Bundeskanzler Helmut Schmidt wollte “lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit”. Am Ende bekam er zwar beides, doch zeigt diese Sichtweise, dass das Thema Teuerung nicht nur Angst und Schrecken verbreitet. Und doch rührt die Teuerung an den Urängsten der Deutschen. Wer Inflation will, muss deshalb sehr, sehr vorsichtig vorgehen.

Das Echo auf die Bundesbank-Einlassungen zum Thema Inflation fiel gerade in den Boulevard-Medien hysterisch aus. Dabei haben die Währungshüter vergangene Woche nur darauf aufmerksam gemacht, dass die Teuerung in Deutschland anziehen könnte. Von “Inflations-Alarm” ist jedenfalls keine Spur bei einem gerade vermeldeten Preisanstieg um 2,1 Prozent.

Wer nun glaubt, dass die Bundesbank vom Hort der Stabilität zum Sodom fliegender Preise mutiert, liegt schief. Es ist doch völlig klar, dass ein angestrebter Inflationskorridor mit einer Obergrenze von zwei Prozent innerhalb des Euro-Währungsraums zu Ausreißern in beide Richtungen führt. Gerade in Deutschland wachsen die Inflationsgefahren. Wäre noch die Bundesbank allein für einen deutschen Leitzins zuständig, so wäre dieser bei etwa 2,5 Prozent auf einem angemessenen Niveau.

Zusätzlich zu den niedrigen Zinsen drohen die so genannten “Zweitrundeneffekte” die Preisspirale anzutreiben. Volkswirte sprechen von einem solchen Phänomen, wenn steigende Löhne zu steigenden Preisen führen, wenn also der Bäcker den Brötchenpreis anhebt, weil er dem Gesellen mehr zahlen muss, was wiederum den Automechaniker dazu bewegt, von seinem Arbeitgeber mehr Geld zu verlangen, was die Preise für Reparaturen teurer macht.

Was aber, wenn genau dieser Effekt gewünscht ist? Wirtschaft und Politik bereiten die Deutschen auf steigende Preise vor. Dabei ziehen Arbeitgeber und Gewerkschaften an einem Strang. Die relativ hohen Lohnabschlüsse sind ein erstes Indiz dafür, auch die Anmerkung von Finanzminister Schäuble, die Löhne müssten steigen. Inflation gilt schlicht als das kleinere Übel. Der unberechenbare Gegenspieler “Deflation” ist das wahre Schreckgespenst. Sinkende Preise bei schrumpfender Wirtschaftsleistung und rückläufiger Konsumneigung sind nur schwer zu bekämpfen.

Um Deflation mit aller Kraft zu vermeiden, nehmen Wirtschaft und Politk steigende Preise in Kauf. Wirtschaftsvertreter haben sich bei der Bundesbank rückversichert, dass die Finanzwirtschaft mit jeder gewünschten Menge Geldes ausgestattet wird. So soll eine Kreditklemme verhindert werden. Die Bundesregierung hält ebenfalls ihre schützende Hand über diesem Pakt.

Mit der Inflation zu spielen, kann ein Spiel mit dem Feuer werden. So lange aber Kaufkraft und Konsumneigung erhalten bleiben und die Konjunktur weiter läuft, geht die Sache gut. Zu Zeiten Helmut Schmidts trafen die hohen Lohnabschlüsse im öffentlichen Dienst auf eine schwächelnde Konjunktur. Die hohen Inflationsraten konnten erst mit massiv steigenden Zinsen eingefangen werden, was die Wirtschaft abwürgte. Auch der deutsche Schuldendienst wurde rasant teuer. Eine 30jährige Bundesanleihe rentierte im zweistelligen Bereich, heute unter 2,5 Prozent.

Die Gefahr dass es für den Bund teurer wird, den Schuldendienst zu leisten, ist momentan nicht sehr groß. So lange deutsche Staatspapiere als sicherer Hafen gelten, bleiben die Zinsen unten. Schießen die Preise aber zu sehr ins Kraut oder lassen die Lohnabschlüsse zu wünschen übrig, geht die Rechnung nicht mehr auf. Die Europäische Zentralbank (EZB) würde die Deutschen mit ihren Inflationssorgen allein lassen. Der Bedarf des Euroraums nach niedrigen Leitzinsen wird noch lange bestehen bleiben.

