Bundeskanzler Helmut Schmidt wollte “lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit”. Am Ende bekam er zwar beides, doch zeigt diese Sichtweise, dass das Thema Teuerung nicht nur Angst und Schrecken verbreitet. Und doch rührt die Teuerung an den Urängsten der Deutschen. Wer Inflation will, muss deshalb sehr, sehr vorsichtig vorgehen.
Das Echo auf die Bundesbank-Einlassungen zum Thema Inflation fiel gerade in den Boulevard-Medien hysterisch aus. Dabei haben die Währungshüter vergangene Woche nur darauf aufmerksam gemacht, dass die Teuerung in Deutschland anziehen könnte. Von “Inflations-Alarm” ist jedenfalls keine Spur bei einem gerade vermeldeten Preisanstieg um 2,1 Prozent.
Wer nun glaubt, dass die Bundesbank vom Hort der Stabilität zum Sodom fliegender Preise mutiert, liegt schief. Es ist doch völlig klar, dass ein angestrebter Inflationskorridor mit einer Obergrenze von zwei Prozent innerhalb des Euro-Währungsraums zu Ausreißern in beide Richtungen führt. Gerade in Deutschland wachsen die Inflationsgefahren. Wäre noch die Bundesbank allein für einen deutschen Leitzins zuständig, so wäre dieser bei etwa 2,5 Prozent auf einem angemessenen Niveau.
Zusätzlich zu den niedrigen Zinsen drohen die so genannten “Zweitrundeneffekte” die Preisspirale anzutreiben. Volkswirte sprechen von einem solchen Phänomen, wenn steigende Löhne zu steigenden Preisen führen, wenn also der Bäcker den Brötchenpreis anhebt, weil er dem Gesellen mehr zahlen muss, was wiederum den Automechaniker dazu bewegt, von seinem Arbeitgeber mehr Geld zu verlangen, was die Preise für Reparaturen teurer macht.
Was aber, wenn genau dieser Effekt gewünscht ist? Wirtschaft und Politik bereiten die Deutschen auf steigende Preise vor. Dabei ziehen Arbeitgeber und Gewerkschaften an einem Strang. Die relativ hohen Lohnabschlüsse sind ein erstes Indiz dafür, auch die Anmerkung von Finanzminister Schäuble, die Löhne müssten steigen. Inflation gilt schlicht als das kleinere Übel. Der unberechenbare Gegenspieler “Deflation” ist das wahre Schreckgespenst. Sinkende Preise bei schrumpfender Wirtschaftsleistung und rückläufiger Konsumneigung sind nur schwer zu bekämpfen.
Um Deflation mit aller Kraft zu vermeiden, nehmen Wirtschaft und Politk steigende Preise in Kauf. Wirtschaftsvertreter haben sich bei der Bundesbank rückversichert, dass die Finanzwirtschaft mit jeder gewünschten Menge Geldes ausgestattet wird. So soll eine Kreditklemme verhindert werden. Die Bundesregierung hält ebenfalls ihre schützende Hand über diesem Pakt.
Mit der Inflation zu spielen, kann ein Spiel mit dem Feuer werden. So lange aber Kaufkraft und Konsumneigung erhalten bleiben und die Konjunktur weiter läuft, geht die Sache gut. Zu Zeiten Helmut Schmidts trafen die hohen Lohnabschlüsse im öffentlichen Dienst auf eine schwächelnde Konjunktur. Die hohen Inflationsraten konnten erst mit massiv steigenden Zinsen eingefangen werden, was die Wirtschaft abwürgte. Auch der deutsche Schuldendienst wurde rasant teuer. Eine 30jährige Bundesanleihe rentierte im zweistelligen Bereich, heute unter 2,5 Prozent.
Die Gefahr dass es für den Bund teurer wird, den Schuldendienst zu leisten, ist momentan nicht sehr groß. So lange deutsche Staatspapiere als sicherer Hafen gelten, bleiben die Zinsen unten. Schießen die Preise aber zu sehr ins Kraut oder lassen die Lohnabschlüsse zu wünschen übrig, geht die Rechnung nicht mehr auf. Die Europäische Zentralbank (EZB) würde die Deutschen mit ihren Inflationssorgen allein lassen. Der Bedarf des Euroraums nach niedrigen Leitzinsen wird noch lange bestehen bleiben.
Und die weiteren Verlierer sind die Rentner, die nicht darauf hoffen können, bessere Abschlüsse erzielen zu können als die IG Metall. Die Altersbezüge werden kaum mit der Teuerung Schritt halten. Und Sparer haben immer weniger Möglichkeiten mit den erzielten Renditen die Teuerung auszugleichen.




Kommentare
von Alex um 13:13 Uhr
von GoldFan um 05:36 Uhr
von Daniel um 21:36 Uhr
von Liselotte Kranz um 18:36 Uhr
von mami um 19:59 Uhr