wenn EURO-Länder sich innerhalb der Stabilitätskriterien (3% jährl. Bip / 60% zum Bip Gesamt) über EURO-Bonds finanzieren könnten, gerne direkt bei der EZB zum EZB-Zins (das würde auch die Autorität der EZB stärken, denn sie ist dann Geldgeber). Länder die diese Grenzen überschreiten sollten dann eigene Anleihen ausgeben müssen zu dann schlechteren Konditionen sprich höheren Zinsen. Auf diese Weise würde der Euro stabil und die Schuldenstaaten würden weiter diszipliniert.
Freitag, 27. Mai 2011 | 12:45 Uhr
Es nimmt schon “komische Züge” an, wäre die Sache nicht so ernst, wenn man von Politikern, Journalisten und Kommentatoren positive Meinungen zu Griechenland und der globalen Finanzpolitik liesst.
Da lügt sich ein Land in den Euroraum, lebt anschließend im Extremen über die eigenen Verhältnissen, fälscht bis zum heutigen Tag die Statistiken, läßt die Gläubiger über das tasächliche Ausmaß der finanzielen Lage weiterhin im Unklaren……etc. aber oben genannte Personen maßen sich an einen gangbaren Weg aufzuzeigen….nach dem Motto alles wird gut. tss tss
Freitag, 27. Mai 2011 | 14:21 Uhr
@Herr Best
Das die Griechen so einsichtig sind, hat wohl auch mit den Erfahrungen der jüngeren Zeit (Argentinien) und den Realitäten. Wer sind die Hauptgläubiger jetzt und wer sollen sie in Zukunft sein, wenn mal alle verprellt? Zudem ist es auch von hohem strategischem Interesse der Griechen nicht plötzlich isoliert der Türkei gegenüber zu stehen, wo sich die beiden seit Jahren ein Wettrüsten liefern. Die Liste ist endlos denke ich, Griechenland hätte nicht das Geringste davon jetzt schwarze Briefe zu verteilen.
Aber Griechenland muss sich auch gegen Knebelverträge wehren. Es kann nicht angehen das Deutschland und Frankreich Finanzierungen z.B. an den Kauf von Großaufträgen koppeln. Darum immer wieder mein Hinweis, das es Irrsinn ist darauf zu setzen das Deutschland nur schneller wachsen muss als die Schulden von Griechenland. Die Rechnung wurde ohne die Zinsaufschläge für die griechischen Bonds gemacht. Diese Idee hat erst die ganze Eurozone in die Bredouille gebracht. Einfach mit den Banken im Schlepptau in die Europeripherie zu maschieren und günstig Kredite zu verteilen, wenn da gleich mal auch ein dicker Wirtschaftsauftrag rausrutscht. Das musste gegenfinanziert werden im Privatsektor und da war sie schon die Immobilienblase. Daher halte ich auch Axel Webers Antrittsrede in Chicago für (in Teilen) für mich nicht nachvollziehbar. Das alle nur die Stabilitätskriterien einzuhalten brauchen und der Euro selbst keinen Konstruktionsfehler aufweist. Das ist für mich eine völlige Ignoranz gegenüber den Realitäten. Das funktioniert doch nur auf dem Papier. Jeder kocht seine eigene Suppe im Euroraum, Wirtschaftpolitisch und Steuerpolitisch. Der Goldstandard ist an den Ungleichgewichten gescheitert und der Euro scheitert auch daran, wenn nicht bald die richtigen Schritte geschehen, die von Anfang an hätten getan werden müssen. Eine gemeinsame Wirtschafts- und Steuerpolitik mag nicht realisierbar sein, weil es noch nicht weh genug tut, aber Eurobonds wären eine Minimallösung, die diese Zinsaufschläge aus dem Spiel nimmt, dann kann sogar Trichet erstmal fröhlich weiter den Leitzins raufschrauben. Eigene Euroanleihen der Staaten, die nicht so merkantilistisch aufgestellt sind wie die Kernländer, können nicht auf Dauer funktionieren. Es wird sonst immer wieder zur Blase kommen, wie erlebt, weil es immer wieder so ablaufen wird. Die anschließende Rezession mit dem GDP Einbruch endet im explosiven Anstieg der Zinsaufschläge, als Ausgleich dafür dass das Land nicht abwerten kann. Wir leben in einem System der Gewinnmaximierung, nicht der Vernunftsmaximierung, das kann man auch nicht gesetzlich herbeiregulieren.
Ein Haircut wird vermutlich die Dominosteine ins fallen bringen, vielleicht käm man noch mal irgendwie raus, wäre jedenfalls eine sehr gewagte Wette. Ganz sicher würde er aber nichts an der Situation ändern, nur weiter rausschieben. Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre ein gefundenes Fressen für die Spekulanten, wenn diese den Euroraum in ihrem Sinne manipulieren können, dann werden die nächsten Ländern in den Ruin spekulieren und sich dumm und dämlich an den Shorts verdienen und wir stürzen nebenbei in eine Rezession aus der es kein Exit gibt. China wird uns nicht retten in dem Fall. Schon gar nicht, wenn es selber gerade balanciert zwischen Kollaps der Immobilienblase und kontrolliertem Abkühlen. Wer soll sonst dann noch unsere Waren kaufen? USA in denen die Bürger immer stärker sparen? Der Nahe Osten, neue Militärgüter für neue Revolutionen? Wir selber? Wir verdienen sehr gut an der EU. Und das ist der Punkt, wir sollen aufeinander in der EU vertrauen können, wir die wir die gleichen Grundsätze teilen. Das heißt dann eben auch Solidarität, auch wenn man sich beschissen fühlt, aber das kann man ändern und Griechenland ändert sich. Die Alternative wäre sich voll und ganz auf das Wachstum der totalitären Regime in der Welt zu verlassen. Eine “tolle” Alternative, die ganz sicher nicht funktionieren wird.