Und die weiteren Verlierer sind die Rentner, die nicht darauf hoffen können, bessere Abschlüsse erzielen zu können als die IG Metall. Die Altersbezüge werden kaum mit der Teuerung Schritt halten. Und Sparer haben immer weniger Möglichkeiten mit den erzielten Renditen die Teuerung auszugleichen.

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Keine nächtlichen Starts und Landungen in Frankfurt sind das eine, überhaupt keine Starts und Landungen auf dem neuen Berliner Großflughafen sind das andere, hinzu kommen heftige Turbulenzen der beiden Airlines Lufthansa und Air Berlin. Sowohl Lufthansa als auch Air Berlin haben sowohl ihren Aktionären, ihren Mitarbeitern als auch den Passagieren wenig zu bieten.

Die LH-Papiere haben in der Vergangenheit deutlich verloren, Lufthansa-Aktionäre mussten seit Januar 2011 fast eine Halbierung ertragen. Die Mitarbeiter bangen – vor allem in Deutschland- um ihre Arbeitsplätze und die Kunden – die sind verärgert. Alte Flieger, schlechte Sitze und ebenso schlechter Service – die Lufthansa wird ihren eigenen Ansprüchen oft nicht gerecht.

Bei Air Berlin sieht es nicht viel besser aus. Auch die zweitgrößte deutsche Fluglinie muss sparen. “Shape and Size” heißt das bei Hartmut Mehdorn, während Christoph Franz sein Spar-Programm für die Lufthansa “Score” nennt. Dass die LH bei einem Verlust von 13 Millionen Euro noch eine Dividende von 25 Cent pro Aktie zahlt, ist bemerkenswert. Vielleicht soll es Anleger besänftigen, aber ist es schlau Dividenden aus Rücklagen zu zahlen? Ich hab da meine Zweifel.

Und ausgerechnet in dieser Phase geht der Hauptstadt-Flughafen nicht in den Betrieb. Da werden Klagen vorbereitet, denn diese Panne kostet auch die Airlines richtig viel Geld. Vom Imageschaden mal ganz zu schweigen.

Heute Morgen riefen mich frühere Kollegen aus Neu-Delhi an, die nicht glauben konnten, was in den indischen Zeitungen über das Prestigeobjekt Hauptstadtflughafen in Deutschland stand. Und hatten einen Tipp, wie man das Desaster noch beheben könne: “Erhöht doch einfach die Zahl der Bauarbeiter und lasst Tag und Nachtschichten übergangslos mit einander verschmelzen.”

Als seinerzeit der neue Terminal 3 in der Hauptstadt Neu-Delhi drohte nicht fertig zu werden, wurden die Bauarbeiter auf der Baustelle kurzfristig verdreifacht und sie mussten Tag und Nacht durch schuften – und übernachteten neben der Baustelle in Zelten.  Als ich ihnen erklärte, dass das in Deutschland nicht ganz so einfach geht wie in Indien und das auch gut so ist, kam nur ein bedauerndes “Tsetsetse” aus der Leitung. “Und deshalb ist Indien im Kommen und Europa auf dem Abstieg.”

Aber nach meinen Erfahrungen in Indien bin ich mir auch da nicht sicher.

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Die Euro-Schuldenkrise hat wieder Schwung in den Blätterwald gebracht. Die Marktschreier haben in der Frage, wie nah der Euroraum denn am Abgrund steht, mal wieder die Nase vorn.

Na klar: Wer berichtet, dass schon im kommenden August die D-Mark wieder eingeführt wird, dass Spanien und Frankreich gleich nach der Kür Hollandes zum französischen Präsidenten den Bankrott melden werden und dass Gold wegen der drohenden Hyperinflation bald 5.000 Dollar je Unze kosten wird, hat Leser, Zuhörer und Zuschauer schnell auf seiner Seite.

