Heute Mittag ist es soweit, die EZB erhöht ihren Leitzins, um Inflationsgefahren entgegenzutreten. Deutschland mit seiner vor Kraft strotzenden Wirtschaft kann das leicht wegstecken. Auch den deutschen Verbrauchern wird es nicht weh tun, sie finanzieren ihren Konsum ohnehin ungern über Bankkredite, die jetzt etwas teurer werden. Aber in Spanien, Portugal, Irland oder Griechenland zählt derzeit jeder Prozentpunkt – vor allem bei verschuldeten Privathaushalten. Dort sind viele Immobilien mit variablen Zinssätzen finanziert.
Obwohl sie einen Spagat wagt durfte die EZB nicht länger zögern. Die in Deutschland um sich greifende Inflationsfurcht muss sie ernst nehmen, selbst wenn die deutsche Angst reichlich irrational sein mag. Die Geldwertstabilität entscheidet sich nicht zuletzt auf der psychologischen Ebene. Es reicht nicht aus, auf die herausragende Leistung der ersten 11 Euro-Jahre zu verweisen. Immerhin gelang es der beargwöhnten EZB, die deutsche Inflationsrate bei durchschnittlich 1,5 Prozent zu halten, während die hochgeschätzte Bundesbank seinerzeit auf einen Schnitt von 2,8 Prozent kam.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Zinserhöhung, um für die Zukunft das Vertrauen in die Notenbank und in die Geldwertstabilität zu sichern. Im Laufe des Jahres müssen zwei weitere Schritte folgen. Auch andere Notenbanken haben längst damit begonnen, ihre Zinsen zu erhöhen – in den Schwellenländern, aber auch in Schweden oder in Polen. Gemeinsam müssen alle Notenbanken der von den Rohstoffmärkten ausgehenden Teuerung entgegentreten. Sie müssen eine Überhitzung der Weltkonjunktur verhindern und die überbordende Spekulation eindämmen. Höhere Zinsen sind dafür das richtige Mittel. Schlusslicht im Geleitzug werden die USA und Japan sein. Aber auch die amerikanische Fed wird im Laufe des Jahres den Ausgang finden müssen aus ihrer ultralockeren Geldpolitik. Der Geldwert ist ein hohes Gut und muss bewahrt werden.




Donnerstag, 07. April 2011 | 13:44 Uhr
Ob das Vertrauen zurückkommt in den Euro selbst lass ich mal dahingestellt. Angesichts das Portugal mal eben eine Nothilfe in Höhe von über 50% des portugiesischen BIPs beantragt lässt mich nicht wirklich kalt.
Ich kann der meines Erachtens schlüssigeren Argumentationskette der Angelsachsen besser folgen, dass die Peripherie nun noch schneller in die Pleite driftet und das Eurosystem ohne politische Reformen so nicht weiter funktionieren kann. Da hilft auch das Klagen über die Rating Agenturen nicht. Was hat Europa zu bieten als Gegenargumentation? German Angst vor Hyperinflation mit gleichzeitiger Megabubblebildung, sowie politische und spekulative Intrigen gegen den Euro… etwas schwammig, wie ich finde.
FED und BOJ werden nachziehen, aber im gebührenden Abstand, so das Carry Trades ihr übrigens tun werden deren Währungen weiter billig zu halten, ob es aber hilft billiger Geld am Anleihemarkt zu beschaffen bezweifle ich.
Donnerstag, 07. April 2011 | 16:39 Uhr
Es gibt einen krassen Gegensatz zwischen der Politk der Fed und der EZB. Die Fed plant keineswegs, die Zügel der Geldpolitik noch in diesem Jahr anzuziehen. Abweichende Meinungen einiger regionaler US-Notenbankchefs ändern daran auch nichts.
Das jüngste Fed Sitzungsprotokoll macht das deutlich. Ich erlaube mir mal einige Sätze aus dem (kostenlosen) gestrigen “Steffens Daily” – Börsenbrief zu zitieren, weil es nicht besser formuliert sein könnte:
“Die amerikanische Notenbank schwächt durch niedrige Zinsen und den Ankauf von Staatsanleihen den Dollar. Die Rohstofflieferanten würden demnach bei gleichbleibenden Preisen real weniger verdienen (wenn sie z.B. den Dollar in andere Währungen transferieren müssen). Diesen realen Wertverlust werden die Lieferanten über steigende Preise auszugleichen versuchen.