Freitag, 27. Mai 2011 | 20:20 Uhr
@ Toben:
Also ein paar Dinge von Ihnen erscheinen mir, ähnlich wie Herrn Best,
nicht ganz schlüssig:
Wenn eine normale Bank Zinsen zahlt an Kunden für deren Einlagen, so erhöht sie in diesem Moment ihr Passiva und beim Kunden erhöhen sich um den gleichen Betrag das Aktiva. Insofern wurde kein Geld geschaffen in der Gesamtwirtschaft. Nur die Zentralbank ist, so wie ich es bisher verstehe, in der Position Geld aus der dünnen Luft zu erschaffen, da sie nicht in der Verpflichtung steht, ihr in Umlauf gebrachtes Geld je wieder zurückzuverlangen mit einer Gegenleistung in Form vom Gütern.
Das Verhältnis Geldmenge/Warenangebot kann nicht direkt korreliert
sein zur Inflation, da die Geldumlaufgeschwindigkeit zwischen den Akteuren in der Wirtschaft als Faktor erheblich in die Rechnung mit einfließt.
Es macht einen Unterschied, ob ein 100-Euro-Schein in einer Woche
1 mal den Besitzer unter Güteraustausch oder 10 mal wechselt.
Überall im Westen haben wir eigentlich zuviele Produktionskapazitäten
nicht zuwenige.
Zu meiner Idee, dass die EZB die Verpflichtungen der bisherigen
Staatsanleihen übernimmt. Ich stimme mit Ihrem Einwand der Hyperinflation
nicht überein, denn ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Aufkaufen von Staatsanleihen der FED und meinem Vorschlag ist der:
Die FED vermehrt die Geldmenge durch den Aufkauf von Staatsanleihen
schnell auf einen Schlag. Würde die Zentralbank die Verpflichtungen der Staatsanleihen übernehmen, so würde sie zunächst nur Zinszahlungen als Geldvermehrung ins System schleusen. Der ganze Prozess würde sich ja zeitlich in die Länge ziehen. UND: Die Staaten bringen ja durch das Zurückzahlen de facto genau so viel Geld zurück ins System.
Aber sie müssten dafür massiv Steuern erhöhen, was ja derzeit als Abwürden der Wirtschaft in vielen Ländern mit schwächelnder Wirtschaft (Südeuropa) nicht erwünscht ist. Selbst in Deutschland ist die derzeitige Inflation ja nicht durch fehlende Produktionskapazität ausgelöst, sondern
durch knappe Rohstoffe. Die Binnennachfrage ist in D auch nicht so hoch. Also in Phasen mit schächelnder Wirschaft würde mein Vorschlag, meiner Meinung nach, keinen Schaden anrichten.
Und in Boomphasen, könnte man das Bedienen der Zinslast der Staatsanleihen ja an die Staaten zurückgeben. Im Wesentlichen wäre mein Vorschlag eine Art, wie die EZB in den nächsten 20 Jahren peu a peu
die Geldmenge vermehrt, so dass am Ende die Staatsschulden weg sind.
Die Geldmenge wird ja eh vergrößert, wenn die Wirtschaft wächst, was sie langfristig wegen des technologischen Fortschritts wohl auch wird.
Es wäre eben nur wichtig, dass die Politik vom neuen Schuldenmachen
unbedingt abgehalten wird. Dies könnte man erreichen (hypothetisch),
indem die Politiker persönlich hohe Gehaltseinbußen an die EZB als Strafe
zahlen müssen, wenn sie sich an die 0-neue-Schulden-Vorgabe nicht halten.
Und zwar alle Parlamentarier, auch der Oppositionparteien.
Freitag, 27. Mai 2011 | 20:31 Uhr
@Humperdinck
Im Prinzip hätte Ihr Vorschlag doch ähnlichen Effekt wie meiner.
Nur sollte wirklich die EZB die Macht bekommen, Staaten zu zwingen,
Haushaltsdisziplin ab nun zu waren.
Denn sonst kann ja die EZB die Geldmenge nicht kontrollieren.
Aber Politiker machen im Wesentlichen Schulden, weil es kurzfristig für sie opportun ist bezüglich der nächsten Wahl. Sie haben kein Eigeninteresse an Disziplin, sondern momentan ein Eigeninteress am Schuldenmachen.
Wenn Politiker gleich einen tüchtigen Malus in Form einer Diatenkürzung
von der EZB verordnet hinnehmen müssten (und Pensionsansprüche ebenfalls für das Jahr entfallen), was glauben Sie wie vorbildlich plötzlich Politiker haushalten würden!
Sonntag, 29. Mai 2011 | 11:32 Uhr
@ Humperdinck
Der Vorschlag bis zum 60% Limit Euro-Bonds auszugeben ist im Grunde charmant, weil er für Investoren Tranparenz schaffen und der Schuldengrenze sichtbar Gewicht geben würde. Allerdings könnte Disziplinlosigkeit einzelner Mitgliedsländer, falls diese mit eigenen Bonds weit darüber hinaus gingen, systemische Risiken für alle heraufbeschwören – auch künftig. Meines Erachtens führt kein Weg an einer strengen gegenseitigen Haushaltskontrolle vorbei in einer Währungsunion.