Widersprüche oder einfach nur anderslautende Einschätzungen werden als “Mainstream” und damit als von der Masse und für die Masse gelenkter Blödsinn abgekanzelt. Das wirkt, macht die Kritiker mundtot und erhebt die eigenen Berichte zu so etwas wie Ikonen der Wahrheit.

Flankiert von diversen, durch die angelsächsische Brille hindurch getroffenen Einschätzungen malen Medien und Finanzgemeinde ein klares Bild: Europa kommt nicht auf die Beine. Auf der anderen Seite von Atlantik und Ärmelkanal ist alles gut. Die nackten Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache, vor allem wenn es um Reformen geht. Zwar werden Spanien und Portugal im laufenden Jahr ihre Defizitziele wohl verfehlen, doch fällt die Neuverschuldungsquote in Spanien deutlich niedriger aus als beispielsweise in den USA oder in Großbritannien.

Noch deutlicher fällt diese Schieflage in der Betrachtung Frankreichs auf. Nach dem ersten Wahlgang wurde vielerorts der “dramatische” Schuldenstand thematisiert. Die Schuldenlast Frankreichs liegt zwar mit 89 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) deutlich über der in Maastricht gezogenen Obergrenze von 60 Prozent, steht aber auf Augenhöhe mit dem Schuldenberg Großbritanniens (88 Prozent). Die USA sind zu 107 Prozent des BIP verschuldet.

Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten werden im laufenden Jahr den Gegenwert von acht Prozent ihrer Wirtschaftsleistung als neue Schulden aufnehmen. 2013 sinkt dieser Wert auf 6,6 Prozent (Großbritannien) und 6,3 Prozent (USA), was deutlich über den Zielen Frankreichs, Spaniens, Portugals und Italiens liegt.

Solche Vergleiche sind selten zu lesen, und auch wenn die Situation des Euroraums keinesfalls verharmlost werden soll, so wird doch klar, dass es sich bei der Schuldenkrise keinesfalls um eine “Euro-Krise” handelt. Auf eine solche lässt sich aber trefflich spekulieren, wenn der Nachrichtenfluss in die gewünschte Richtung gelenkt werden kann. Und das wird er immer häufiger.

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Am Anleihen-Tropf

20.04.2012 09:04 | Stefan Wolff

Wenn sich Aktienbörsen schwach oder sehr schwankungsanfällig zeigen, dann verfrachten vorsichtige Marktteilnehmer ihr Geld an den Rentenmarkt. Anleihen gelten seit jeher als sicherer Hafen. Im Umkehrschluss ziehen Anleger ihr Geld aus Festverzinslichen ab, wenn sie merken, dass sich mit Aktien mehr Geld machen lässt. Doch wenn es um die Richtung geht, die die Aktienmärkte nehmen, hatten Renten wenig Einfluss. Das hat sich in den vergangenen Wochen gründlich geändert.

Die Wall Street als Weltleitbörse gibt den Takt nicht mehr zwingend vor. Auch beim Blick nach Asien schauen die Händler eher darauf, wie sich Kreditausfallversicherungsprämien auf spanische, portugiesische oder französische Anleihen entwickelt haben, als dass sie den Ständen von Nikkei, Hangseng oder Shanghai Composite wegweisende Bedeutung beimessen würden.

Handfeste Unternehmensmeldungen und Konjunkturdaten haben ebenso eine weit geringere Chance, auf dem Parkett durchzudringen, als dies noch bis vor kurzem der Fall gewesen ist. Die Bank of America und Goldman Sachs verdienen mehr als erwartet? Mag sein, aber die Rendite für spanische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist auf über sechs Prozent gestiegen. Das ändert dann wieder alles.

Aktien und Euro sind zum umgekehrten Spiegelbild der Renditen der angezählten Euro-Länder und des Bund Future geworden. Zeichnet sich vor Börsenbeginn ab, dass die Renditen in Frankreich steigen, kann man eine Aktienrally getrost vergessen. Selbiges gilt, wenn der Bund Future durch die Decke geht und damit einen weiteren Kaufrausch bei deutschen Anleihen signalisiert.

