Die Schlafwandler

19.10.2018 11:10 | Stefan Wolff

 

 

Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel brachte es noch am ehesten auf den Punkt. Man fahre nicht nach Brüssel, um dort mit Theresa May eine Tasse Kaffee zu trinken, hatte er nach dem EU-Gipfel gesagt. Abgesehen davon, dass Theresa May dem Klischee folgend vermutlich Earl Grey bevorzugt, hat der Mann ebenso Recht, wie EU-Ratspräsident Donald Tusk. “Sorry, no cherries”, schrieb Donald Tusk twitternd unter ein Bild, auf dem er Theresa May Kuchen anbot.

 

Der EU-Ratspräsident hatte damit auf die Brexit-Verhandlungen in Salzburg angespielt, auf denen die britische Premierministerin umfassende Zugeständnisse bei Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union gefordert hatte. Jetzt in Brüssel kam nur heiße Luft von May. Viele Rechte, keine Pflichten, so der Forderungskatalog. Die EU hat dieser Art des “Cherry-picking”, wie Rosinenpickerei im Englischen heißt, eine Absage erteilt. Sie will sich keinen Brexit von den Briten diktieren lassen, und hat damit auch ganz schön Recht.

 

Trotzdem ist es erstaunlich, wie sich beide Seiten mit schlafwandlerischer Sicherheit auf einen Abgrund zubewegen. Auch wenn beide Seiten betonen, den “harten” (besser wäre “chaotischen”) Brexit weder zu scheuen noch zu fürchten. Doch der Knall wäre auf beiden Seiten des Ärmelkanals deutlich zu vernehmen.

 

Doch was soll die Rest-EU machen? So lange Theresa May rumeiert und nicht mit konstruktiven Vorschlägen um die Ecke kommt, sind den EU-27 die Hände gebunden, zumal sich May auch gern einmal widerspricht. Noch vor ein paar Wochen hatte sich die Premier deutlich gegen eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland ausgesprochen. Das ist eigentlich auch logisch, denn es war schwer genug, ein Friedensabkommen zu erreichen. Inzwischen pendeln die Nordiren und ihre Nachbarn fröhlich hin und her.

 

In Brüssel hieß es dann, dass eine harte Grenze her müsse. Der Vorschlag der EU, Nordirland in der Zoll- und Schengenunion zu belassen, wurde als Kolonialismus diffamiert. Am Ende will May Freihandel für Waren und Güter, nicht aber für Dienstleistungen. Und kosten soll es auch nicht. Umfassende Zugeständnisse würden aber andere Handelspartner gehörig vergrätzen. Norwegen und die Schweiz zahlen für Freizügigkeit und Handelsfreiheiten in die EU-Kasse ein, während Großbritannien darüber feilscht, zwar auslaufende, jedoch über den Brexit hinausgehende Verpflichtungen zu erfüllen. Diese Kirsche würde also Schweizern und Norwegern aufstoßen.

 

Viel Zeit bleibt nicht mehr. Sollten sich die Briten nicht bewegen, wird an einem chaotischen Brexit kein Weg vorbeiführen. Auf einen Schlag (nach der Übergangsfrist) würden die “allgemeinen zollrechtlichen Bestimmungen” gelten. Außer, es gibt in Großbritannien Neuwahlen. Die Brexit-Hardliner bei den Tories werden ihrer Parteichefin keine Zugeständnisse durchgehen lassen. Und die EU? Verteilt keine Kirschen.

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Das Lehman-Trauma

14.09.2018 10:09 | Stefan Wolff

 

Bislang hat die Finanzkrise den deutschen Steuerzahler 59 Milliarden Euro gekostet. Es könnten mehr als 68 Milliarden Euro werden. Die öffentliche Empörung darüber hielt sich in Grenzen, als diese Zahlen vor ein paar Tagen veröffentlicht wurden, und das, obwohl dies eine vierköpfige Familie, so rechnete es Gerhard Schick von den Grünen vor, mit 3.000 Euro belastet.

 

Damit haben Hypo Real Estate, Commerzbank und diverse Landesbanken nicht nur der Otto-Normalfamilie einen Urlaub versaut. Die Zahlen zeigen auch: Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite ist die Finanzkrise noch nicht ausgestanden.

 

Rückblickend scheint es dieser Tage  fast so, als habe die Lehman-Pleite die Finanzkrise ausgelöst. Doch als die Lehman Brothers vor genau zehn Jahren kollabierten, hatte Morgan Stanley bereits Bear Stearns geschluckt, die Bank of America schickte sich an, Merrill Lynch zu übernehmen. In Deutschland war die IKB Bank von der Pleite bedroht und stand vor dem Verkauf, diverse Landesbanken waren ins Straucheln geraten, und die die Commerzbank hatte die Dresdner Bank übernommen.

 

Die Finanzkrise war also bereits in vollem Gange. Lehman war Krisenbeschleuniger, nicht Auslöser. Ein paar Tage zuvor erst hatte das US-Finanzministerium die Immobilienfinanzierer Fanny Mae und Freddy Mac zwangsverstaatlicht. US-Regierung und Notenbank schienen die Lage fest im Griff zu haben. Doch der Truthahn fühlt sich einen Tag vor Thanksgiving am sichersten.

 

Am Tag nach der Lehman-Pleite hörte man auf dem Frankfurter Börsenparkett und in der restlichen Finanzwelt einen Satz besonders häufig: “Damit habe ich nicht gerechnet.” Auf einmal war auch dem Letzten klar: Systemrelevanz gibt es im Ernstfall nicht. Oder doch?

 

Nach der Lehman-Pleite hat es keinen Bankenkollaps mehr gegeben. Die Commerzbank wanderte in Staatshand. Die Hypo Real Estate wurde mit Steuergeldern gerettet, ohne dass die Alteigentümer zur Rechenschaft gezogen wurden. Das nur die deutschen Beispiele, die aber belegen: Lehman war ein Experiment, das vermutlich nicht noch einmal gewagt werden würde. Denn am Ende stand das Finanzsystem nie zuvor und nie danach so dicht vor der Kernschmelze wie damals.

 

Bis heute hat die Finanzkrise ihren Preis. Banken mussten gerettet werden. Dann mussten Staaten gerettet werden, die vorher Banken gerettet hatten. Irland, Griechenland, Zypern, Spanien. Die Folgen sind bis heute zu spüren. Die niedrigen Zinsen werden Anleger noch lange vor Herausforderungen stellen. Sie zahlen gleich mehrfach die Zeche. Niedrige Zinsen zwingen zum höheren Risiko oder zum Verzicht. Außerdem haben nicht alle Finanzhäuser ihre Giftpapiere ausgelagert. Jene, die nicht in einer Bad Bank lagern, dürften als kleine, toxische Beilage in so manchem Zinsdepot lagern.

 

Eigentlich müsste die Finanzwelt alles daransetzen, um eine Finanzkrise 2.0 zu vermeiden. Doch exakt das geschieht nicht. Viele der hochriskanten Geschäfte finden jetzt bei den Schattenbanken statt. Außerdem hat die US-Regierung erst vor kurzem die harten Regulierungsauflagen deutlich gelockert.  Auch wenn die Lehman-Pleite als Mutter aller Krisen gelten darf, ist klar: Die nächste Krise kommt bestimmt.

