Je mehr man über eine Sache spricht, desto weniger passiert. In diesem Jahr haben Analysten, Journalisten und Börsianer das Thema „Börsenzyklen“ vergleichsweise selten aus der Schublade gekramt. Ob das auf einen drohenden Einbruch an der Börse hindeutet? Schließlich lautet eines der bekannteren Börsensprichwörter „Sell in May“. Es rät also, sich im Mai aus Aktien-Engagements zu verabschieden.
Tatsächlich gehört der Mai zu den schwächeren Börsenmonaten. Im Schnitt verlor der Dax in den vergangenen Jahren von Mitte April bis Ende Mai knapp zwei Prozent. Eine weitere Schwächephase durchläuft das Börsenbarometer statistisch gesehen zwischen Mitte August und Ende Oktober. Hier knickten die Kurse im Schnitt um satte drei Prozent ein.
Soweit die Theorie, die im vergangenen Jahr zum Beispiel auch ganz gut funktioniert hätte. In anderen Jahren (wie 2003) hätten Anleger, die im Mai ausgestiegen wären, das beste verpasst. Auch dieses Jahr sieht es alles andere als schlecht aus. Die Bilanzsaison läuft auf Hochtouren, und deutsche Unternehmen schneiden fast durchweg besser ab, als man es ihnen zugetraut hätte. Außerdem fehlt es den Profis an Anlage-Alternativen. Mit ihrer Niedrigzinspolitik hat die US-Notenbank Aktien und Rohstoffen (auch dem Euro) quasi einen Freifahrtschein ausgestellt.
Erdbeben und drohende Atomkatastrophe in Japan haben erneut gezeigt, dass die Bullen ein dickes Fell bekommen haben. Doch auf der anderen Seite wächst bei vielen Anlegern die Lust darauf, einen Teil des Rahms abzuschöpfen. Auf einem Dreijahreshoch ist das weder verwerflich noch verwunderlich. Die US-Technologiewerte an der Nasdaq werden sogar auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren gehandelt.
Ist gar kein Platz für Saisonales? Die Saisonalität stellt immer ein Paradoxon dar. Es gibt sie unbestritten. Da aber jeder Marktteilnehmer von ihr weiß und auch die statistischen Kursschwankungen genau kennt, dürfte es sie eigentlich gar nicht geben. Schließlich ergeben sich Spekulanten nicht wie Schafe ihrem Schicksal, sondern positionieren sich dagegen. Wenn das aber jeder machen würde, würden die saisonalen Schwankungen erst vorgezogen und in einem zweiten Schritt geglättet.
In der Praxis sieht das Ganze natürlich ganz anders aus, wie man ja Jahr für Jahr beobachten kann. Weil aber die Rationalität an den Finanzmärkten zwar erwünscht, aber nicht im ausreichenden Maße vorhanden ist, bleibt die Börse in großen Teilen ein Abenteuer. Zwar kann man als Anleger Risiken berechnen, breit streuen und so senken, ausblenden aber geht nicht.




Donnerstag, 05. Mai 2011 | 12:07 Uhr
[...] Best Börsen Blog: Saisonal? Oder lieber rational? [...]
Donnerstag, 05. Mai 2011 | 21:56 Uhr
…solange die Amerikaner davon ausgehen das ganz Europa für (O-Ton) 3 Monate in den Urlaub geht von Juni bis August, solange wird man eben auch dort lieber seine Engagements abstoßen, da bietet sich der Mai eben an. Natürlich ist das auch wieder so eine irrationale Formel, aber die Statistik hat sich inzwischen so verfestigt, das es wohl inzwischen auch eine implementierte Regel in den Computerprogrammen der Trader geworden ist. Ich könnte mir vorstellen das viele jetzt lieber auf Währungswetten einschwenken, z.B. auf einen steigenden US Dollar als Hedge Position.
Freitag, 06. Mai 2011 | 08:48 Uhr
“Hin und Her macht nur die Taschen leer” (alte Börsenweisheit), besonders m.M.n. in Zeiten höher Volatilität resp Unbeständigkeit.
Und wenn es kriselt, ist Value-Zeit – und generell schneiden Substanz-Aktien besser ab.
Also, auf die Kurs-Gewinn-Verhältnisse resp. auf die Dividendenrenditen achten.