Eine haltlose Behauptung
Die Fed behauptet dann, der Anstieg der Preise sei hauptsächlich durch die steigenden Rohstoffe verursacht. Sie tut damit so, als sei das keine „wirkliche“ Inflation und als könne sie gegen steigende Rohstoffpreise nichts machen. Das ist natürlich Unsinn, denn eigentlich ist es die Fed, die den Dollar schwächt und damit den Anstieg der Rohstoffpreise in Dollar unterstützt.”
(Zitat Ende)
Ich meine, die Fed handelt aus einer amerikanischen wirtschaftlichen Notwendigkeit, und es hat keinen Sinn, wenn die EZB dagegen ankämpft. Damit bringt sie nur die Wechselkurse aus dem Gleichgewicht, und schadet der europäischen Wirtschaft. Eine weltweite Inflation wie in den 70er Jahren wird sich sowieso nicht vermeiden lassen, und davor muss man auch keine Angst haben. Mal wieder 7,5% Inflation wären sicher nicht der Weltuntergang.
Axel Weber hatte das längst erkannt, und deshalb hatte er keine Lust auf den undankbaren Job von Trichet. Die EZB ist eben gesetzlich verpflichtet, eine (vorübergehend) unsinnige Stabilitätspolitik zu verfolgen.
Donnerstag, 07. April 2011 | 18:26 Uhr
Damit wird die Möglichkeit eines Platzens der Staatsanleihenblase zur Gewissheit. Folge: eine Neuauflage der Bankenkrise, die eigentlich nie so richtig vorbei war.
Donnerstag, 07. April 2011 | 21:02 Uhr
@Peter
Ich meine, die Banken hätten schon protestiert, wenn das für sie eine Gefahr wäre, und die EZB weiß auch ganz gut wie viel die Banken verkraften können. Sicher gibt es immer noch schwache Banken, aber auch die hatten genügend Zeit sich abzusichern. Wofür gibt es diese berüchtigten CDS? Sicher nicht nur zur Spekulation, die dienen auch zur Absicherung von Risiken. Eine neue Bankenkrise ist sehr unwahrscheinlich, und gewiss keine Gewissheit!
Donnerstag, 07. April 2011 | 21:20 Uhr
Absoluter Schwachsinn. Wir haben seit Einführung des Euros 50% unseres Geldes verloren. Den verlogenen Warenkorb zur Ermittlung der Inflation kann man doch wohl nicht ernst nehmen
Donnerstag, 07. April 2011 | 21:45 Uhr
@ Fritz Müller
Schauen Sie sich den Warenkorb mal an
http://www.destatis.de/Voronoi/PreisKaleidoskop.svg
Gruß
Michael Best
Donnerstag, 07. April 2011 | 22:25 Uhr
@Subdi wenn die Banken und Versicherung soviel Geld haben und so toll abgesichert sind wieso brauchen wir dann einen Rettungsschirm? Es sind doch gerade deren Anleihen die vor die Hunde gehen würden im Pleitefall. Der Rettungsfond legt nur indirekt offen, welche Summen an faulen Krediten die Banken noch am Laufen haben und das Ding wird auch noch permanent größer.
Die Sparmaßnahmen haben in Griechenland zur Ausweitung der Verschuldung geführt und letztendlich zum Rettungsschirm, wie es die Keynesianer prophezeit haben und durch ihre bestätigten Annahmen daher auch konsequent die Staaten abwerten. Das kann man bekämpfen durch eine eigene Agentur, aber der Goldstandard als vergleichbares Model ist auch irgendwann zerbrochen an den Realitäten. Man mag den Angelsachsen vorwerfen was man will, aber sie haben aus der Vergangenheit gelernt, das ein solches System ohne Transferunion, oder Wirtschaftsunion nicht funktioniert.