 

Ob Aktienmärkte, Immobilien oder Währungen erwischt werden, ist offen. Momentan gelten die Probleme der Schwellenländer als möglicher Auslöser. Einen noch stärkeren Widerhall dürfte ein unkontrollierter Brexit haben. Vielleicht kommt der Angriff auch aus dem Cyber Space. Wüsste man es, es würde nicht geschehen.

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Wer braucht Banken?

06.09.2018 15:09 | Stefan Wolff

Der Abstieg war langwierig und schmerzvoll. Jetzt muss die Commerzbank aus dem Dax absteigen. Sie wird durch den Zahlungsdienstleister Wirecard ersetzt. Das ist eine Zäsur. Nicht nur für den Dax. Für die gesamte Wirtschaft.

 

Es gab mal eine Zeit, da wurde der Deutsche Aktienindex als “overbanked” bezeichnet. Damals befanden sich die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Bayerische Hypothekenbank  und die Bayerische Vereinsbank im Dax. Hinzu kamen die großen Versicherer Allianz und Münchener Rück. Die beiden Bayern-Banken fusionierten zur Hypovereinsbank. Diese fiel fortan nur noch durch faule Immobilienkredite auf und wurde schließlich von der italienischen Unicredit geschluckt.

 

Die Dresdner Bank wurde von der Commerzbank übernommen. Das fusionierte Unternehmen ist inzwischen kleiner, als es die Commerzbank allein je war. Bei den Banken ist nur noch die Deutsche Bank übrig geblieben.  Mit der Übernahme des amerikanischen Bankers Trust wollten die Frankfurter zum weltgrößten Player aufsteigen. Davon ist die immerhin noch größte deutsche Bank Lichtjahre entfernt. In Europa schafft sie es nicht einmal unter die Top Ten.

 

Genau genommen ist die Deutsche Bank nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Finanzkrise, hausgemachte Skandale  und Gerichtsprozesse haben dem (immer noch) deutschen Branchenprimus kräftig zugesetzt und das Image des einstigen Strahlemanns. Dax-Aufsteiger Wirecard wiegt an de Börse mehr als 22 Milliarden Euro, doppelt soviel wie die Commerzbank. In Augenhöhe mit der Deutschen Bank.

 

Wirecard bietet mit mobilen Zahlungslösungen nur einen Bruchteil des Bankgeschäfts an und ist damit sehr erfolgreich. Generell schreitet die Digitalisierung des Bankwesens unaufhaltsam voran. Schon mobile Bezahllösungen (mobile payment) entfremden den Kunden von seiner Bank. Wer mit der Smartwatch zahlt, zückt nicht die EC-Karte und blickt damit seltener auf das Logo der Hausbank.

 

Bei Überweisungen ist das ähnlich. Bezahldienstleister wie Papal treiben die Entfremdung weiter voran. Google und Facebook werden mittelfristig die Chat-Funktion um eine Überweisungsmöglichkeit erweitern. In der Zukunft liegt das Geld in der Cloud, und Kredite vergibt die Crowd. Mit einem Klick ist die Rechnung bezahlt. “Instant payment” wird auch im Firmengeschäft Einzug halten. Die Blockchain macht es möglich, dass Rechnungen untereinander blitzschnell ausgeglichen werden können. Und die Bank schaut zu.

 

Die Digitalisierung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Banken – groß wie klein – müssen sich ranhalten, sich zur Not auch neu erfinden. Fintechs knabbern an ihren Geschäftsmodellen. Kooperationen sollen den Schaden begrenzen. Nach der Finanzkrise liegt hier (zehn Jahre nach der Lehman-Pleite) die große Herausforderung.

 

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Riskante Wetten

27.08.2018 16:08 | Stefan Wolff

Stellen Sie sich vor, Ihr Bankberater würde zu Ihnen sagen: “Lass uns zur Rennbahn gehen und alles auf ,Sausewind’ setzen.” Was würden Sie machen? Wenn Sie auch nur einen Funken Verstand haben, würden Sie den Berater vom Hof jagen und die Bank wechseln. Oder Sie sind die hessische Landesregierung. Dann würden Sie einwilligen.

Hessen hat seinen Schuldendienst zu einem Großteil mit Zinsderivaten gestemmt und diese Praxis Ende 2010 massiv ausgedehnt. Mit diesen Papieren hat sich das Land gegen deutlich steigende Zinsen absichern wollen. Wie alle wissen, kam es anders. Die Zinsen sind nach zwei Anhebungen der EZB im Jahr 2011 auf “Null” gestellt worden. Dort verharren sie bis heute.

Was am Ende bei diesem Wettgeschäft herausspringt, wird sich erst am Ende der letzten Laufzeit herausstellen. Schon jetzt aber – so haben es die Kollegen der “Welt” ausgerechnet – hat das Bundesland auf diese Art und Weise 375 Millionen Euro versenkt.

Derivate sind Finanzwetten. Wetten haben den ungeheuren Vorteil, dass man sie gewinnen kann. Dafür muss es aber auf der anderen Seite auch einen Verlierer geben. Das ist der Nachteil. In der Finanzwelt haben Derivate eine berechtigte Funktion. In Fonds können sie der Absicherung vor Verlusten dienen. Der Preis für das geringere Risiko ist dann eine kleinere Gewinnchance.

Auch Kämmerern und Finanzministern ist es gestattet, sich solcher Finanzinstrumente zu bedienen. Entsprechend fällt auch die Verteidigung aus. Man handle nicht anders als ein Häuslebauer, der sich niedrige Zinsen sichere, hieß es. Das stimmt nur zum Teil. Wer sich für die Finanzierung seiner Immobilie ein Forward-Darlehen sichert, riskiert sein eigenes Geld. Im Falle des Landes Hessen handelt es sich um fremdes Geld, um Steuergeld.

Das kann alles gründlich schiefgehen. Und ist auch schon schiefgegangen. Im Jahr 2003 hat sich der hessische Rheingau-Taunus-Kreis von seinen Yen-Geschäften getrennt. Der Kreis hatte sich in Japan verschuldet, um von den niedrigen Zinsen zu profitieren. Auf diese Weise sparte der Kreis seit 1994 knapp 17 Millionen Euro. Zwischenzeitlich hatten allerdings gut 27 Millionen Euro Verlust in den Büchern gestanden.

Weil man so schön mit einem blauen Auge davon gekommen war, setzte der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises im  Jahr 2015 mit Spekulationen auf den Schweizer Franken 70 Millionen Euro in den Sand. Kein Einzelfall. Die hochverschuldete Stadt Essen verspekulierte sich mit Schweizer Franken, das chronisch klamme Hagen verlor mit Derivaten 50 Millionen Euro.

Wer eine Wette eingeht, hält sich immer für schlauer als der andere. Nur ist er das oft genug nicht. Das ist am Stammtisch genauso wie an der Börse. Aus diesem Grund sollten unerfahrene Anleger unbedingt die Finger von Zinswetten und anderen Konstrukten lassen. Politiker gehören eindeutig zu dieser Klientel. Das ihnen anvertraute Geld, beziehungsweise die Schulden sollten ultrakonservativ finanziert werden.

Die Hessen werden übrigens erst in 40 Jahren erfahren, ob sie für die damalige Fehleinschätzung zahlen müssen oder vielleicht sogar als Gewinner dastehen. Leider können sie sich dann nicht mehr bedanken.