Aber auf keinen Fall dürfen die Staaten bei der EZB Geld aufnehmen! Das würde auf Dauer die Währung zerstören. Staaten sollten sich am privaten Kapitalmarkt verschulden und dafür Marktzinsen zahlen.
@ Prollo
“Positive Meinungen”? – Ich erwarte von griechenland eine grundlegende Veränderung seines Wohlstandsmodells, positiv daran ist nur, dass ich das für möglich halte. Schauen Sie mal, wie sehr sich Deutschland verändert hat im 20. jahrhundert. Von einer Nation des Grauens zu einem zivilisierten Mitglied der Völkergemeinschaft. Griechenland steht vor einer vergleichsweise kleinen Aufgabe was seinen Wandel betrifft.
@ tropensturm
Das gefällt mir, was Sie schreiben. in der Tat braucht der ganze Euro-Raum einen entscheidenden schritt nach vorne. Erst Währungsunion und lange nichts, das geht nicht so weiter. Und Griechenland sollte auch daran denken, seine Armee zu verkleinern. Schließlich kann die Nato Frieden zwischen den Mitgliedern Türkei und Griechenland garantieren.
@ Crasher
Bitte lassen wir die EZB aus dem Spiel. Wir sollten Staatsschulden nicht monetarisieren.
Außerdem ist das Problem Staatsschulden ja durchaus lösbar. Wenn die Nettokreditaufnahme so begrenzt wird, dass der Schuldenstand gemessen am BIP kontinuierlich sinkt – unter die psychologisch wichtige 60 prozent Marke – dann hat niemand ein Problem mit Staatsschulden. Im Gegenteil: Dann reißen sich Pensionskassen und Versicherungen um die Schuldtitel.
Montag, 30. Mai 2011 | 16:38 Uhr
Mir ist nicht klar, warum sich Staaten der EU zumindest bis zur 60%-Grenze nicht direkt bei der EZB verschulden sollten. Der Staat sind doch wir Bürger und es wäre doch besser für uns alle, wenn unser Gemeinwesen sich zum günstigeren EZB-Zins finanzierte. Warum sollten wir unser Gemeinwohl über Privatbanken zum doppelten oder x-fachen Zins finanzieren? Das rechnet sich doch für uns Bürger nicht. Ganz nebenbei gewönne die EZB als Geldgeber wieder an Respekt.
Montag, 30. Mai 2011 | 16:41 Uhr
Die Staatsfinanzierung muss aus Ersparnissen erfolgen, indem Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Investmentfonds, Versorgungswerke, Privatanleger Staatsanleihen zeichnen. Eine Finanzierung über die Notenbank birgt Gefahren für den Geldwert.
Montag, 30. Mai 2011 | 16:56 Uhr
Pensionskassen, Fonds etc könne doch auch in Aktien, Firmenanleihen oder man stelle sich vor in die Realwirtschaft investieren und Jobs schaffen. Mir scheint die Geldwertstabilität ist vielmehr durch den Finanzmarkt gefährdet, der Geldmengen schöpft, die in keinem Verhältnis mehr zu Realwirtschaft stehen. Beispielsweise rühren nur 5% der weltweiten Währungstransaktionen aus realen Geschäften, 95% sind reine heisse Luft. Die Banken haben also ihr Geldschöpfungsprivileg nachweislich missbraucht, zum Schaden der Allgemeinheit. Es wäre also sinnvoll die Banken an ihr eigentliches Kerngeschäft (Finanzierung der Bürger und der Realwirtschaft) zu ketten.
Dienstag, 31. Mai 2011 | 14:52 Uhr
@Humperdinck:
Ich halte Ihren Vorschlag auch für nicht schlecht und man müsste das
konkret durchrechnen. Leider kenne ich mich nicht mit den exakten Zahlen aus.
Wichtig wäre ja mal ins Verhältnis zu setzen, wie groß die Euro-Geldmenge eigentlich ist im Vergleich zu den Staatsschulden. Und, wenn Banken Ersparnisse von Bürgern mal nicht investieren sollten (weil Staatsanleihen für sie nicht mehr erlaubt oder nicht zur Verfügung stehen sollten),
dann schläft ja das Geld auf der Bank und ist nicht im Geldkreislauf.
@Herr Best: Unsere Überlegungen hier im Forum sind doch auch
“Über-den-Tellerrand-hinaus” Überlegungen.
Übrigens ist Ihre Meinung, dass Griechenland und die Staatsschuldenkrise
mit Finanzhilfspaketen zu lösen sei, unter Volkswirtschaftsprofessoren
in Deutschland eine Minderheitsmeinung. Scheinbar haben in einer namentlichen Abstimmung 90% sich ablehnend geäußert.
Dazu ein Link:
http://www.faz.net/artikel/C30638/stellungnahme-im-wortlaut-vwl-professoren-ueber-europas-schuldenkrise-30328670.html
Dienstag, 31. Mai 2011 | 14:59 Uhr
@Herr Best:
Irgendwie erscheint mir Ihre Meinung auch inkonsequent:
Geld wird verliehen mit Zins. Der Zins wird auch deshalb verlangt, um einen Ausfall abzudecken. Wenn Sie so sehr auf marktwirtschaftliche Prinzipien pochen, dass Staaten sich auf dem privaten Kapitalmarkt verschulden, dann sollten Sie auch den Ausfall solcher Kredite an Staaten hinnehmen und darauf pochen, dass auch in solchen Fällen marktwirtschaftlich vorgegangen wird.
