“Ich sehe mehr zinslose Risiken als risikolose Zinsen.” Ein Bonmot von Martin Blessing bringt das ganze Dilemma auf den Punkt. Geäußert hat sich der Commerzbank-Chef auf einer Bundesbank-Tagung, als ausgerechnet die Profitabilität europäischer Banken kritisiert wurde.

 

Klassisches Bankgeschäft lebt von einer Marge, von dem Unterschied zwischen Kreditzinsen (was Banken kassieren) und den Guthabenzinsen (was Banken zahlen). Natürlich kommen noch Gebühren und Provisionen dazu aber im Grunde genommen ist es das, außer es kommen Investmentbanking oder kriminelle Energie ins Spiel. Oder beides.

 

Wo soll es also herkommen? Anleger (auch Banken und Versicherer), die auf Sicherheit setzen, zahlen drauf. 70 Prozent aller Bundesanleihen werfen negative Renditen ab, hat die DZ Bank ausgerechnet. Dass sich diese Situation eher noch verschärfen als entspannen wird, liegt auf der Hand. EZB-Chef Mario Draghi hält an seinem Kurs fest. Er glaubt immer noch, mit Anleihekäufen Inflation erzeugen zu können. Wenn in einem Jahr die Rohölpreise deutlich höher sein sollten als jetzt und die Inflationsrate über einem Prozent liegen sollte, wird er das EZB-Programm sicher dafür preisen.

 

Bei der US-Notenbank läuft es nicht in Sachen Zinswende. Die Renditen für US-Anleihen sind auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten gefallen. Alle Zeichen stehen auf Negativzins. Japans Notenbank ist inzwischen dem Beispiel der EZB gefolgt. Wer sein Geld bei der Zentralbank parkt, muss Parkgebühren zahlen. Die Kreditvergabe soll so angekurbelt werden. Doch halten die Währungshüter die Unternehmen wirklich für so naiv, dass sie Kredite abschließen, nur weil die Kosten um 0,3 Prozentpunkte günstiger sind als vor einer Woche? Die Auftragslage und die allgemeine Stimmung in der Wirtschaft dürften da ausschlaggebender sein.

 

Mit Blick auf die Banken ist es eine Frage der Zeit, wann der negative Zins auf die Kunden übertragen wird. Natürlich wird auf dem Tagesgeldkonto bei den Konditionen nicht “-0,5 Prozent” stehen .Aber es steht zu erwarten, dass Dienstleistungen in Zukunft mit höheren Gebühren vergolten werden müssen. Die ökologisch-sozial wirtschaftende GLS-Bank beispielsweise will einen “Grundsolidarbeitrag” einführen, eine monatlich zu entrichtende Gebühr. Die Kunden sollen ganz angetan von der Idee sein.

 

Ein bisschen merkwürdig ist es schon, wenn in einem auf Zinsen basierenden Finanzsystem die Zinsen abgeschafft werden. Im Grunde genommen stellen die Hüter des Systems das System in Frage.  Diese Einsicht hat sich auch an den Finanzmärkten Raum gegriffen. Der Kursrutsch der vergangenen Wochen zeigt deutlich, dass die Notenbanken ihren Zauber verloren haben. Der Glauben, die EZB werde es schon richten, ist jedenfalls deutlich weniger geworden. Die Kursfeuerwerke verhallten nach jedem “all it may take” Draghis schneller.

 

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Der Ölpreis befindet sich im freien Fall. Am Freitag fiel auch Öl der Nordseesorte Brent unter 30 US-Dollar je Barrel. Das bedeutet, dass ein Liter Rohöl im Moment zu etwa 17 Euro-Cent gehandelt wird. Das ist weniger, als Discounter für einen Liter Sprudelwasser aufrufen.

 

Eine ganze Zeit galt der billige Ölpreis als willkommenes Konjunkturprogramm. Billiges Öl kurbelt die Wirtschaft an, so der Leitsatz.  Der gilt aber nur für jene, die Öl verbrauchen. Mit ziemlicher Wucht treten nun die Risiken und Nebenwirkungen zutage. Russland ist da nur ein Beispiel. Das Land, dessen Staatshaushalt etwa zur Hälfte von Öl und Gas abhängt, sieht sich selbst am Rande des Bankrotts. Zumindest sieht Ministerpräsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew die Gefahr.

 

Auch Saudi Arabien leidet. Das Land muss im zweiten Jahr in Folge ein Staatsdefizit verkraften. Im Haushalt fehlen 100 Milliarden US-Dollar. Bei den aktuellen Ölpreisen würden die Rücklagen etwa fünf Jahre reichen, schätzen Experten. Die Bewohner des Königreichs müssen sich wohl auf höhere Steuern und gestrichene Subventionen einrichten.