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Der Bosporus ist nah

14.08.2018 16:08 | Stefan Wolff

Die aufziehende Finanz- und Wirtschaftskrise in der Türkei wird an den Aktienmärkten wie ein regionales Phänomen abgehandelt. Das ist kurzsichtig. Politisch wie wirtschaftlich haben die bestehenden Probleme das Potenzial, eine erneute Finanzkrise auszulösen.

 

Wenn die schwindsüchtige türkische Lira den Euro auf ein Jahrestief zieht, dann kann die Warnung wohl kaum deutlicher ausfallen. Die Verknüpfungen zwischen dem Bosporus und dem Euroraum sind einfach zu eng. Da sind zum einen die Banken. Spanische, französische, italienische und niederländische Banken sind im türkischen Finanzsektor aktiv.

 

Die spanische BBVA besitzt die Hälfte aller Anteile an der Garantie Bankas. Die italienische Unicredit hält 40 Prozent an der an Yapi Kredi. Sollte die Unicredit Probleme bekommen, sind Probleme bei der deutschen Tochter nicht weit, immerhin die drittgrößte Privatbank hierzulande.

 

Hinzu kommen die Auslandskredite türkischer Firmen, die sich Angaben zufolge auf 330 Milliarden Dollar summieren. Hier sind spanische Banken am stärksten involviert. Wenn die heimische Währung fällt, werden auf Dollar und Euro laufende Kredite horrend teuer. Für türkische Unternehmen ist der Schuldendienst um 40 Prozent teurer geworden – allein im laufenden Jahr. Da sind Zahlungsschwierigkeiten nicht ganz ausgeschlossen.

 

Türkeis Präsident Erdogan hat zwar Unternehmenspleiten verboten, doch dürfte auch das im Notfall nicht helfen. Auf den ersten Blick sieht es für die türkische Wirtschaft rosig aus. Sie ist im 1. Quartal um 7,4 Prozent gewachsen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,6 Prozent. Die Türkei ist mit 30 Prozent des BIP verschuldet. Das ist mit Blick auf Italien oder Griechenland (aber auch Deutschland) lächerlich.

 

Sorge bereitet die Inflationsrate, die mit fast 16 Prozent exorbitant hoch ausfällt. Gepaart mit den hohen Auslandsschulden birgt die Teuerungsrate Sprengstoff.  Und: Der Aufschwung ist in weiten Teilen erkauft. Die Verschuldung privater Haushalte ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die gesenkte Mineralölsteuer fällt angesichts der Teuerungsrate kaum ins Gewicht.

 

Auch politisch ist eine Lösung schwer vorstellbar. Der Streit zwischen den USA und der Türkei dürfte weiter eskalieren. Aufgehängt an einem inhaftierten Pfarrer aus den USA geht der Konflikt tiefer. Die Türkei mag der freundlichen Einladung der USA, auf den Sanktionskurs gegen Iran und Russland einzuschwenken, nicht folgen. Zu wichtig sind die wirtschaftlichen Beziehungen, zu sehr werden Öl und Gas aus den Regionen benötigt.

 

Vergangene Woche hat US-Präsident Trump die Zölle auf türkischen Stahl und Aluminium verdoppelt. Die Eskalationsspirale dreht weiter. Die Türkei will Elektronik aus den USA boykottieren. Fortsetzung folgt.

 

Wie groß die Ansteckungsgefahren sind, zeigt der Blick auf die Devisenmärkte. Währungen anderer Schwellenländer, wie der südafrikanische Rand, knicken ein. Ausländische Unternehmen betrachten das Geschehen vom Spielfeldrand aus. Sollte die Lage weiter eskalieren, werden sie handeln.  Der Mutterkonzern von Mediamarkt und Saturn, Ceconomy, stellt seine Wachstumspläne am Bosporus auf den Prüfstand. Das dürfte kein Einzelfall sein.

 

Die Türkei müsste die Zinsen drastisch erhöhen, um dem Währungsverfall Einhalt zu gebieten. Doch die Macht der Notenbank ist eingeschränkt. Erdogan hält nicht viel von unabhängiger Geldpolitik. Immerhin hat die Notenbank angekündigt, Banken mit Liquidität zu versorgen und gegebenenfalls die Lira zu stützen. Bislang mit mäßigem Erfolg.

 

Eine andere Maßnahme wären Kapitalausfuhrkontrollen. Eine Zwangsmaßnahme, die sich nahtlos in andere Maßnahmen einfügen würde, die aber das Vertrauen der Investoren eher nicht erweckt. Letzteres ist ohnehin angeknackst. Ausländische Firmen brauchen wieder Rechts- und Planungssicherheit.

 

Ratingagenturen bezeichnen die bisher getroffenen Schritte als unzureichend. Ein weiterer Verfall der Währung würde eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit nach sich ziehen. Das verteuert den Schuldendienst und verschärft die Probleme. Auch das ist eine Blaupause für andere Länder.

 

Wer nun glaubt, dass die Sorgen übertrieben sind und dass die Banken schon transparent mit ihren Risiken umgehen, hat in den vergangenen 15 Jahren einen sehr tiefen Schlaf gehabt.

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Er hätte genauso gut “Dix” heißen können oder “Dux”. Nur das naheliegende ging nicht. “DAI” als Kürzel für “Deutscher Aktienindex” war bereits besetzt – von Aktien der Daimler Benz AG. Vier Männer standen vor 25 Jahren auf dem Parkett, verwarfen aus naheliegenden Gründen “Dux”, das vom lateinischen Wort für “Führer” abgeleitet war, und Manfred Zass von der Deutschen Girozentrale entschied: “Dann heißt das Kind eben Dax.”

 

Der Name ist ein Glücksgriff, weil er so griffig ist und sich nahtlos in die Börsentierwelt aus Bulle und Bär einreihen lässt. Selbst Aktienmuffeln ist der Dax ein Begriff. Dass heute auf dem Parkett der 30. Geburtstag des deutschen Leitindex gefeiert wird, verwundert viele. “Wie, erst 30 Jahre?”, ist wohl die häufigste Reaktion, was aber daran liegt, dass der Dax zurück gerechnet wurde, und so der Verlauf bis zum Beginn des Aktienhandels nach dem Krieg verfolgt werden kann.

 

Gut ist auch dass der Dax “erst” 30 Jahre alt ist. Nur neun Monate vor der Geburt hatte der “Schwarze Montag” deutsche Aktien ein Viertel ihres Werts gekostet. Für den Dax hätte dies einen Fehlstart bedeutet. So aber liefen die Kurse rund und direkt in die Wiedervereinigungseuphorie hinein. Es hat einige solcher Rallyphasen gegeben und dabei einige Tage, die sich tief in das Gedächtnis eingebrannt haben.

 

Der Rücktritt von Oskar Lafontaine vom Amt des Bundesfinanzministers im März 1999 gehört sicherlich dazu. Der Dax machte einen Riesensatz, denn dass “Linke” mit Geld nicht umgehen können, gehört zum Allgemeinwissen an der Börse. Da stört es auch nicht, dass es die anderen auch nicht können.

 

Es gab viele solcher  schwarze Tage und Jubelarien. Unterm Strich aber ging es immer bergauf. Wer langfristig dem Index die Treue gehalten hat, hat pro Jahr 8,5 Prozent Gewinn gemacht. Das wird angesichts längerer Verlustphasen gern vergessen. Zu sehr haben sich die geplatzte Internetblase zur Jahrtausendwende und die jüngste Finanzkrise in das kollektive Gedächtnis der Sparer gebrannt.