Es steht zu befürchten, das durch die kontinuierliche Zinsanhebung einer nach dem anderen in den Schirm wandern wird. Nicht sofort, aber irgendwann wird der Spread für Spanien zu groß und dann ist vielleicht Italien dran und gleich hinterher Frankreich. Ich finde die Losung, wir sind zwar dann restlos pleite irgendwann weil alles im Rettungsfond liegt, aber Hauptsache keine 2,1% Inflation, nicht überzeugend. Der Rettungsfond ist nichts weiter als eine Bad Bank und es reichen schon lange nicht mehr Garantien, sondern bedarf mittlerweile auch schon Einlagen… also geht es nun auch ans Eingemachte und nicht mehr nur Luftnummern. Ich sehe die Krise sich eher verschärfen, auch wenn ich hoffe das ich falsch liege.
Donnerstag, 07. April 2011 | 23:12 Uhr
Diese winzigen Zinsanhebungen durch die EZB sind doch mehr oder weniger nur Symbolik, denn sie reichen bei weitem nicht aus, den Anstieg der Inflation auszugleichen. Und durch die Inflation steigen die Steuereinnahmen aller Länder. Bevor kontinuierliche Zinsanhebungen der EZB zu ernstlichen Problemen führen, wird die EZB ihre Meinung und ihre Zinspolitik sicher rechtzeitig ändern. Dafür wird die Lobby der Banken, und der Industrie schon sorgen, aber im Augenblick will die EZB eben Europas “Stärke” demonstrieren. Am internationalen Finanzmarkt macht das schon Eindruck, was die EZB da tut.
Freitag, 08. April 2011 | 07:35 Uhr
Die Entscheidungsbasis der EZB ist mir nicht klar.
Worauf fusst das Inflationsziel 2,0% gibt es dafür eine wissenschaftliche Erklärung tun es nicht auch 2,75%? Gibt es eine wissenschaftliche Basis für die 3% Verschuldungsgrenze für Euro-Staaten? Ich halte das für politische Zielmarken, da ich keine Begründung für die Ziffern finden konnte. Eine Erhöhung der Leitzinsen verschärft jetzt die Staatsschuldenkrise sogar noch und hemmt die Investitions- und Konsumbereitschaft, da sich sparen nun tendenziell wieder mehr lohnt und die Sparquote ist ohnehin höcht ungesund verteilt:
http://www.contradictio.de/sparquote.gif
Meiner Meinung nach ist die EZB auf einem Auge blind, wenn sie sich in der Tradition der Bundesbank auf Inflation konzentriert und Wachstum stiefmütterlich behandelt.
Freitag, 08. April 2011 | 09:01 Uhr
@ Michael Best
Schauen Sie sich den Warenkorb mal an
Genau hier liegt doch das Problem! Bei dem über die Jahre hinweg eingesetzten Reallohn-Verlusten geht bei den meisten Familien mit Kindern das zur Verfügung stehende Geld-Budget zu nahezu 100% für Lebensmittel, Miete, Strom, Wasser und Verkehr drauf. Hinzu kommt noch, das die Preise in diesen Bereichen kräftiger angezogen sind wie in der Statistik ausgewiesen.
Jeder Hausmann und -Frau die auf die Preise gucken müssen, weil sonst zu früh Ebbe in der Kasse ist, wissen das!
Freitag, 08. April 2011 | 09:57 Uhr
Es stimmt, dass Familien mit Kindern bei Lebensmitteln einen höheren Anteil im Warenkorb haben als der Bevölkerungsdurchschnitt, in den auch Singles und Paare ohne Kinder eingehen. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Lebensmittel jahrelang eine besonders niedrige Teuerungsrate hatten und erst in jüngster Zeit kräftiger anziehen. Bei der Miete kommt es sehr darauf an, ob man umzieht oder nicht. Bestandsmieten steigen noch schwächer als die in der Statistik ausgewiesenen 1,3 Prozent. Ich weiß, dass der Warenkorb nur einen Durchschnitt der Bevölkerung abbilden kann und nicht jedem Einzelfall gerecht wird. Umso wichtiger ist Inflationsbekämpfung, zumal Inflation immer die Ärmsten im Lande am härtesten trifft.
Freitag, 08. April 2011 | 10:47 Uhr
@ Subdi
“Mal wieder 7,5% Inflation wären sicher nicht der Weltuntergang.”
Vorsicht! Sie spielen mit dem Feuer. Denken Sie an die 70er und 80er Jahre. Nur durch extrem hohe Zinsen, die eine schwere Rezession auslösten, konnten die Notenbanken damals die um sich greifende Inflationsmentalität brechen. Wenn der Geist erst mal aus der Flasche ist, kriegt man ihn nur schwer wieder rein.