Und es ist eben nicht marktwirtschaftlich, dass der Kredit einer Institution ausfällt und andere Institutionen für diese Kredite geradestehen müssen.
Das ist dann nämlich genau das Gegenteil von Marktwirtschaft.
Dienstag, 31. Mai 2011 | 15:06 Uhr
@ Crasher
Ich bin “im Prinzip” auch für neue Anleihebedingungen in Staatsschuldtiteln, die einen Haircut erleichtern. Ich bin aber gegen Staatswillkür gegenüber privaten Gläubigern. Ein Staat – das gilt auch für Griechenland – ist nicht zahlungsunfähig sondern allenfalls zahlungsunwillig. Zunächst müsste der gesamte nicht für Kernaufgaben (Schulen, Rathäuser, Finanzämter) nötige Staatsbesitz zu Gunsten der privaten Gläubiger veräußert werden. Dann könnte man sehen, ob Griechenland tatsächlich “pleite” ist.
Was die Herren Professoren angeht. Ich fürchte sie haben nicht über Marktpsychologie geforscht und können die Konsequenzen ihrer Empfehlungen nicht annähernd abschätzen.
Dienstag, 31. Mai 2011 | 15:53 Uhr
Welches tragfähige Wirtschaftsmodell soll ein Land denn finden, das zugunsten der internationalen Banken kaputt gespart wird? Das Ergebnis ist vorauszusehen – ein Blick nach Argentinien sollte dafür genügen.
Ein Umtausch von wertlosen Griechenland-Anleihen in angeblich gute Euro-Bonds ist absolut nicht einzusehen: warum sollen andere für den toxischen Finanzmüll einstehen, den einige Finanzhasardeure unbedingt kaufen wollten? Wer zockt, der muß auch pleite gehen können. Bei Gewinnerwartungen wird immer der freie Markt gepredigt, aber für Verluste sollen die Bürger einstehen? Nix da!!
Das einzig sinnvolle Rezept heißt Trennbankensystem nach Glass-Steagall, und in der Folge Abschreibung aller virtueller Spielschulden, zu denen natürlich auch wertlose Staatsanleihen gehören. Die Kreditversorgung der Realwirtschaft kann durchaus von anderen sichergestellt werden.
Wenn man unbedingt in der EU Revolutionen erleben will, dann soll man so weitermachen wie bisher. Aber das Volk wird nicht mehr auf Dauer mitmachen, und dann wird man die Verantwortlichen hängen sehen wollen!
Dienstag, 31. Mai 2011 | 15:57 Uhr
Die Staatsfinsnzierung muß übrigens NICHT über Privatbanken erfolgen, die Staatsanleihen zeichnen. Wie das ausgeht kann derzeit doch bewundert werden: es werden gezielt hochverzinsliche Anleihen von Pleitestaaten gekauft – in dem Kalkül, daß die Steuerzahler für diese Zockerei einstehen müssen. Das kann also keine Lösung sein.
Sinnvoll wäre hingegen die Staatsfinanzierung nach den Prinzipen der produktiven Kreditschöpfung über eine Nationalbank, was zudem dem Staat seine Souveränität gegenüpber der privaten Finanzwelt zurückgeben würde.
Dienstag, 31. Mai 2011 | 16:01 Uhr
@ Mephistopheles
Langsam, langsam, wer griechische Staatsanleihen gekauft hat, ist kein “Finanzhasardeur”. Staatsanleihen galten nicht als Zocker-Papiere sondern als konservative Anlagen, fragen sie mal ihre Lebensversicherung, die dürfte welche haben …
Als die Krise begann, im vorigen Jahr, wurden Banken, Versicherungen, Sparkassen, Pensionskassen von den europäischen Regierungen freundlich gebeten, ihre Griechenland-Anleihen nicht auf den Markt zu werfen sondern sie zu halten. Viele haben das getan. Damit haben sie sich verantwortungsvoll verhalten. Warum wollen Sie sie dafür jetzt beschimpfen und bestrafen?
Dienstag, 31. Mai 2011 | 16:12 Uhr
Lieber Herr Best, ich habe keine Lebensversicherung – und ich weiß auch, warum
Die derzeitigen Rettungsbemühungen von Pleitekandidaten wie Griechenland, Portugal, Irland oder bald auch Spanien sind doch faktisch nichts anderes, als die Rettung von Banken.
Der am 15. April veröffentlichte, halbjährlich erscheinende Bericht des IWF zur globalen Finanzstabilität behauptet – den Tatsachen widersprechend -, der Kredit und die Ausgaben souveräner Staaten seien das primäre Problem der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise! Das ist der gleiche IWF, der noch im Februar öffentlich zugab, dass er die Krise der Bankenschuldenblase, die Mitte 2007 platzte, völlig „verpasst” hatte und eingestand, schlecht beraten und bezüglich der Überwindung der Krise versagt zu haben.