 

Und noch ein Umstand mag Skeptiker bestätigen: Die Finanzkrise hat die Koordinaten der Geldanlage nachhaltig verschoben. Die langsam endende Nullzinspolitik der Notenbanken war ein Konjunkturprogramm für Aktien. Nicht von ungefähr fuhr die Börse im Herbst 2008 die größten Tagesgewinne der Geschichte ein. Als am 13. Oktober 2008 die G-7-Staaten ein Rettungspaket für das angeschlagene Finanzsystem beschlossen hatten und die Bundesregierung 500 Milliarden Euro für die Rettung von Banken freigab, stieg der Dax um über elf Prozent.

 

Ansonsten sind Gerüchte das Salz in der Börsensuppe. Geschickt ausgestreut würzen sie einen ansonsten faden Tag. Deutsche Händler unterstellen gern ihren britischen Kollegen, dass sie aus Langeweile den Dax zuweilen mit erfundenen Geschichten anschubsen.

Meistens ist das aber gar nicht nötig. Der Dax erzählt jeden Tag seine Geschichten, ob beim schnellen Aufstieg in der Internet-Euphorie oder im langen Darben nach Platzen der Blase. Im Moment sind nach einem langen Anstieg die weniger angenehmen Themen dran. Handelsstreitigkeiten und die Angst vor steigenden Zinsen drohen den Dax ins Sommerloch zu drücken.

 

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Tweets und Trumps verkommen zur Nebensache. Dieser Tage zählt nur die Geldpolitik. Die Sitzungen von US-Notenbank und EZB gehören zu den wichtigsten Zusammenkünften des Jahres. Die jetzt erwarteten Weichenstellungen werden die Finanzmärkte auf einige Monate hin prägen.

 

Lettland ist so etwas wie ein Musterknabe der Euro-Gemeinschaft. Der baltische Staat hat konsequent die Fesseln der Planwirtschaft abgeworfen und ein imposantes Wachstum hingelegt. Seit dem EU-Beitritt im Jahr 2004 haben sich die Löhne und Gehälter der Letten verdoppelt. Die Staatsverschuldung liegt mit knapp 33 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) deutlich am unteren Rand im Euro-Raum. Nun tagt die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag Lettlands Hauptstadt Riga, ausgerechnet, wenn es um das Ende des Anleihe-Aufkaufprogramms gehen soll.

 

Es dürfte ungemütlich werden. Einerseits wird von EZB-Chef Mario Draghi erwartet, einen Zeitplan für den Ausstieg aus dem Anleiheaufkaufprogramm vorzulegen. Auf der anderen Seite wird es einige Fragen geben, wie die EZB gedenkt, mit der neuen italienischen Regierung und deren Ausgabenpolitik umzugehen. Italien ist mit über 130 Prozent des BIP verschuldet, und nach allem Dafürhalten steuert Italiens Regierung darauf zu, diese Quote weiter nach oben zu schrauben.

 

Steuererleichterungen und Investitionsprogramme können nur mit mehr Schulden erkauft werden. Die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums steht nicht eben auf einem stabilen Fundament und wird außerdem in der Flüchtlingsfrage von der EU allein gelassen, was ebenfalls hohe Kosten verursacht und politischen Missmut.

Italiens Wirtschaftslage und das mögliche Ende des Anleiheaufkaufprogramms hängen unmittelbar zusammen. Die EZB ist Italiens größte Gläubigerin außerhalb Italiens. Ein Ende des Kaufprogramms würde die Finanzierungskosten für Italien erhöhen. Das erhöht dann auch die Risiken für italienische, französische und spanische Banken, die viele Papiere aus Rom horten.

 

Für die EZB ist das eine Zwickmühle. Sollte Draghi nach dieser Sitzung kneifen, wird man den Währungshütern vorwerfen, unzuverlässig zu sein. Draghi selbst dürften dann einige Hardliner seine Nationalität zum Vorwurf machen und ihm Befangenheit unterstellen.

 

Von solchen Vorwürfen ist die US-Notenbank (Fed), die am Mittwoch  ihre Zinsentscheidung bekannt gibt, weit entfernt. Zwar ist Jerome Powell ein Notenbankchef von Trumps Gnaden und hat die allseits beliebte Janet Yellen abgelöst. Doch der “Neue” hat die Linie der Fed transparent und gradlinig weiter verfolgt. Dass die Fed erneut die Zinsen anheben wird, gilt als unstrittig. Mit diesem siebten Schritt des aktuellen Zinsanhebungszyklus stoßen die Geldpolitiker allerdings auf gewisse Probleme.

 

Schon jetzt nähern sich die Zinsen für kurzlaufende Papiere und Anleihen mit längerer Laufzeit an. Steigen die Zinsen weiter, dann könnten die Kurzläufer mittelfristig höhere Zinsen abwerfen, als Kredite mit langen Laufzeiten. Gerade für Banken ist das unangenehm, da sie langfristige Kredite mit kurzfristigen Darlehen gegenfinanzieren.

 

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte dies auf die Gewinne der Banken drücken. Für die Fed ist das ein Dilemma. Wenn sie ihren geldpolitischen Kurs unterbricht, dann könnte – angesichts einer boomenden US-Wirtschaft – die Inflation ins Kraut schießen. Auf den ersten Blick sind es nur ganz normale Zinssitzungen. In denen steckt aber ordentlich Zündstoff.

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Momentan bläst der deutschen Wirtschaft der Wind scharf ins Gesicht. Es wird höchste Zeit für Gegenmaßnahmen. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Die einzig richtige Antwort auf alle offenen Fragen ist Einigkeit.

 

Jetzt hält also Donald Trump deutsche Autohersteller und ihre Produkte für geeignet, die innere Sicherheit der USA zu gefährden. Mit dieser Begründung lässt der US-Präsident prüfen, ob Strafzölle gegen BMW, Daimler und VW verhängt werden können. Gerade hatte man sich über die Gnadenfrist bei den drohenden Zöllen für Stahl und Aluminium gefreut, schon kommt es richtig dicke.

 

Strafzölle auf Autos und Autoteile könnten die deutsche Wirtschaft mit fünf Milliarden Euro belasten, rechnet das Ifo-Institut vor. Dagegen sind die drohenden Sanktionen in Sachen Stahl und Alu ein Kindergeburtstag. Trumps unberechenbare Wirtschaftspolitik, sein Hang zum Merkantilismus werden von einer diffusen zu einer realen Gefahr für ein sensibles weltweites Wirtschaftsgefüge.

 

Nur wie darauf reagieren? Hinweise, dass die deutsche Autoindustrie tausende Jobs in den USA geschaffen hat (BMW betreibt in Spartanburg sogar sein größtes Werk überhaupt), kommen beim Präsidenten nicht an. Die USA darauf aufmerksam zu machen, dass die Handelsbilanz in Sachen Autos zwar zu Ungunsten Amerikas ausfällt, aber nicht, wenn es um Unternehmen wie Apple, Amazon oder Google geht, ist nur dann sinnvoll, wenn auch entsprechende Maßnahmen damit einher gehen. Denn eines ist klar: Kommen die Zölle auf Autos, ist Handelskrieg.

 

Die USA werden gern als der natürliche Handelspartner Europas gesehen. Doch was ist, wenn einer der Partner keine Lust mehr hat und sich selbst in der Isolation wohler fühlt? Die deutsche Wirtschaft ist gut beraten, sich neue Märkte zu erschließen und sich zumindest für die Dauer der Präsidentschaft Trumps mit allzu hohen Wachstumserwartungen zurückzuhalten.