 

Wenn Verbraucher nun (zu Recht) sagen, dass sich ihr Mitleid mit russischen Oligarchen und reichen Scheichs eher in Grenzen hält, ist das klar. Tanken macht Spaß. Die Wohnung ist schön warm, und es bleibt immer noch Geld übrig. Doch die Nachteile des billigen Öls greifen sich auch hierzulande Raum.

So haben die niedrigen Spritpreise den Ehrgeiz der Autohersteller erlahmen lassen, so schnell wie möglich so viel E-Autos wie möglich auf die Straße zu bringen. Auto-Analysten berichten sogar, die Forschung sei zu einem Feigenblatt verkommen. Wozu auch mehr, wenn doch SUVs weggehen wie warme Semmeln? Von den 3,2 Millionen neu zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland hatten gerade mal knapp 12.400 einen Elektromotor.

 

Nicht nur bei den Autos werden die Nachteile des billigen Öls sichtbar. Eigentlich müsste sich alle Welt für die Zeit nach dem Öl bereit machen, doch davon ist wenig zu spüren. Besonders hart trifft das ausgerechnet jene Unternehmen, die Öl fördern und transportieren. der niedrige Preis hat die Gewinne schrumpfen lassen. Investitionen wurden heruntergefahren, das heißt: Die Anstrengungen, neue Quellen zu erschließen, liegen brach.

 

Die Suche nach Alternativen ist ins Stocken geraten. Immer mehr Forschungsprojekte werden auf Eis gelegt oder gleich ganz aufgegeben, wie zum Beispiel ein vielversprechendes Vorhaben aus Pappeln Sprit zu gewinnen. Kurz vor der Marktreife zog sich die US-Regierung aus den Aktivitäten zurück.

 

Wenigstens haben Unternehmen, die viel Öl verbrauchen, wegen des niedrigen Preises Geld zur Verfügung, um sich für die Zukunft zu wappnen. Auch Landwirte profitieren. Sie können günstiger Lebensmittel produzieren. Und mehr davon, denn so lange Öl so billig ist, ist es unlukrativ, Mais zu Sprit zu verarbeiten oder mit Weizen zu heizen. Mit Blick auf das Fracking leistet billiges Öl sogar einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz. Es lohnt sich schlicht nicht, Gesteinsschichten aufzubrechen und das Schwarze Gold mit Hilfe von Chemikalien ans Tageslicht zu spülen.
Doch für einen langfristigen Wandel zum Beispiel der Landwirtschaft, wird der Ölpreis nicht lange genug niedrig sein. Wenn die Nachfrage wieder anziehen sollte oder alte Quellen versiegen, dann kann Öl in der aktuellen Situation sehr schnell knapp werden. Auch wenn es im Moment überhaupt nicht danach aussieht, könnte die aktuelle Situation einen Preisschock auslösen.

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So hatten sich die Anleger den ersten Börsentag des Jahres 2016 sicher nicht vorgestellt. Der Jahresauftakt ist verkorkst. Die Diskussionen, inwieweit das ein schlechtes Omen für das Gesamtjahr ist, schallen durch die Redaktionen und Chatrooms.

 

Überraschend ist die Wucht, mit der sich die Sorgen um die Wirtschaft Chinas zurück gemeldet haben. Schließlich kommt die Wachstumsschwäche alles andere als überraschend. Der Umbau der chinesischen Wirtschaft von einer billigen verlängerten Werkbank des Westens zu einem Hightech-Standort ist gewollt. China will sich so von seiner Abhängigkeit von der Welt lösen. Dienstleistung und Konsum sollen eine kaufkräftige Mittelschicht herausbilden.

 

Der Umbau verläuft allerdings sehr viel holperiger als erwartet. Das Wachstumsziel von sieben Prozent für 2015 ist deutlich verfehlt worden. Experten taxieren das Plus beim Bruttoinlandsprodukt auf nur noch 6,8 Prozent, Tendenz schrumpfend. Doch selbst diese Zahl ist höchstwahrscheinlich geschönt. In diesem Jahr wird das Reich der Mitte ganz sicher mit weiteren Hiobsbotschaften aufwarten.

 

Vor allem die Industrie schwächelt. Weniger Investitionen bedeuten auch, dass die Ausrüster – unter ihnen viele deutsche Maschinen- und Anlagenbauer – kleinere Brötchen werden backen müssen. Der Branchenverband VDMA rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang der China-Geschäfte um fünf Prozent.

 

Jede Medaille hat jedoch zwei Seiten. China verfügt nämlich immer noch über einen stark wachsenden Dienstleistungssektor und stetig steigenden Konsum. Die vom Sportartikelhersteller Adidas gerade angehobenen Prognosen scheinen die Einschätzung zu bestätigen, dass hier einige Möglichkeiten schlummern, die auch der Autoindustrie nützen dürften.