Freitag, 08. April 2011 | 10:59 Uhr
@ Tropensturm
“Es steht zu befürchten, das durch die kontinuierliche Zinsanhebung einer nach dem anderen in den Schirm wandern wird. Nicht sofort, aber irgendwann wird der Spread für Spanien zu groß und dann ist vielleicht Italien dran und gleich hinterher Frankreich.”
Ich glaube, dass die Zinsanhebungen das Vertrauen in den Euro und die Euro-Länder stärken, dass sie Kapitalzuflüsse nach Europa auslösen und dass die Refinanzierungsbedingungen für Spanien, Italien oder auch Frankreich damit verbessert und nicht verschlechtert werden – vor allem am langen Ende der Laufzeiten. Verstärkte Inflationserwartungen hingegen würden die langfristigen Zinsen hochtreiben.
Das wichtigste zur Bekämpfung der Staatsschuldenkrise ist sowieso die haushaltssanierung. Bin gespannt, wie die Länder 2011 voran kommen. Deutschland ist fast schon im grünen Bereich.
Freitag, 08. April 2011 | 11:12 Uhr
@ Humperdinck
Das Inflationsziel der EZB “less than 2% but close to 2%” ergibt sich aus Erfahrungswerten der Vergangenheit. Es geht darum, einerseits einen hinreichenden Sicherheitsabstand von der Deflation zu halten und andererseits kein zu hohes Ziel zu setzen, damit die Inflationsrate nicht so leicht nach oben ausbrechen kann. Denn je höher sie ist, desto stärker werden Verteilungskämpfe, desto größer ist der Schaden für die ärmeren Menschen in der Gesellschaft. Darauf insistiert Trichet übrigens in fast jedem Gespräch. Er hat eine starke sozialethische Motivation für sein Handeln. Dass mehr Inflation mehr Wachstum und mehr Beschäftigung brächte ist leider eine Illusion.
Ein Zitat von Helmut Schmidt lautet: “Mir scheint, daß das Deutsche Volk – zugespitzt – 5% Preisanstieg eher vertragen kann, als 5% Arbeitslosigkeit.” – Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 1972 Das war wahrscheinlich sein größter Irrtum. Er bekam bald beides: Mehr als 5% Inflation und mehr als 5% Arbeitslosigkeit.
Freitag, 08. April 2011 | 12:43 Uhr
Die deutsche Wirtschaft wird 2011 um – vor kurzem nach oben korrigiert -
2,8% wachsen. Also die Zinserhöhung von gestern ist schon gerechfertigt, um eine Ueberhitzung der Wirtschaft zu vermeiden, oder?
Freitag, 08. April 2011 | 14:16 Uhr
@Michael Best
“Ich glaube, dass die Zinsanhebungen das Vertrauen in den Euro und die Euro-Länder stärken, dass sie Kapitalzuflüsse nach Europa auslösen und dass die Refinanzierungsbedingungen für Spanien, Italien oder auch Frankreich damit verbessert und nicht verschlechtert werden – vor allem am langen Ende der Laufzeiten. Verstärkte Inflationserwartungen hingegen würden die langfristigen Zinsen hochtreiben.”
Ein starker Euro wird sicherlich die Zinsen tendenziell senken, aber ist das wirklich die Erklärung warum die Welt so absurd hohe Aufschläge von der Peripherie erwartet? 10y Deutschland 3,47% http://www.bloomberg.com/apps/quote?ticker=GDBR10:IND 10y Griechenland 12,89% http://www.bloomberg.com/apps/quote?ticker=GGGB10YR:IND Irland 9,26% http://www.bloomberg.com/apps/quote?ticker=GIGB10YR:IND Spanien 5,26%
Mein Verständnis ist, würde es doch nur um die Inflation und dem Wert des Euros gehen, würden doch niemals so exorbitante Aufschläge in ein und demselben Währungsraum verlangt werden. Da kann man die Ratingagenturen nun für verantwortlich machen. Aber dahinter steht doch letztendlich die Überzeugung das Griechenland und Irland die Kurve nicht kriegen, diese Überlegung wird man den Investoren meines Erachtens auch nicht durch das verbieten der “falschen” Ratings aus den Köpfen kriegen, man wird weiterhin Sicherheitsaufschläge verlangen, erst Recht wenn eine Teilpleite ermöglicht werden soll.