 

Der Handelsstreit zieht zudem immer weitere politische Kreise. Saudi-Arabien hat einen Auftragsstopp für deutsche Firmen verhängt. Offenbar geschah dies aus Verärgerung über die deutsche Nahost-Politik heraus und hängt mit dem Atomabkommen mit dem Iran zusammen, das die USA einseitig gekündigt haben. Das ist ein herber Schlag für deutsche Firmen und ein Grund mehr für Europa, weiter zusammenzurücken.

 

In diesen Zeiten des Populismus wäre es gut, diesem mehr Macronismus entgegenzusetzen. Mehr Europa, wie es Frankreichs Präsident anstrebt, bedeutet mehr Gemeinsamkeit. Und mehr Gemeinsamkeit bedeutet Stärke. Leider sieht es nicht danach aus. Populismus ist auch hier auf dem Vormarsch.

 

In Italien formiert sich eine europakritische, aus Populisten bestehende Regierung. Was die Wähler in Frankreich und den Niederlanden noch zu verhindern wussten, wird nun in der drittgrößten Volkswirtschaft des Euroraums Realität. Ökonomen taxieren die Kosten für versprochene Steuererleichterungen und andere Wohltaten auf erst einmal 100 Milliarden Euro. Kurzfristig können die Maßnahmen das Wirtschaftswachstum Italiens beschleunigen. Mittel- und langfristig ergeben sich daraus Probleme.

 

Das Wachstum wird mit neuen Staatsschulden erkauft. Es ist kaum zu erwarten, dass Italiens Wirtschaft nennenswert produktiver – also wettbewerbsfähiger – wird. Schon jetzt liegt die Staatsverschuldung bei über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das alles ist beunruhigend. Auch wenn die kommenden Regierungsparteien Lega Nord und 5 Sterne zurück gerudert sind, steht eine mögliche Begehrlichkeit nach einem Schuldenerlass im Raum, die bei einem Eintritt auch deutsche Steuerzahler kräftig zur Ader lassen würde.

 

Eine solche Forderung enthält genügend Dynamit, um die ohnehin schon zerrissene Euro-Gemeinschaft zu sprengen, doch ist es eher unwahrscheinlich, dass es dazu oder zum Super-Gau (dem Euro- oder EU-Austritt Italiens) kommt. Italiens ohnehin angeschlagene Banken würden das nicht überleben. Das weiß auch die kommende italienische Regierung. Es ist aber unwahrscheinlich, dass aus Europa die Antworten kommen, die jetzt benötigt werden.

 

Aktien und Euro stehen weiter unter dem Druck der Populisten.

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Das Euro-Rätsel

19.04.2018 15:04 | Stefan Wolff

Eigentlich bewegen sich die Finanzmärkte in einem idealen Dollar-Umfeld. In den USA lassen sich Zinsen verdienen. Die Renditen für US-Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit liegen bei 2,9 Prozent, während vergleichbare deutsche Papiere nur knapp mehr als ein halbes Prozent abwerfen. Die US-Wirtschaft brummt. In ihren Konjunkturbericht, dem “Beige Book”, berichten die regionalen Notenbanken der USA von wachsenden Konsumausgaben und von einem robusten Arbeitsmarkt. Außerdem boomt die Wall Street.

 

Das sind alles Zutaten für eine Dollar-Rally. Anleger müssten sich vom Greenback magnetisch angezogen fühlen, zumal sich die Zinsschere zwischen Dollar- und Euroraum kontinuierlich weiter öffnet und weiter öffnen wird. Denn während in der EZB noch ein Ende des Anleihe-Aufkaufprogramms diskutiert wird, stehen bei der US-Notenbank die Zeichen auf weiteren, moderaten Zinsanhebungen.

 

Trotzdem steigt der Euro. Im vergangenen Jahr betrug der Anstieg gegenüber dem Dollar satte 15 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinschaftswährung nochmal drei Prozent draufgepackt. Damit ist der Euro zwar noch weit von historischen Höchstständen entfernt, steht aber auf dem höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Das reicht, um einige Unternehmen zu alarmieren. Der Autozulieferer Continental hat jetzt wegen der Währungseffekte vor sinkenden Gewinnen gewarnt. An den Finanzmärkten gilt das als Warnung der gesamten Wirtschaft.

 

Wie stark sich ein starker Euro auf die Exportwirtschaft auswirkt, ist ein beliebtes Streitobjekt. Klar ist, dass Exporteure im Dollarraum entweder mit niedrigeren Margen leben müssen oder mit einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit, wenn sie ihre Preise nach oben anpassen und deshalb mit den Wettbewerbern nicht mithalten können. Auf der anderen Seite sorgt ein starker Euro für stabile oder sinkende Rohstoffpreise. Öl ist in den vergangenen Wochen drastisch teurer geworden. Der gestiegene Euro mildert diesen Effekt ab, da Öl in Dollar bezahlt wird.

 

Außerdem ist die deutsche Wirtschaft wendig. Der Maschinenbau beispielsweise fürchtet einen teureren Euro gar nicht, weil die Anbieter in diesem Geschäft hochspezialisiert sind. Die Maschinen verkaufen sich, weil es kaum oder keine Konkurrenz gibt. Und Geschäftsbeziehungen sind eine langfristige Sache. Wer beim deutschen Maschinenbau anklopft, bekommt nicht einfach ein Paket vor die Tür gestellt sondern begibt sich oft in eine dauerhafte Geschäftsbeziehung.

 

Auch wenn sich positive und negative Effekte wahrscheinlich weitgehend aufheben, wird der Euro den Märkten als Thema erhalten bleiben. Die Diskussion ist einfach zu gut dafür geeignet, Kurse zu bewegen.

 

Frage nur, was macht den Euro so stark? Europas Wirtschaft braucht sich hinter den USA nicht zu verstecken. Auch die vor Jahresfrist noch befürchteten Siegeszüge der Populisten in Frankreich und den Niederlanden  sind ausgeblieben. Politisch geht es zwar turbulent in der Gemeinschaft zu, aber die Lage stellt sich nicht ganz so dramatisch dar. Und dann ist da noch die Tatsache, dass 2016 der US-Dollar als stark überbewertet galt. Jedes Pendel schlägt mal zurück.

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Chefwechsel bei der Deutschen Bank, doch von einer Überraschung kann man wohl kaum sprechen. Schließlich pfiffen es seit Wochen die Spatzen von den Dächern, dass der Stuhl von Deutsche Bank-Chef Cryan wackelt. Jetzt kam der Schritt schneller als gedacht und heftiger als gedacht. John Cryan musste den Stab unmittelbar an Christian Sewing abgeben.

 

Vorausgegangen war diesem Schritt ein unwürdiges Gezerre. Seit Wochen befinden sich Aktien der Deutschen Bank auf Talfahrt. Allein seit Jahresbeginn verloren die Papiere fast 30 Prozent und fielen zwischenzeitlich sogar auf das Niveau des Krisenjahres 2016, als an den Finanzmärkten spekuliert wurde, die Deutsche Bank müsse vom Staat gerettet werden.