Die für die Banken in den kommenden beiden Jahren fällig werdenden Schulden belaufen sich auf die gigantische Summe von 3600 Mrd.$. Der IWF-Bericht stellt fest: „Am akutesten sind die Erfordernisse der Schuldenprolongierung für irische und deutsche Banken, für die 40-50% aller ausstehenden Schulden in den kommenden zwei Jahren fällig werden. … Eine Reihe europäischer Banken – dazu gehören fast alle Banken in Griechenland, Irland und Portugal, viele der kleinen und mittelgroßen spanischen Cajas (Sparkassen) und einige deutsche Landesbanken – haben einen kosteneffizienten Zugang zu befristeten Geldmärkten verloren. Daraus resultierend haben sie sich in unterschiedlichem Ausmaß den Rückkaufsmärkten und der EZB für die Refinanzierung zugewandt. Doch nach wie vor besteht das Risiko, dass, im Fall weiterer negativer Nachrichten, eine größere Anzahl von Institutionen vor Schwierigkeiten …. stehen könnten.”
In einem Kommentar zu dem Bericht schrieb die katholische französische Tageszeitung La Croix am 18.4., der wirkliche Grund für das Durcheinander sei die nie angepackte Lösung für das Problem der „toxischen Papiere”. Gaël Giraud, Professor an der Ecole d’Economie de Paris, sagte, dass „im September 2008 die Banken in Europa und den Vereinigten Staaten von der internationalen Finanzbehörde [IWF] die Zustimmung dafür bekamen, dass sie diese Papiere nicht mehr zum Marktpreis, der bei Null lag, in den Bilanzen aufführen mussten”, was, wie La Croix fortfährt, es ihnen erlaubte, die Bekanntgabe kolossaler Verluste zu vermeiden.
An Glass-Steagall, der Bankentrennung zwischen Spekulationsgeschäften und normalen Gechäftsbankenaktivitäten führt kein Weg vorbei. Der Giftmüll der Banken darf nicht länger mit Steuerzahlergeldern oder mit hyperinflationärer Geldruckerei der Zentralbanken finanziert werden. Das ist die Lösung des Problems der angeblichen Staatsverschuldung, und die Voraussetzung, daß die Realwirtschaft wieder angekurbelt werden kann. Alles andere ist Demagogie, um souveräne Nationen zu zerstören und ein völlig bankrottes System auf Kosten der Menschen zu retten.
Natürlich sind die Politiker, die diesen Irrsinn erlaubt und gefördert haben, nicht minder verantwortlich – da haben Sie Recht.
Dienstag, 31. Mai 2011 | 16:30 Uhr
@ Mephistopheles
Ok, Sie haben keine Lebensversicherung, aber vielleicht ein Bankkonto. Stellen wir uns vor, Glass-Steagall würde gelten, wo wären dann ihre Einlagen? Bei einer der Investmentbanken oder bei einer der “normalen” Geschäftsbanken? Und welcher der Bankentypen hätte als Aktiva Staatsanleihen satt? Vermutlich ihre brave Geschäftsbank.
Es sind immer die Ersparnisse der Bevölkerung, die in die Staatsfinanzierung fließen. Auch bei einer “Nationalbank”. Denken Sie an die Staatsbank der DDR, dort wurden die Ersparnisse der Bürger gebündelt und an Kombinate und den Staat verliehen.
Dienstag, 31. Mai 2011 | 16:44 Uhr
Meine Einlagen wären dann bei einer normalen Geschäftsbank, nicht bei einer Investmentbank. Und da lägen sie gut, da damit nur in der Realwirtschaft investiert würde.
Die Staatsbank der DDR ist ein schlechtes Beispiel: die von dieser an Staat und Kombinate vegebenen Gelder waren keine Kredite, sondern hier hat der Staat nur von einer Tasche in die andere gewirtschaftet, da ohnehin alles volkseigene Betriebe waren . Bei der Übernahme durch die Westbanken hat man allerdings daraus flugs Kredite gemacht und diese dem deutschen Steuerzahler aufgeladen – ca. 450 Mrd!!
Die Westbanken haben so ein nettes Sümmchen verdient – für nichts!
Natürlich kann es auch wertlose Staatsanleihen geben – eine bank investiert hier nicht aus Altruismus, sondern um Profit zu machen – und um so mehr, wenn diese Anleihen wegen schlechter Bonität hochverzinst sind die Steuerzahler anderer Länder ungebeten dafür einstehen sollen. Von Rechts wegen müsste jeder, der in Staatsanleihen von Pleitestaaten investiert, auch das Risiko tragen und notfalls die Investition abschreiben müssen.
So schrieb Neue Züricher Zeitung noch in Februar diesen Jahres,, das größte Risiko läge nicht einmal im vieldiskutierten Erwerb von Staatsanleihen im Werte von bisher immerhin 76,5 Milliarden Euro durch die EZB, deren völlige Abschreibung zur Not noch verkraftet werden könnte, auch noch nicht in der Ausweitung der Bilanz der EZB von 900 Milliarden Euro 2007 auf derzeit 1,9 Billionen, sondern in einem außerbilanziellen Bereich. Die EZB ist nämlich dazu übergegangen, als Sicherheiten für an die Banken vergebene Kredite eine ganze Palette von Sicherheiten mit gesunkener Qualität zu akzeptieren, darunter Bankschuldverschreibungen, Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, Staatsanleihen und andere nicht marktfähige Papiere. Da eine ganze Reihe von irischen, portugiesischen, spanischen, aber auch anderen Banken auf wackligen Beinen stünden und ihre Kredite beim Euro-System aber eben durch solche Papiere besichern, könnte das Sicherheitsnetz bei einem großen Ausfall wie der Insolvenz eines Staates wohl nicht ganz halten.