Ich bin durchaus für einen wertstabilen Euro und mir ist klar das die ECB dem primär verpflichtet ist und eigentlich auch nicht viel anders agieren hätte können. Auch machen die 0.25% Aufschlag noch nichts aus, es geht mir auch viel eher um den absehbaren Weg der nun beschritten wird. Denn ein kontinuierliches anziehen der Zinsen auf 1,75%, und später vielleicht über 2%, bedeutet für Spanien dann vermutlich schon eher was in der Größenordnung von 7% wenn es schlecht läuft und spätestens dann wird die Frage wieder aufkommen, wie ein Land, das spart, dessen BIP schrumpft, nicht abwerten kann, genau das auf Dauer finanzieren will ohne sich nicht noch mehr zu verschulden. Und geht Spanien in den Rettungsfond, sehe ich ganz schnell die Frage kommen wie das der Rest Europas auf Dauer finanzieren will, ohne sich nicht auch in Übermaßen zu verschulden.
Freitag, 08. April 2011 | 14:23 Uhr
@ Michael Best
Zustimmung, wenn die Inflationserwartung erst mal da ist, braucht es einen plausiblen Grund, warum die Erwartung wieder zurückgehen soll. Das ist alles eine Frage der Kommunikation, und die EZB sollte von Anfang an klar machen, dass die kommende Inflation nur eine vorübergehende Folge der Finanzkrise ist, sowie globale Veränderungen als Ursache hat. Wenn die Leitzinsen jetzt schon erhöht werden, verschießt die EZB ihr Pulver womöglich zu früh. Mir gefällt die Politik der Fed besser.
Freitag, 08. April 2011 | 14:30 Uhr
@ Tropensturm
Ich bin recht zuversichtlich, dass Spanien die Kurve kriegt und den Rettungsschirm nicht brauchen wird. Die spanische Handelsbilanz entwickelt sich durchaus positiv. 70 Milliarden Defizit hatten sie noch 2007, im vorigen Jahr nur noch 23 Mrd., darauf hat mich Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank hingewiesen. Investoren sehen das ähnlich, die Risikoaufschläge sind zuletzt gesunken. Aber am sicheren Ufer ist Spanien noch nicht.
Freitag, 08. April 2011 | 14:53 Uhr
@Humperdinck: Die 3% zulässige Neuverschuldung der EU-Staaten ergibt sich daraus, dass bei 5 % nominalem Wachstum die Verschuldungsquote der Staaten gemessen am BIP konstant bei 60% bleibt. Das Inflationsziel hat Michael Best schon gut erklärt, von mir nur eine kleine Ergänzung: Inflation macht es leichter, bei starren Preisen Anpassungen nach unten zu vollziehen und kann so (in kleinen Dosen) die Ressourcenallokation in einer Volkswirtschaft verbessern.
@topic: Mir ist bei dieser Zinswende immer noch mulmig. Das sie Deutschland (und einige weitere EU-Länder) angemessen ist, ist richtig, aber ich bin gespannt, wie das unseren Wackelkandidaten bekommt. Kontraktive Geldpolitik – und damit meine ich nicht nur die Zinsen, auch das M3-Wachstum ist immer noch mehr als schwach – und fiskalische Austerität sind nun wirklich nicht die besten Vorraussetzungen für deren konjunkturelle Erholung.
Freitag, 08. April 2011 | 16:56 Uhr
So there will be a big Privatisations Plan for Portugal too. Already parts of the Greek economy are going to be privatised (for €50Mrd) and now Portugal!!! Wow!!!! I forecast that German companies will be big buyers at these sales.
P.S. Who gets Ireland – the Amis?
Samstag, 09. April 2011 | 14:01 Uhr
@tropensturm
Der mächtigste aller Geldmanager(?), Mohamed A. El-Erian, hat zum Thema “Domino Effekt” bzw. europäische Scholdenkrise, auch einen Artikel geschrieben.
Zitat:
“On the surface, Portugal’s bailout may look like a replay of Greece and Ireland. But don’t be fooled. Seemingly familiar developments in the next few weeks will likely be followed by a paradigm shift, especially if European banks continue to raise capital.