Flankiert wurde die Talfahrt von einem höher als erwarteten Verlust für das Geschäftsjahr 2017 und eben den Gerüchten um die Ablösung Cryans. Während sich der Chef selbst mit hochgekrempelten Ärmeln zeigte, bereit die Bank (wie vereinbart) bis mindestens 2020 zu führen, konnten sich die berühmten “gut informierten Kreise” nicht einmal ein halbherziges Dementi abringen. Ganz im Gegenteil sah man Aufsichtsratschef Achleitner weltweit beim Klinkenputzen. So funktioniert Demontage.

 

Und Selbstdemontage. Denn den Posten des Chefs des größten deutschen Geldhauses wollte niemand haben, zumindest nicht aus der Geldelite dieser Welt. Ein paar Kratzer im Lack hat dann auch gleich Christian Sewing. Er kann nicht für sich beanspruchen, als erster gefragt worden zu sein.

Jetzt also stehen die Zeichen auf Neuanfang. Mal wieder und doch so deutlich wie seit Jahren nicht mehr. Mit Christian Sewing rückt der Chef des Privatkundengeschäfts an die Spitze des Geldhauses. Da spricht vieles dafür, dass sich die Deutsche Bank anders ausrichten wird als bisher. Sewing spricht von einer Rückkehr der Jägermentalität. Auf was der neue oberste Jägermeister der Deutschen Bank ansitzen will, ist noch nicht klar. Klar scheint nur: Die Deutsche Bank wird ihren Schrumpfkurs fortsetzen werden. Der Wandel zu was auch immer wird weitere Arbeitsplätze kosten.

 

Sewings Vorgänger agierten allesamt eher glücklos. Der Schweizer Josef Ackermann war angetreten, die Bank auf Internationalität und Rendite zu trimmen. Das hat nicht geklappt. Von den einst ausgegebenen Zielen (25 Prozent Eigenkapitalrendite) ist die Deutsche Bank weit entfernt, gehört im europäischen Vergleich zu den unprofitabelsten Häusern.

 

Dass sich solche Renditen mit sauberen Mitteln wohl kaum erwirtschaften lassen, mussten Ackermanns Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen ausbaden. Das Führungsduo hatte sich den Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben. Doch während der Amtszeit der beiden kam die Deutsche Bank nicht aus den Negativschlagzeilen heraus.

 

Auch John Cryan hat sich in den vergangenen Jahren eher nicht mit Ruhm bekleckert. Er sollte vor allen Dingen die hohen Kosten der Deutschen Bank senken. Drei Jahre in Folge gelang es ihm nicht, sein Haus aus den roten Zahlen zu führen. Im vierten Quartal 2017 lag die Cost-Income-Ratio bei 121 Prozent. Das heißt: Für jeden Euro, den die deutsche Bank verdiente, gab sie 1,21 Euro aus. Dabei wurden jene, die die roten Zahlen mit schrieben, zuletzt mit großzügigen Boni gepampert, weil man diese Leistungsträger nicht an die ausländische Konkurrenz verlieren wolle. Eine solche Einschätzung ließ nicht nur Aktionäre ratlos zurück.

 

Sewing muss nun das Vertrauen der Investoren und der Kunden gewinnen. Viel Zeit hat er nicht und angesichts einer desolaten Ertragslage, jeder Menge nach wie vor ungeklärter Rechtstreitigkeiten und eines atomisierten Aktienkurses dürfte das auch keine leichte Aufgabe werden. Irgendwann wird sich auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner die Frage nach seiner Rolle gefallen lassen müssen. Er amtiert seit dem Weggang Ackermanns, hat also das ganze Elend miterlebt und beaufsichtigt, wie die Deutsche Bank zu einem Schatten ihrer selbst wurde. Alte Fußball-Regel: Es bringt nichts, immer nur den Trainer zu feuern.

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Als die Pfalz im Jahr 1829 in den bayerisch-württembergischen, beziehungsweise den preußisch-hessischen Zollverein eingegliedert und die bisherige Freihandelszone aufgehoben wurde, führte das zu massiven Problemen. In Bayern wurde Wein aus der Rheinpfalz, die damals zu Bayern gehörte, unerschwinglich teuer. Es mussten einfach zu viele Grenzen passiert werden. Zu oft langten die Zöllner zu. Es ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt: Zölle sind ganz großer Murks.

 

Trotzdem ist es en vogue, die Zugbrücken hochzuziehen. Die US-Regierung plant Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium. Die EU droht mit höheren Zöllen für Harley-Davidson-Motorräder. Was erst einmal vor allem europäische Männer in der Midlife-Crisis trifft, könnte der Beginn einer Zollspirale sein. Strafzölle auf Import-Autos stehen in den USA im Raum. Denkbar ist auch, dass Trump die heimische Computerbranche vor billiger Fernost-Ware schützen möchte, falls sich das Silicon Valley mit ihm gut stellt.

 

Natürlich – und hier nähern sich alle der (Handels-)Kriegsrhetorik  – wetzen auch die anderen Seiten ihre Säbel. China wird Zölle auf Stahl nicht hinnehmen, sodass sich die perfekte Mischung ergibt, die eine Rezession auslösen kann. Die Unternehmen wissen das. Eine Umfrage der American Chamber Of Commerce (AmCham) unter deutschen und US-amerikanischen Firmen hat ergeben, dass eine satte Mehrheit nicht an den Nutzen von Strafzöllen glaubt. Auch befürchtet eine ebenso satte Mehrheit einen Handelskrieg.

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Klar ist: Erst einmal werden Aluminium und Stahl in den USA teurer. Schließlich fällt die preisdrückende Konkurrenz weg. Alle, die etwas mit Stahl und Aluminium bauen, müssen tiefer in die Tasche greifen. Damit werden Autos, Flugzeuge, Maschinen teurer. Unternehmen werden ihre Investitionen auf die lange Bank schieben; Verbraucher werden den Autokauf hinauszögern, so lange es eben geht.

 

Und in Europa? Wer sich jetzt nicht schützt, bekommt das Überangebot billigen Stahls geliefert, das in den USA keiner haben will. Das kostet Arbeitsplätze. Und schon heißt es: Aufschwung adé. Vielleicht ziehen auch die Europäer die Zugbrücke hoch, um ihre Stahlkocher zu schützen. Alle schmoren dann im eigenen Saft, und die Erfolge einer langen Ära der Globalisierung (die auch Kehrseiten hat, ich weiß) ist im Schornstein.

 

An den Finanzmärkten hat man es kapiert. Deshalb gibt es diese Rücksetzer und nicht etwa wegen dieser vorgeschobenen Zinsdiskussion. Hier platzt die Trump-Blase. Die überhöhten Erwartungen der Wirtschaft an den US-Präsidenten werden sich nicht erfüllen. Für Wirtschaft und Börse bedeutet dies, dass der Aufenthalt in der Goldilocks-Zone endet. Ein bisschen höhere Zinsen spielen da überhaupt keine Rolle.

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Jetzt ist die Steuerreform in den USA so gut wie durch. Und während US-Präsident Donald Trump als „Weihnachtsmann“ feiern lässt, reagiert die Börse weit weniger euphorisch, als zuvor angenommen.

Ein Wahlversprechen ist eingelöst. Unternehmen können sich in den kommenden Monaten über große Steuerersparnisse freuen. Damit hat Donald Trump geliefert. Das erste Mal übrigens. Alle anderen Vorhaben hängen entweder in der Pipeline oder es wurde ihnen richterlich oder parlamentarisch der Garaus gemacht.