Und das Wissen der EZB um dieses Risikopotential habe sie in eine heikle Lage gebracht. Durch die Schulterung vieler Risiken sei sie inzwischen selbst eine betroffene Partei, die z.B. im Fall einer Umschuldung Griechenlands selbst von der Entwertung betroffen sei. Und könnte sie noch in ihrem Rat an die Regierungen neutral sein, wenn es um die Möglichkeit geht, daß der Euro-Rettungsfond statt ihrer die toxischen Staatsanleihen der überschuldeten Mitgliedsländer kaufen soll?
„Es besteht die Gefahr, daß, wer so stark ins Risiko gegangen ist wie das Euro-System, nicht mehr losgelöst vom Eigeninteresse entscheiden kann”, schreibt die NZZ. Und da die EZB die Bonitätsforderungen an griechische Staatspapiere völlig aufgehoben habe, habe man geradezu dazu eingeladen, die (toxischen) Papiere bei der Notenbank „abzuladen”. Sollte ein Euro-Staat und dadurch ein ganzer Rattenschwanz von Gegenparteien ausfallen, könnte ein Ernstfall eintreten, der selbst den Kollaps von Lehmann Brothers wie einen Zwerg erscheinen liesse!!!!
Es geht also sehr wohl um die Rettung der Banken – auf dem Rücken der Steuerzahler.
Dienstag, 31. Mai 2011 | 16:55 Uhr
Noch ein Nachsatz zu den Geschäftsbanken mit angeblichen Staatsanleihen:
bei einer souveränen Nationalbank, die nach den Prinzipen der produktiven kreditschöpfung arbeitet, fließen die von dieser vergebene Gelder ausschließlich in realwirtschaftliche Projekte. Dadurch stehen diesem Geld auch immer physische Werte gegenüber. Zudem braucht sich der Staat nicht bei privaten Banken zu finanzieren, da er die Geldschöpfung selbst steuert – immer schön nach den Prinzipen der physischen Ökonomie.
Somit ist eine Pleite kaum zu erwarten.
Mittwoch, 01. Juni 2011 | 12:33 Uhr
@Mephistopheles und Herr Best:
Ich sehe das ähnlich Mephistopheles. Das Kind ist im derzeitigen Finanzsystem bereits in den Brunnen gefallen. Man muss sich wirklich Gedanken machen über ein zukünftiges Finanzsystem, das die derzeitigen Fehler nicht enthält.
Im Übrigen ist mir folgendes nie klar gewesen:
1) Warum müssen die Staaten für Staatsanleihen keine Sicherheiten den Gläubigern geben. Beispiel. Der Staat gibt 5 Milliarden an Staatsanleihen aus und bürgt mit einer Autobahn von Stuttgart nach München.
Wenn der Staat in die Bredouille kommt, übernehmen eben die Gläubiger die Mautrechte der Autobahn und können nach freiem Willen dort abkassieren.
Auf diese Weise wäre gewährleistet, dass der Staat nur für wirklich sinnvolle Investitionen Kredite aufnimmt.
Sind wir ehrlich. Dem Staat täte es sehr wohl sehr gut, wenn im politischen Tagesgeschäft, wie bei Firmen, viel mehr Druck bestünde, mit dem Geld verantwortlich umzugehen. Im derzeitigen System verschuldet sich der Staat munter und verkonsumiert den Kredit anstatt zu investieren.
2) Warum muss sich eigentlich ein Staat verschulden können?
Der Staat ist so eine große Organisation, dass er im Gegensatz zu Firmen
immer zahlreiche Möglichkeiten hat, durch Einsparungen in anderen Bereichen Geld für wirklich sinnvolle Dinge locker zu machen.
Nur der Wille dazu fehlt eben. Ich könnte hier eine lange Liste aufzählen von Dingen, wie der Staat in den letzten 30 Jahren Milliarden um Milliarden verbrannt hat.
Wäre ein kontinuierlicher Druck auf der Politik durch ein Schuldenverbot,
so wäre bestimmt weniger Geld verbrannt worden.
Dann hätte sich eben die Politik gleich entscheiden müssen, ob sie sinnlose Kohlesubventionen leisten will oder das Geld lieber in Straßen und Schulen investieren will. Die Erlaubnis an Staaten sich zu verschulden, macht es für Politiker so einfach und gleichzeitig legen sie damit eine Zeitbombe.
Mittwoch, 01. Juni 2011 | 15:06 Uhr
Und was passiert mit den Gläubigern, die sich nicht auf einen solchen freiwilligen Umtausch einlassen? Die lassen dann die Griechen über die Klinge springen? Oder deren Anleihen werden doch voll bedient. Das wird dann die “Freiwilligen” aber freuen, oder? Kann so etwas überhaupt funktionieren?
Mittwoch, 01. Juni 2011 | 16:56 Uhr
Europa befindet sich nun, wie zu erwarten war, genau an dem Punkt, auf den es mit gesetzmäßiger Gewißheit zusteuern mußte:
Trotz aller Dementis der EZB und der griechischen Regierung sind die „Experten” sich einig, daß ein Schuldenschnitt von 30-50 % in Griechenland unausweichlich ist, was der Chefökonom der EZB, Jürgen Stark, für eines der Szenarien hält, das zu einer größeren Krise des Finanzsystems als selbst der Bankrott von Lehman Brothers führen könnte.