Gesund ist diese Entwicklung nicht. Kurz- und mittelfristig orientierte Anleger schauen bei Aktiengeschäften nur noch auf die als Angstbarometer fungierenden Renditen, anstatt Fortschritte im Kampf gegen die Krise zu würdigen oder ganz schnöde mal die Zahlen erfolgreicher Unternehmen zu würdigen. Das kann böse enden. Vor allem dem deutschen Rentenmarkt droht spätestens dann ein veritabler Crash, wenn sich die Teuerungsrate der Drei-Prozent-Marke nähern sollte oder sich die Aktienmärkte von der Schuldenkrise über einen längeren Zeitraum abkoppeln.

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“Noch sind die Zinsen für Spanien und Italien im grünen Bereich”, glaubt Ulrich Kater. Im Gespräch mit Markus Gürne fordert der Chefvolkswirt der Deka-Bank allerdings umfangreiche Reformen für die Länder Südeuropas, die aus seiner Sicht heute noch mit Regeln aus den 60er und 70er Jahren wirtschaften. Sein Tipp für den Privatanleger in diesen unsicheren Zeiten: Kümmern Sie sich um Ihr Geld!

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Q-Cells, Solar Millennium, Solar Hybrid, Solon. Vor ein paar Monaten noch las sich so die Empfehlungsliste vieler Aktienanalysten. Aktuell ist das die Liste von Solarunternehmen, die in den vergangenen Wochen in die Pleite gerutscht sind. Der einst hoch subventionierten Branche droht die Dämmerung. Der Verdacht liegt nahe, dass weitere Unternehmen nicht überleben werden.

Es ist die Geschichte eines von der Politik gemachten Booms, den die Politik auch beendet. Trotz der vor einem Jahr beschlossenen Abkehr von der Atomenergie fährt der Bund die Förderungen für die Solarbranche weiter zurück. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch, denn mit Sonnenkraft allein lässt sich die Energiewende nicht stemmen. Das begründet sich schon darin, dass beim heutigen Stand der Technik einem Solarpark ein konventionelles Kraftwerk zur Seite gestellt werden muss, für den Fall, dass die Sonne mal nicht scheint. Das kommt in unseren Breiten nicht nur bei Nacht vor.

Deutsche Solarunternehmen sind hochmodern, innovativ und ein Mittelschwergewicht im Wirtschaftsleben. Dennoch sind sie in die Subventionsfalle getappt. Während beispielsweise in China die Regierung die Herstellung von Solarzellen großzügig sponsert, wird hierzulande (mit sinkender Tendenz) der mit Solarzellen erzeugte Strom finanziell gefördert. Das nutzt dann denen gleich doppelt, die bei der Produktion subventioniert werden und den deutschen Herstellern, die dem internationalen Preiskampf ausgesetzt sind, eher weniger.

Im Grunde genommen subventioniert der Bund chinesische Solarzellenhersteller, so wie die Abwrackprämie für Autos in großen Teilen direkt nach Japan (Toyota), Tschechien (Skoda) und Rumänien (Dacia) hätte überwiesen werden können. Der massive Preisverfall hat natürlich auch Vorteile. Sonnenzellen auf dem Dach werden erschwinglicher und angesichts weiter wachsender Strompreise für Verbraucher lohnender. Nur wird es irgendwann für deutsche Hersteller nicht mehr realistisch sein, Solarzellen unter internationalen Wettbewerbsbedingungen herstellen zu können.

Viele Branchen in Deutschland haben einen Niedergang erlebt, wie zum Beispiel die Unterhaltungselektronik (die Älteren werden sich an den richtungweisenden Standard “Video 2000” erinnern), der Schiffbau (dank einer großzügigen südkoreanischen Subventionspolitik) oder die Computerbranche (oder hat noch jemand einen Nixdorf-Computer am Start?). Doch die Solarwende muss kein Sonnenuntergang sein.