Die Bilanz ist aus Sicht des Weißen Hauses verheerend, und würde der Blick auf das Erreichte nicht durch eine wohl ausgeprägte Wahrnehmungsstörung verklärt werden, würde sich das Eigenlob wohl in Grenzen halten. Dass nicht alles, beziehungsweise so gut wie gar nichts geklappt hat, ist auf der anderen Seite ganz gut. So gibt es keine Mauer zu Mexiko, keine Strafzölle und keine Abstriche bei Obamacare.

Nun also die Steuerreform. Unternehmenssteuern sinken auf 21 Prozent. Unternehmen, die ihr Geld im Ausland  geparkt haben, wird die Einfuhr durch Steuerrabatte versüßt. Auch die US-Bürger sollen entlastet werden. Steuerexperten haben aber vorgerechnet, dass die Entlastungen vor allem den Gutverdienenden und den Wohlhabenden zugutekommen. Unter- und Mittelschicht zahlen mittelfristig drauf, heißt es.

Die US-Politik setzt aber auf den Trickle-down-Effekt.  Sind  das Wirtschaftswachstum robust und Wohlstand der Reichen unangetastet, sollen Konsum und Investitionen der Theorie nach auch  zu den weniger Wohlhabenden durchsickern. Allerdings dauert das offensichtlich seine Zeit. Denn in den vergangenen Jahrzehnten ist wenig geschehen, auch nicht nach den Wohltaten der „Reaganomics“. So gesehen ist Trump nicht der Weihnachtsmann, sondern ein Robin Hood am Gegenteil-Tag, ein Sheriff von Nothingham.

Auf der anderen Seite liegen die Risiken auf der Hand. Wenn die Wirtschaft nicht anspringt wie erhofft, schießen die Kosten für die Steuerreform ins Kraut. In zehn Jahren könne sich das Defizit im US-Haushalt um bis zu 1.500 Milliarden Dollar erhöhen, rechnen Steuerexperten vor.

Damit könnten sich die Probleme eher vergrößern. Das sieht man auch an der Debatte um den drohenden Shutdown der US-Verwaltung. Wenn kein Haushalt unter Dach und Fach gebracht wird, wenn die Schuldenobergrenze nicht angehoben wird, dann droht der Stillstand. Parks und Museen müssen schließen, Lehrer bekommen kein Gehalt. Mal wieder.

Ein Jahr lang haben die Finanzmärkte mehr als nur wohlwollend Trump begleitet. Gut möglich, dass diese Rally bald ihr Verfallsdatum erreicht.

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“Maybe October”, hatte Mario Draghi im vergangenen September versprochen. Der EZB-Chef hat Wort gehalten. Die Zinswende ist ein Stück greifbarer geworden. Die Europäische Zentralbank wird das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe halbieren. Das heißt natürlich nicht, dass damit das Ruder komplett herumgerissen wird. Auf signifikant höhere Zinsen werden Verbraucher noch lange warten müssen.

 

Seit März 2015 hat die EZB das gemacht, was vorher schon die US-Notenbank Fed, die Bank of Japan, die Bank of England und viele andere gemacht haben. Sie hat im Kampf gegen die Krise Geld gedruckt und davon Anleihen von Unternehmen und Staaten gekauft. Das ist ein massiver und hoch umstrittener Eingriff in den Markt, der aber die Zinsen drückt. Verbraucher und Firmen bekamen den Zugang zu günstigen Krediten. Das bedeutet, sie konnten mehr konsumieren und investieren.

 

Der Plan der EZB ist aufgegangen. In Deutschland brummen die Geschäfte. Auch die krisengeschüttelten Staaten des Euroraums haben sich – zumindest zum Teil – wieder erholt. Die Finanzbranche ist dem Kollaps entkommen. Und ohne Nullzinspolitik und Anleiheaufkaufprogramm der EZB wäre die „Schwarze Null“ im deutschen Haushalt wahrscheinlich gar nicht, zumindest aber nur unter größeren Schmerzen erreicht worden.

 

Also, alles richtig gemacht, EZB? Ja und nein. Zum einen vergessen die Deutschen gern, dass die Europäische Zentralbank keine Politik für deutsche Befindlichkeiten macht. Zum anderen befindet sich eben nicht nur Deutschland auf dem Wachstumspfad. Lediglich einige Banken wackeln, doch sind deren Probleme nicht von Pappe.

 

Insgesamt aber sind höhere Zinsen schon lange drin.  Die EZB zögert noch, eine konsequente Wende zu fahren, weil sie – wie alle Notenbanken – auf Terra incognita manövriert. Auf der anderen Seite müssen wieder ein paar Pfeile in den Köcher. Dementsprechend hält sich die EZB ja auch das Türchen offen, zur Not das Programm weiter zu verlängern und sogar wieder auszuweiten.

 

Aber auch so bleiben die Probleme bestehen. Bis September wird der Anleiheberg der EZB  so oder so auf 2550 Milliarden Euro anwachsen. Diesen nicht mehr weiter aufzubauen oder gar abzutragen, wird Jahre dauern. Über steigende Leitzinsen wird die EZB ohnehin nicht vor 2019 nachdenken.

 

Das ist auch der Grund, warum der Dax neue Rekorde markiert und der Euro fällt. Für Aktien bleibt es die beste aller Welten. Der Euro wird angesichts weiter niedriger Zinsen nicht eben attraktiver. Die jüngste Sitzung der EZB hat gezeigt, dass es Draghi mit seinem Credo “Whatever it takes” immer noch ernst nimmt. Draghi wird alles unternehmen, um das Eurosystem zu bewahren. Der erste Schritt in Richtung Zinswende kann schnell auch wieder zurückgegangen werden. Brexit, Katalonien und viele andere Faktoren machen das denkbar.

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Die Dinos

22.09.2017 16:09 | Stefan Wolff

Es ist ein Versprecher der schöneren Art, den sich VW-Chef Müller vor kurzem im ZDF geleistet hat. Auf die Frage, warum VW erst jetzt – zwei Jahre nach Bekanntwerden der Diesel-Affäre – seine Elektro-Offensive gestartet hat, antwortete Müller, man habe “die zwei Jahre zur Selbstbedienung, äääh Selbstbesinnung” benötigt. Der Interview-Schnipsel ist zum Internet-Hit avanciert. “Freudscher Versprecher” gehört noch zu den wohlmeinendsten Urteilen.

 

So gesehen ist es ganz gut, dass die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) nun endet, auf der sich die Verursacher des Abgas-Skandals als Pioniere der Elektrifizierung feiern lassen und dabei hoffen, es werde schon keiner merken. Die Autobranche – das zeigte sich in Frankfurt deutlich – steckt einem dramatischen Wandel. Befeuert durch die eigenen Abgasbetrügereien drohen die klassischen Hersteller von diesem Wandel ebenso überfahren zu werden, wie die Energieversorger von dem Atom-Aus vor sechs Jahren. Drohende Fahrverbote in den Städten und E-Autoquoten in vielen Ländern erhöhen den Druck.

 

Die Hersteller versuchen den schwierigen Spagat und verkaufen Science Fiction neben den altbekannten PS-Boliden. Umweltschutz bleibt ein Lippenbekenntnis. Eigentlich hatte die Autoindustrie versprochen, seit dem 1. September nur noch Wagen neu auf den Markt zu bringen, die die Abgasnorm Euro 6d erfüllen. Bislang ist aber keine einzige solche Typzulassung beantragt worden. Das geht aus einer Bundestagsanfrage hervor.