Ein griechischer „Haircut” könnte zwar der Auslöser eines solchen Zusammenbruchs sein, aber der wirkliche Grund liegt im Bankrott des gesamten Systems. Allein die Verschuldung von Griechenland, Irland, Portugal und Spanien gegenüber der EZB und den nationalen Zentralbanken beträgt über eine Billion Euro – der Aufkauf von im Prinzip toxischen Staatsanleihen durch die EZB hat diese zur wirklichen „Bad Bank” gemacht. Eine griechische Insolvenz oder auch nur ein Haircut würde zudem den allergrößten Teil der durch Derivate verschachtelten Schuldenstruktur der britischen, deutschen, französischen, spanischen, portugiesischen usw. Banken zum Einsturz bringen.
Der IWF hat in seinem soeben veröffentlichten Regionalbericht in seiner üblichen euphemistischen Sprache gewarnt, daß eine Ansteckung von Kerneuropa und der „aufstrebenden Länder” mit der Schuldenkrise ein „handfestes Abwärtsrisiko” darstellt. Im Klartext bedeutet dies, daß es in Wirklichkeit bei der Umstrukturierung der griechischen Schulden um das Bankensystem Kerneuropas geht, dessen Insolvenz im Gegenzug natürlich auch wieder die genannten Länder herunterreißen würde, die allerdings aufgrund der verordneten Sparpolitik alles andere als „aufstrebend” sind. Seitdem Griechenland die Politik der Troika befolgt, sind die griechische Wirtschaft und der Lebensstandard der griechischen Bevölkerung um rund 25 % geschrumpft, und hierin liegt der Grund für die Generalstreiks als Ausdruck für wachsende Wut und Verzweiflung der Bevölkerung.
Da in der nun seit Juli 2007 schon beinahe vier Jahren andauernden Finanzkrise durch die von Steuerzahlern finanzierten Rettungspakete aus privaten Schulden Staatsschulden geworden sind, sind laut Angaben des statistischen Bundesamtes auch in Deutschland Bund, Länder und Gemeinden mit knapp zwei Billionen Euro verschuldet, was einer Summe von 25.000 Euro pro Einwohner entspricht. Eine Staatsinsolvenz könnte also auch in Deutschland schneller kommen, als sich die meisten Bürger träumen lassen. Zudem haben wir schon jetzt eine schleichende Enteignung der Bevölkerung durch wachsende Inflation, die bei Nahrungsmitteln inzwischen bei 7 %, bei Milchprodukten bei rund 30 %, bei tiefgefrorenen Pommes Frites sogar bei 43 % liegt.
Hier gibt es nur noch die Lösung, daß das Trennbankensystem konsequent eingeführt wird, und die virtuellen Spielschulden der Verursacher dieser Krise erbarmungslos in den Pleiteorkus wandern.
Erst kommen die Menschen, dann die Banken!
Mittwoch, 01. Juni 2011 | 17:00 Uhr
Nebenbei: wie bereits erwähnt gibt es überhaupt keinen vernünftigen Grund, warum ein souveräner Staat überhaupt bei Privatbanken Anleihen aufnehmen und sich so in Abhängigkeit bringen soll. Die Geldschöpfung gehört in die Hand des Staates – dann ist dieses Problem ein für alle Male erledigt. Es muß nur sichergestellt sein, daß dies NUR nach den Prinzipien der produktiven Kreditschöpfung geschieht.
Mittwoch, 01. Juni 2011 | 20:02 Uhr
Da die Griechen sich nicht selbst aus der Schuldenfalle befreien können, bleiben doch nur zwei Wege: Der erste ist, wir machen so weiter wie bisher und riskieren, daß die Geberstaaten irgendwann selbst in Konkurs gehen. Der alternative ist die Umschuldung.
Da ja nun nicht davon auszugehen ist, daß die beteiligten Geldgeber derzeit ganz ohne Eigenkapital dastehen, ergibt sich zwingend, daß der zweite Weg der für die Geberstaaten immer der günstigere sein muß, selbst dann, wenn er einzelne “systemische” Gläubiger retten muß. Daß das nicht geschieht, liegt wohl eher an Partikularinteressen der vielen Mitentscheider.
Mir erschließt sich z. B. überhaupt nicht, wieso die EZB gegen alle Regeln notleidende Griechenpapiere aufkauft und damit die französischen Banken zuungunsten der Steuerzahler – in erster Linie der deutschen – entlasten kann. Das ist doch nicht in Ordnung? Was soll daraus entstehen? Es dauert nicht lange und der erstbeste Verrückte verlangt dafür, sagen wir mal Straßburg als Pfand. Hat man aus der Geschichte sowenig gelernt?
Ein anderes Thema ist die Interessenverquickung zwischen der Bank des reichsten Griechen, Spiros Latsos und Herrn Junker als lux. Ministerpräsidenten. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, daß der nicht will sicher, daß die Bank seines Schützlings, die ihren Sitz nach Luxemburg verlegt hat, unnötig belastet wird. Politik nach Interessenlage, verkauft als europäische Solidarität, diese und andere Verlogenheiten gehen den Bügern zunehmend auf den Senkel.
Dieser Euro ist eine einzige Krankheit und gehört so schnell wie möglich wieder abgeschafft, weil jeder Hans und Franz mitredet, wenn nicht gar über seinen Kopf hinweg entscheidet, wie und wann wer sein Geld auszugeben hat.
Mittwoch, 01. Juni 2011 | 23:39 Uhr
Griechenland.