Sollten die Unternehmen in der Lage sein, ihre Innovationskraft zu nutzen, werden sie im Weltkonzert der Solarwirtschaft die erste Geige spielen können. Anleger werden jetzt durch einen Feuersturm gehen müssen. Am Ende des Tages gilt aber die Marschregel, dass auch die Hersteller von Solaranlagen eben Anlagenbauer sind. Die Renditen aus dem Maschinen- und Anlagenbau werden über kurz oder lang die Richtschnur werden.

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“Wir sind auf einem richtigen Weg”, meint ein sehr optimistischer Folker Hellmeyer, Chefstratege der Bremer Landesbank, im Gespräch mit Markus Gürne und Stefan Wolff über Schuldenkrise, BRICs und die weiteren Aussichten am Aktienmarkt.

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Börsengänge sind das Salz in der Börsensuppe. Sie erinnern daran, wozu Aktienmärkte eigentlich erschaffen wurden, nämlich als Kapitaltankstelle für Unternehmen, die mit frischem Geld ihrer Anteilseigner in weiteres Wachstum investieren, und die daraus resultierenden Gewinne in Form von Dividenden zum Teil sozialisieren. Das ist klassische Marktwirtschaft.

Diese Idee liegt momentan brach, nachdem sie zu Zeiten des Neuen Marktes komplett pervertiert worden ist. Damals ging jede Wurstbude mit DSL-Anschluss als Internet-Start-Up durch und wurde für teures Geld an die Börse gebracht, was vielen Anlegern mittelfristig eher keine Gewinne bescherte. Die gebrannten Kinder zogen sich zurück, während die Zocker ihr Glück am Open Market versuchten. Dankenswerterweise hat die Börse in ihrem Rotlichtviertel inzwischen aufgeräumt.

Jahr für Jahr entspinnt sich eine Diskussion darüber, welche Börsengänge anstehen könnten, welches Unternehmen den Eisbrecher macht und welche Branche wohl den kommenden Megatrend setzt. Das ist alles richtig und wichtig. Doch sollten Privatanleger vor allem eines wissen: Sie werden in den seltensten Fällen etwas davon haben.

Egal, ob Infineon-Chef Schumacher im Porsche an der Börse vorgefahren ist oder Robert T-Online von der Videoleinwand grüßte – wer sein Geld in den ersten Kurs des jeweiligen Unternehmens gesteckt hat, ist selten glücklich geworden. Auch bei weniger pompös inszenierten Börsendebüts gab es kaum einen Sprung aufs Parkett, nach dem die Aktien nicht den Einstandskurs über kurz oder lang unterboten hätten.

Nicht umsonst bezeichnet man Geld, das Investoren in aufstrebende Unternehmen stecken als „Wagniskapital“. In ein Betriebssystem zu investieren, das irgendwann die Mehrheit der computerisierten Weltbevölkerung nutzen wird, kann funktionieren. Muss aber nicht. Das Problem der meisten Privatanleger ist aber, dass „Wagniskapital“ meist viel früher fließt, jedenfalls deutlich eher als kurz vor Drucklegung des Börsenprospekts.

Bei einem Börsengang stoßen zwei grundsätzlich unterschiedliche Ziele aufeinander. Die Anleger wollen ein Schnäppchen machen und so viel wie möglich an der Wachstumsgeschichte teilhaben. Diejenigen, die das Unternehmen fit für die Börse gemacht haben, wollen natürlich den höchstmöglichen Lohn für ihre Arbeit und die eingegangenen Risiken erhalten. Darum finden Debüts auch statt, wenn de Märkte brummen. Ein positives Börsenumfeld öffnet die Geldbeutel der Anleger. Mit offenem Ausgang.

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Geknackt!

15.03.2012 13:03 | Markus Gürne

Die einen mögen sich bestätigt sehen, die anderen reiben sich vielleicht verwundert die Augen. Vorgestern knackte der Dax am Nachmittag schon mal die 7.000er Marke, aber am Ende des Tages reichte es nicht ganz. Gestern aber reichte es dicke. Seit August 2011 steht der Dax wieder über der wichtigen Marke von 7.000 Punkten. Und die Rally scheint weiter zu gehen.