This will accelerate the move from an unsustainable liquidity approach to a more durable solvency solution for the continent’s debt crisis.”
Link: http://www.bloomberg.com/news/2011-04-07/european-debt-crisis-morphs-into-new-phase-commentary-by-mohamed-el-erian.html
Ich glaube, mit so einer Aussage, ist das Thema “Spekulation gegen Spanien und Italien”, sozusagen “gegessen”.
Donnerstag, 14. April 2011 | 13:47 Uhr
@Subdi, nun hab ich mir das mit den Bonds ein paar Tage lang angesehen und kann bisher keine echte Entspannung sehen bei Spanien. Dafür weiten sich momentan die Spreads der Banken CDS heftig aus. Ich glaube nicht daran das die Finanzkrise gegessen ist. Vor allem die Banken die stark in den Krisenländern engagiert sind kommen unter Druck, HSBC +4,71, BNP +5,39, Santander + 11,62, Caja de Ahorros +27,80, Natixis + 11,43. Ich schätze die Einschätzung von Herrn El Erian als politisch motiviert ein, ich denke wir haben vor allem primär eine Vertrauenskrise. Es werden die Systeme Angelsachsen gegen Europäer verglichen und anscheinend kommen viele zu dem Schluß das es mit dem Euro so nicht lange funktionieren kann. Dem wollte wohl Pimco etwas entgegensetzen.
Pimco hatte übrigens angekündigt Short gegen den Dollar zu gehen, damit sind sie bislang ordentlich auf die Nase gefallen. Und die Anleihe 10 Jahre US Bonds waren heute 3 fach überzeichnet. So sieht einfach die Realität aus, die Schuldenkrise wird uns nicht loslassen so schnell. Ich bin der Auffassung wir werden uns auch noch ein weiteres Jahr mit den immerwährenden “Angriffen” auf die Euroländer beschäftigen und vermutlich auch noch darüber hinaus. Gar nicht auszudenken was passiert wenn Chinas Aufschwung dann währenddessen endgültig abkühlt und das Vertrauen in das deutsche Wirtschaftswachstum damit schwindet…
Mittwoch, 20. April 2011 | 12:10 Uhr
Spainen heute bei der Auktion knapp 5,5%:
http://www.bloomberg.com/apps/quote?ticker=GSPG10YR:IND
D.h. fast die kompletten 25 Basispunkte EZB Erhöhung aufgeschlagen…
das sind keine guten Aussichten, meine ich. Deutschlands “Top” Ökonomen können immer noch nicht Keynes wiederlegen.
Donnerstag, 12. Mai 2011 | 12:00 Uhr
@Michael Best: Mich würde interessieren, wie Sie die Situation mittlerweile bewerten, unverändert?
- Griechenland steht ja nun offenbar kurz vor dem Schuldenschnitt, oder ist das alles ein politisches Schauspiel um den Euro schwach zu reden? Das Sparen hat jedenfalls zu höheren Schulden geführt wie prognostiziert… soll das ein Wettrennen werden, ob Deutschland schneller wächst als Griechenlands Schuldenberg?
- Die Banken wanken wieder wegen den drohenden Abschreibungen, allen voran HRE und WestLB (und ich frage mich immer noch wäre das wirklich so viel teurer geworden diese pleite gehen zu lassen). Dabei wurde doch noch vor wenigen Tagen verkündet das die Bankenwelt nun wieder im Kern gesund sei… ich wunder mich aber ehrlich gesagt wo die bei diesen im Verhältnis zu den ausfallgefährdeten Schulden, mickrigen Gewinnen, die Substanz plötzlich herkommen soll…
- Rohstoffpreise sind kollabiert, Zinserhöhung der EZB war für die Katz’ und hat nur zu weiteren Aufschlägen für die PIGS geführt… da beißt sich was in den Schwanz, ich krieg die Rechnung nicht aufgemacht wie das Europa hilft. Vielleicht kann man einem Laien wie mir das besser erklären?
und vielleicht auch dem IWF…denn der verfällt nun auch noch in Alarmstimmung. Der Euro ist ein hohes Gut für die politische Zukunft Europas, diesem dem Eitelkeiten von Leuten zu opfern, die nicht einmal ansatzweise diskussionsfähig sind und Geldpolitisch noch in der ersten Hälfte des 20.Jh. leben, ohne etwas aus Bretton-Woods gelernt zu haben, ist ein zu hoher Preis meines Erachtens…
Wer weiß, mir ist sehr unwohl bei der Wette unserer Elite Ökonomen auf deren eigene Unfehlbarkeit…
oder ist das alles nur eine Machtprobe für unsere “Elite” um China einspringen zu lassen, damit sie ihre Reserven nach Europa pumpen?