“Die Stunde der Wahrheit”…
http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE7500AP20110601
Donnerstag, 02. Juni 2011 | 01:31 Uhr
Wir brauchen maximale Transparenz und eine knallharte Regulierung der strukturierten Produkte. An den Gebühren verdienen die Investmentbanken im hohen Maße, auch ohne das sie eine Universalbank sind. Das hätte die Subprime Verbriefung nicht im Geringsten verhindert. Die können auch Subprime Derivate als “produktive Kreditschöpfung” Produkt mit Triple A Rating konstruieren wenn es sein muss. Denn spätestens bei der Auslegung wird jedes Land unter so einer Worthülsen verstehen, was die jeweilige Bankenlobby will. Ich sehe nicht das die Wiedereinsetzung den hemmungslosen Markt in irgendeiner Weise ausgebremst hätte bisher, so weit ich das sehe soll es nur Bailouts ala Citigroup in Zukunft verhindern und selbst das bezweifle ich.
Donnerstag, 02. Juni 2011 | 10:28 Uhr
@EONeun:
Gegen diese verlogene Partikularinteressen-Politik gibt es eigentlich nur
Volksentscheide, wie in der Schweiz, als Gegenmittel.
Ansonsten leben wir halt weiterhin in einem System der Partei-Oligarchie.
Denn all die “Demokratien” der westlichen Welt (die auch noch so stolz darauf sind) sind nichts anderes als parlamentarische Diktaturen (im Gegensatz zu parlamentarischer Demokratie), wenn die Bürger nicht die Möglichkeit haben, das Parlament zu überstimmen, wenn Parlamentsmeinung und Volksmeinung verschieden sind. Es gibt auch in der Theorie das sogenannte “Demokratie Paradoxon”. Hier ein einfaches Beispiel davon: Es gibt 3 aktuelle Fragen, jede mit einer ja oder nein-
Haltung. In der Bevölkerung gibt es 4 Gruppen und 2 Parteien die
wie folgt zu den Fragen stehen:
Bevölkerungsgruppe Frage_1 Frage_2 Frage_3
Gruppe_1 20% ja nein nein
Gruppe_2 20% nein ja nein
Gruppe_3 20% nein nein ja
Gruppe_4 40% ja ja ja
Partei_1 ja ja ja
Partei_2 nein nein nein
Nun ist Wahltag. Jeder Bürger wählt die Partei, mit der größten
Übereinstimmung bezüglich der Fragen.
Also erhält Partei_1 40% (von Gruppe_4) und Partei_2 60%
der Stimmen (von den ersten 3 Gruppen).
Partei_2 setzt also die “nein”-Entscheidung zu allen Fragen um.
Jede Frage für sich genommen hat in der Bevölkerung aber
60% ja-Stimmen und nur 40% nein-Stimmen.
Also per Volksentscheid zu jeder einzelnen Frage würde bei allen
Fragen genau das Gegenteil gemacht werden, wie die Gewinnerpartei macht!
Dies ist nicht nur ein theoretisches Beispiel sondern in der Realität
fast ständig zu beobachten! Je mehr Fragen es gibt desto größer
die Wahrscheinlichkeit einer solchen Konstellation.
Freitag, 03. Juni 2011 | 09:49 Uhr
Update. Zur Info (in der englischen Sprache) re Privatisierungen und andere Massnahmen (gegen Korruption usw), Steuererhöhungen in GR.
http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite1_1_02/06/2011_393412
Freitag, 03. Juni 2011 | 13:34 Uhr
Zitat: “Ist unsere Gesellschaft nicht wesentlich vielschichtiger in ihrer Sozial-, Einkommens- und Vermögensstruktur? Außerdem führt der Exportboom doch dazu, dass mehr Menschen Arbeit finden, Einkommen erzielen, dass befristete Arbeitsverhältnisse in unbefristete umgewandelt werden, dass Zeitarbeit durch direkte Anstellung ersetzt wird, dass Freiberufler und Selbstständige besser verdienen, usw.”
In welcher Welt leben Sie? Schauen Sie doch auf das Niveau der Reallöhne, eine kleine Gruppe profitiert vom Wachstum, die Mehrheit davon auch der grösste Teil der Mittelschicht orientiert sich nach unten. Aber wie heisst es so schön wenn es um Lohnerhöhung geht: Geht es der Wirtschauf gut: Durch Forderungen den Aufschwung nicht gefährden! Geht es der Wirtschaft schlecht: Durch forderungen die Arbeitsplätze nicht gefährden!
Zum Thema Zeitarbeit sage ich nur: Die Idee war gut, nur vergessen die Menschen immer das es um Gewinnmaximierung geht und um nix anderes. Das Zeitarbeiter fest Angestellt werden, ist eher die Ausnahme! Und das ist eine Tatsache, wer was anderes behauptet soll sich einfach die Zahlen angucken. Zeitarbeiter sind nix anderes als Arbeiter und Abgestellte der zweiten Klasse, welche die identische Arbeit eines Festangestellten/arbeiter ausrichten und viel günstiger sind und ich als Unternehmer werde den Teufel tun und diese günstige Alternative durch Festeinstellung unterbinden. Ich lade sogar Zeitarbeitsfirmen in mein Werksgelände ein, um dort Ihre Büros zu eröffnen;-) So sieht die Realität aus!
Die fetten Jahre sind vorbei, schön das sich 1 – 2 Generationen schön Fett gefressen haben, aber die Zukunft sieht schon für den grösseren Teil mau aus.