Warum eigentlich? Das Umfeld ist ja günstig. Die Konjunktur wird wohl besser, als man dachte und wenn die Wirtschaft wieder richtig brummt, ist das schon mal nicht schlecht für Unternehmen. Und dann ist da ja auch noch die kleine Billion billigstes Geld, das die EZB fast zinslos den Banken zur Verfügung gestellt hat. Das kann die Kurse treiben, denn ein erklecklicher Teil dieses Geldes ist auch an den Märkten angekommen.

Nur wie lange hält dieses Phänomen an? Irgendwann dämmert uns allen wieder, dass die Finanzkrise durch diese Geldflut ja nicht behoben ist und es da noch ein paar Staaten gibt, die einen immensen Schuldenstand angehäuft haben. Auch sind da noch immer ein paar Banken, die ums Überleben kämpfen.

Vielleicht ringt sich die EZB ja nochmal dazu durch, eine Geldspritze anzusetzen. Falls sie es nicht tun sollte, setzt am Ende doch wieder Pessimismus ein – und die schöne Rally ist zu Ende.

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Der geplante “Finanzanlagen-TÜV”, für den die Stiftung Warentest aufgerüstet wird, ist schon mal eine gute Idee, geht aber nicht weit genug, findet Stefan Wolff. Er plädiert für eine Produkt-Ampel.

Mehr zum Thema bei boerse.ARD.de: Finanz-TÜV fürs Anlegervertrauen

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Der Autoindustrie stehen spannende Wochen bevor – erst der Glamour des Genfer Autosalons, dann womöglich harte Tarifverhandlungen…

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Der Tender-Turbo

29.02.2012 17:02 | Stefan Wolff

Es ist mehr als nur ein warmer Sommerregen, der sich über den Banken ergießt. Mit dem zweiten Drei-Jahres-Tender stehen Europas Finanzhäuser bei der EZB mit insgesamt einer Billion Euro in der Kreide. Das Geld muss in 36 Monaten zurück gezahlt werden. Bis dahin soll es das Finanzsystem stützen, Banken vor dem Kollaps bewahren und natürlich (aber das darf man nicht laut sagen) wackelnde Staaten finanzieren.

Ob die Rechnung aufgehen wird, ist alles andere als klar. Kurzfristig konnten die Märkte mit dem Geldschwall beruhigt werden. Seit der erste Dreijahrestender ausgegeben worden ist, wurde ein Tender-Turbo gezündet. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat sich um imposante 18 Prozent verbessert. Das Programm hört übrigens auf den sperrigen Namen Ltro, was für Longer-Term Refinancing Operation steht.  Die Anleihezinsen in den „Problemstaaten“ sind zum Teil deutlich zurück gekommen. Das deutet auf eine höhere Nachfrage hin. So gesehen ist das Programm ein Erfolg.

Die Schuldenkrise wird das Programm freilich nicht lösen können. Das kann nur die Politik. Mit den Billigkrediten kaufen sich die Banken Zeit, um die Krise besser durchschiffen zu können. Eigene Anleihen müssen bedient, mehr Eigenkapital muss aufgebaut werden. Da kommt das billige Geld gerade recht. Doch nicht alle werden die Zeit erfolgreich nutzen können.

Auch die Marktteilnehmer werden irgendwann merken, dass der Milliardensegen irgendwann ausläuft. EZB-Chef Mario Draghi könnte sogar schon in der nächsten Sitzung andeuten, dass kein weiterer Dreijahres-Kredit folgen könnte. Als Folge würde eine gewisse Ernüchterung einkehren.

Auch würde es nicht wundern, wenn irgendwann auch die Gerichte über das Vorgehen der EZB entscheiden müssten. Denn dass die Währungshüter mit ihren Megakrediten an die Finanzwelt tatsächlich nur Geldmengensteuerung betreiben, ist zumindest diskussionswürdig.