Donnerstag, 12. Mai 2011 | 13:01 Uhr
Hallo Tropensturm,
na ja, dass unsere Regierung mit ihrer Unklarheit und Unentschlossenheit nur das Ziel verfolgt, den Euro schwach zu reden, damit unser Export floriert – das habe ich nur ironisch gemeint, als ich schäuble lobte für seine Erfolge im Währungskrieg. Das war damals, als in Berlin der Schuldenschnitt für Griechenland auf die Agenda gesetzt wurde.
Inzwischen dreht sich ein Teufelskreis. Griechenland spart, rutscht in die Rezession, das Defizit geht nicht ganz so schnell zurück wie erhofft, aus allen Ecken schallt es “Schuldenschnitt, Schuldenschnitt”. Folglich schwindet die Chance, Griechenland bereits im kommenden Jahr wieder an den Kapitalmarkt zu schicken.
Ich sehe bei einem Schuldenschnitt nach wie vor zwei gravierende Probleme:
Erstens die Schockwellen, die davon ausgehen würden. Es lässt sich schwer einschätzen, wie stark sie sein würden. schlimmstenfalls wäre unser ganzes schönes deutsches Wirtschaftwunder kaputt.
Zweitens fände ich es noch immer fatal, den Griechen das Geschenk einer Entschuldung zu machen.
Ich würde für eine langfristige Lösung plädieren. (Man löst ein über Jahrzehnte aufgebautes Schuldenproblem nicht in 12 oder 24 Monaten) Also Griechenland einen harten Strukturwandel abverlangen und das Land im gegenzug für ein jahrzehnt vom Kapitalmarkt nehmen. Finanzierung der Altschulden – auch der zügig zu senkenenden Neuschulden – durch Euro-Bonds zu günstigen Konditionen. Also eine Art Quarantäne mit Entmündigung. Das hätte den Vorteil, dass EU und Euro-Zone mit verbesserter haushaltsdisziplin fortbestehen und wir unser Wirtschaftswunder auskosten können.
Zu den Banken: Den privaten Geschäftsbanken geht doch gar nicht schlecht. Allerdings haben wir nur eine davon: Die Deutsche, aber die Commerzbank ist auf einem guten Weg, das wird wieder.
Rohstoffpreise zucken extrem stark, ob das eine Trendwende wird, ist noch nicht abzusehen. Die EZB-Entscheidung war auf jeden fall richtig. Die Konjunktur brummt im Kern der Euro-Zone – auch Frankreich kommt so langsam – und 1,75% zum Jahresende sind doch keine hohen Zinsen. Das ist doch immer noch billiges Geld.
Die Symbiose unserer Wirtschaft mit China bereitet mir auch einige Sorgen – das ist ein autoritär regiertes Land. Solche Länder sind nur scheinstabil. Wie Herr Tur Tur, der Scheinriese bei Jim Knopf…
Donnerstag, 12. Mai 2011 | 13:53 Uhr
Vielen Dank für die Antwort
Euro Bonds wären eine rationale Lösung mit der dies Spar- und Restrukturierungsprogramm wohl auch funktionieren würde. Nur wenn wir uns in Europa umsehen wie Rechtspopulisten mit der Angst der Bürger ihre Wahlergebnisse aufpäppeln und im Gegenzug Griechenland jetzt schon regelmäßig in Streiks und eskalierenden Straßenschlachten versinkt, glaube ich nicht das sich dafür wirklich eine Mehrheit finden wird die so einen Plan absegnen wird. Ich befürchte das es auf einen schlechten Kompromiss hinauslaufen wird, der uns allen ökonomisch auf Dauer schaden wird. Denn die Dominotheorie halte ich nicht für so ganz unrealistisch, wenn die kursierenden Zahlen korrekt sind…