 

Viele Hersteller hatten auf die Nabelschau in Frankfurt keine Lust. Modelle von Fiat-Chrysler suchten die Besucher ebenso vergeblich, wie die von Volvo, Mitsubishi, Peugeot-Citroen,  Nissan, Cadillac, Chevrolet, Aston-Martin und Rolls-Royce. Auch Elektro-Pionier Tesla zog es nicht an den Main.

 

Die Gründe für die Absagen waren vielfältig. Volvo und Mitsubishi sehen ihre Kundschaft eher beim Genfer Automobilsalon. Nissan tummelte sich lieber auf der Computermesse Cebit. Und Tesla hat eigenem Bekunden nach mit Branchentreffen nichts am Hut. Man sehe sich nicht als klassischer Autohersteller. Im Gegenzug waren immerhin die Internetriesen Facebook und Google auf der IAA vertreten. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen , dass die Leitmesse IAA ihre Zugkraft verloren hat.

 

An den Aktienmärkten waren Autoaktien zuletzt gefragt. Immer wieder ist davon die Rede, dass auch auf lange Sicht BMW, Daimler und VW nichts geschehen werde, da die Branche “systemrelevant” sei – angelehnt an die Banken während der Finanzkrise. Dennoch wird der Wandel zur Elektromobilität auch an den Finanzmärkten keinen Stein auf dem anderen lassen.

 

Zwar liegt der Anteil der Autos mit alternativen Antrieben an den Neuzulassungen in der EU derzeit noch bei knapp über fünf Prozent, doch wird dieser steigen. Weltweit haben Regierungen das Ende von Dieseln und Benzinern eingeläutet. Oder zumindest den Übergang zu anderen Antrieben beschlossen. Da deutsche Autohersteller weltweit aktiv sind, würde ihnen ein staatlich verordnetes Verbrennungsmotor-Reservat in Deutschland auch nicht weiterhelfen. Wer systemrelevant bleiben will, muss sich anpassen, auch wenn derzeit noch viel gegen das Elektroauto spricht.

 

Das Tückische an Elektroautos ist, dass diese mit weniger Personal zu bauen sind, als die klassischen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Das wird nicht nur die Hersteller selbst vor  große Aufgaben stellen, sondern vor allem auch Zulieferer mit einem hohen Anteil an Motorenkomponenten. Wer hier nicht jetzt den Wandel anstößt, droht zu einem Dino zu werden.

 

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Das Notenbanktreffen in Jackson Hole, einem ansonsten verschnarchten Nest im US-Bundesstaat Wyoming, sorgt regelmäßig für Gesprächsstoff. Oft wird vor dem Treffen an den Märkten mehr Schaum geschlagen, als man hinterher gebrauchen kann. Auch dieses Mal war das so. Und trotzdem hatte das Treffen einiges zu bieten.

 

Wenn sich Notenbanker zur Tagespolitik äußern, dann geschieht das meist auf dezente Art und Weise. So gesehen kann man die Reden von EZB-Chef Mario Draghi und US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen vom Wochenende als klare Kampfansage in Richtung Weißes Haus interpretieren. So kritisierte Draghi die zunehmenden protektionistischen Tendenzen in vielen Ländern. Angesichts neuer Vorstöße in Richtung Mauerbau an der Grenze zu Mexiko ist dies eine klare Kritik an Donald Trump.

 

Der US-Präsident hatte erst vor kurzem damit gedroht, die Regierung lahmzulegen, falls nicht die Mittel für den Bau der Grenzbefestigung zu Mexiko bewilligt würden. Dieser “Government Shutdown” ist eigentlich ein Druckmittel, mit dem die Opposition der Regierung die Daumenschrauben anlegt. Somit zeigt die Drohung, wie zerrüttet das Verhältnis der Republikaner zu ihrem Präsidenten ist.

 

Trump will die Mauer um jeden Preis. Sie wird das Monument eines eingehaltenen Wahlversprechens sein – vermutlich des einzigen gehaltenen Wahlversprechens. Dabei scheint längst widerlegt, dass eine Volkswirtschaft besser gestellt ist, wenn sich ein Land ausschließlich um sich selbst dreht. Europa blickt jedenfalls mit Sorge auf diese Entwicklung, weil die nordamerikanische Freihandelszone Nafta neu verhandelt werden soll.

 

Für Deutschland steht besonders viel auf dem Spiel. Mexiko ist eine Art Drehkreuz für deutsche Exporteure. 1.900 Firmen sind vor Ort aktiv. Das niedrige Lohngefüge dort ist ebenso wichtig, wie die zwölf Handelsabkommen, die Mexiko mit 46 Ländern abgeschlossen hat.

 

Um Protektionismus ginge es Janet Yellen nur am Rande. Sie kritisierte die Steuerpläne Trumps und warnte davor, die Banken zu deregulieren. In Zeiten niedriger Zinsen sei weniger Kontrolle umso gefährlicher, sagt die Notenbankchefin, die nun umso mehr um ihren Job bangen darf.

 

Dabei hat Yellen zurecht darauf hingewiesen, dass die 2010 vorgenommenen Regulierungen weder das Wirtschaftswachstum noch die Versorgung mit Liquidität gebremst hätten. Die große Sorge ist, das entfesselte Finanzmärkte – wie im Jahr 2008 – eine erneute Krise auslösen könnten. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler hatte seinerzeit mit der Aussage: “Das Monster ist von der Kette” ein Zitat der Krise geprägt.

 

Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn könnte im kommenden März nach Ablauf der Amtszeit Yellens die Geschäfte in der Fed übernehmen. Sollte das Amt nicht den Mann formen, wie das ja auch bei Trump nicht der Fall gewesen ist, droht eine Geldpolitik nach Gutsherrenart. So langsam entwickelt sich das Weiße Haus zu einer Gefahr für die Märkte.

 

Zum Ende der Krise in den “Nuller” Jahren war es der Kardinalfehler des ehemaligen Fed-Chefs Alan Greenspan gewesen, viel zu spät und dann zu schnell die Zinsen wieder angehoben zu haben. Ähnliches könnte sich nun ereignen, falls unangebracht niedrige Zinsen auf wieder deregulierte Banken treffen sollten.

 

Schade nur, dass weder Yellen noch Draghi sich zu ihrer eigenen Strategie äußerten. Denn darauf hatten die Beobachter am meisten gehofft. Doch weder Janet Yellen noch Mario Draghi griffen die Gelegenheit beim Schopf, ihren zukünftigen geldpolitischen Kurs zu skizzieren. Dabei wollen die Anleger vornehmlich wissen, wie denn nun der Ausstieg der EZB aus der Politik des billigen Geldes gestaltet werden soll.

 

Nun setzen die Märkte auf die kommende EZB-Sitzung am 7. September. Dann soll Mario Draghi erklären, wann das Anleiheaufkaufprogramm zurückgefahren wird. Dabei ist noch gar nicht abgemacht, ob dies in der aktuellen Situation überhaupt der Fall sein wird. Die Kursentwicklungen  bei italienischen Anleihen lassen Probleme erahnen. Die Zweifel, dass Italien von seinem Schuldenberg runterkommen kann, werden lauter.

 

Es kann passieren, dass ausgerechnet Italien den Zinswendeplänen der EZB einen Strich durch die Rechnung macht. Und dass das ausgerechnet den Italiener Draghi ausbremsen könnte, dürfte dann für viel Diskussion sorgen.

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