Langfristig bleibt es dabei, dass alle Beteiligten eine Krise, die durch zu billiges Geld ausgelöst wurde, mit billigem Geld bekämpfen.

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Liebe Nutzerinnen und Nutzer,

künftig würden wir gerne auch in Form eines Video-Blogs mit Ihnen in Kontakt treten. Damit können wir Ihnen auch einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehredaktion ermöglichen.
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Rezession? Ohne uns!

24.02.2012 13:02 | Stefan Wolff

Die EU-Kommission sieht den Euro-Raum in die Rezession abgleiten. Diese Einschätzung kommt zwar nicht eben überraschend, doch für Druck an der Börse sorgte sie allemal (wenn auch nur kurz). Immer klarer wird aber das Bild, dass die deutsche Wirtschaft weitaus glänzender dasteht, als man es ihr zugetraut hätte. Eine Rezession wird es wohl nicht geben.

Seit Monaten kennen Stimmungsindizes nur eine Richtung. Es geht nach oben, und das nicht zu knapp. So ist die gute Laune in deutschen Chefetagen sonnig wie lange nicht mehr. Das Ifo-Geschäftsklima zeigt dies deutlich. Es würde kaum verwundern, wenn in der kommenden Woche auch das Konsumklima weiter anziehen würde, denn auf den Konsumenten baut die Wirtschaft. Die Binnenkonjunktur soll zum Motor des Aufschwungs geworden sein.

Auch die Anlegerstimmung könnte besser nicht sein. Der ZEW-Konjunkturindex, der die Launen der Finanzprofis misst, ist vergangene Woche deutlich gestiegen. Die Börsenexperten rechnen also mit weiter steigenden Kursen. Wenn ich manchmal höre, wie nachlässig die Befragten gerade den ZEW-Fragebogen ausfüllen (oder vom Praktikanten ausfüllen lassen), bin ich erstaunt, wie treffsicher der ZEW-Index in den vergangenen Jahren Trendwenden vorweg genommen hat.

Andererseits: Als es am Neuen Markt so richtig boomte (lange her), hat die hr-Sendung “Maintower” bei einem Börsenspiel den Pressesprecher einer Fondsgesellschaft, ein Filmsternchen und ein Kamel aus dem Frankfurter Zoo gegeneinander antreten lassen. das Kamel hat gewonnen, doch das nur am Rande.

Was also den ZEW-Index angeht, so zeigt er noch keine Gefahren am Horizont. Dennoch wird der Rückschlag sicher kommen. Die Wahl in Frankreich wäre so ein Ereignis, das eine Trendwende auslösen könnte. Doch unterm Strich scheinen die Optimisten erst einmal Recht bekommen zu haben, was auch daran liegen kann, dass die Schuldenkrise ihren Schrecken verloren hat. Selbst ein Ausfall Griechenlands würde wohl den hartgesottenen Anleger nicht mehr aus den Stiefeln hauen, auch wenn Milliardenrisiken in den Kellern der Banken schlummern.

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Occupy Kanzleramt

09.02.2012 09:02 | Stefan Wolff

Die SPD rudert zurück. Sie habe gar nicht vor, einen Wahlkampf gegen Banken zu führen, heißt es, nachdem das “Handelsblatt” ziemlich genüsslich zum Teil neue Zitate von SPD-Chef Sigmar Gabriel, zum Teil alte Plakate und Spots zu einer Kampagne gefügt hat. Und dennoch: Der Slogan “Demokratie statt Bankenmacht” wird wohl im kommenden Wahlkampf nicht ganz unbedeutend sein.

Kapitalismuskritik ist en Vogue. Während die meisten deutschen Wähler der Bundeskanzlerin die Stange halten, spricht sich jüngsten Umfragen zufolge jeder zweite Deutsche für einen Umbau des Wirtschaftssystems aus. Das natürlich, ohne mögliche Alternativen zu benennen oder gar zu kennen. Aber Kritiker haben es leicht dieser Tage. Das Image der Finanzwirtschaft ist unterirdisch. mehr

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