 

Außerdem haben es deutsche Exporteure verstanden, sich nicht zu abhängig von einem Markt zu machen. China ist zwar Deutschlands viertwichtigster Handelspartner nach Frankreich, den USA und Großbritannien, doch kommt den Exporteuren die gerade wieder erstarkende US-Wirtschaft sehr zupass. Gepaart mit einem starken Dollar ist das ein angenehmes Trostpflaster.

 

Tröstlich aus Sicht der Unternehmen ist auch, dass Börse und Wirtschaft in China weniger gemein haben als hierzulande. Dem Einbruch im vergangenen Sommer war ein Kursfeuerwerk vorausgegangen, das Chinas Regierung mit allen Mitteln hatte fortsetzen wollen. Jetzt, da die ausgesprochenen Verkaufsverbote wohl auslaufen, bringen Kleinanleger ihre Schäfchen ins Trockene, bevor sie noch billiger verkaufen müssen. Das führt zu Verwerfungen. Schwache Wirtschaftsdaten sind da eher ein Auslöser für einen Druck, der sich sowieso ein Ventil gesucht hätte.

 

Und trotzdem bleiben natürlich Unsicherheiten. Wenn Chinas Börsen niesen, kann Asien eine Grippe bekommen. Ansteckungsgefahren sind da nicht ausgeschlossen. Vier Jahre in Folge sind die Aktienmärkte glänzend gelaufen. Der Dax hat in diesem Zeitraum 82 Prozent zugelegt. Doch jede Rally endet irgendwann einmal und so sind viele Analysten und Volkswirte schon vor dem China-Crash auf eine vorsichtigere Linie eingeschwenkt und das aus gutem Grund. Zwar dürfte die lockere Geldpolitik der EZB auch weiter Aktien als Geldanlage ins Rampenlicht stellen, doch die Unsicherheiten wachsen.

 

Auch wenn alle Welt von der “Zinswende” gesprochen hat: Steigende Zinsen in den USA werden die Hausse nicht stoppen. Die US-Notenbank verschafft sich mit ihren Schritten nur ein neues Polster, um im Ernstfall die Zinsen wieder senken zu können. Außerdem hat die Fed in einem Wahljahr noch nie an den Zinsen gedreht.

 

Auch die Wirtschaft läuft weiter recht rund. Die Unternehmen sind vorsichtig optimistisch. Es sind vor allem die politischen Unsicherheiten, die aus heutiger Sicht das Jahr prägen werden. Europa droht auseinanderzufallen. Rechtspopulistische Regierungen gefährden die Existenz eines einheitlichen Wirtschaftsraums. Wiederbelebte Grenzen könnten den freien Handel bremsen. Über allem schwebt die Furcht vor dem Brexit. Sollte sich Großbritannien tatsächlich für einen Austritt aus der EU entscheiden, würde das die Gemeinschaft in ihren Grundfesten erschüttern. Hinzu kommt die wachsende Skepsis gegenüber dem Euro in immer mehr Mitgliedsstaaten.

 

Mit China hat sich ein alter Bekannter unverhofft gemeldet. Das macht neue Höchststände für den Dax in der ersten Jahreshälfte unwahrscheinlicher, aber nicht unmöglich. Richtig problematisch wird es nach der Sommerpause.

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Das Inflatiönchen

14.12.2015 18:12 | Stefan Wolff

Vor dem Plätzchenbacken kommt der Schock. Kokosraspeln, süße Mandeln und andere Zutaten sind um 40 Prozent teurer als vor einem Jahr. Kürbisse und Kartoffeln kosten bis zu 27 Prozent mehr, und wer zu dieser Jahreszeit unbedingt Erdbeeren essen möchte, muss dafür ein Viertel mehr bezahlen als im November 2014. Die Inflationsrate liegt aber nur bei 0,4 Prozent.

 

Wer täglich einkauft, weiß es: Das Leben wird teurer, und das ist auch der Grund, warum die meisten Verbraucher der offiziellen Inflationsrate nicht trauen. Sie kennen die Preise im Supermarkt. Für das tägliche Leben fällt es ja auch nicht allzu stark ins Gewicht, dass Fernseher billiger geworden sind. Mit etwas Glück hält so ein Gerät zehn Jahre und länger.

 

Preise werden nur wahrgenommen, wenn sie auch zur eigenen Lebenswirklichkeit gehören. Der größte Posten im privaten Budget stellt die Miete dar. Der leichte Anstieg um durchschnittlich 1,1 Prozent dürfte ebenfalls stärker ins Gewicht fallen als die etwas billigeren Pauschalreisen. Kurzum: Den Anstieg der Teuerungsrate auf 0,4 Prozent wird wohl niemand so richtig nachvollziehen können. Da können sich die Volkswirte noch so sehr die Köpfe heiß reden.

 

Immerhin bleibt die Entlastung auf der Energieseite. Tanken ist günstiger als vor Jahresfrist. Die Wohnung kann günstiger geheizt werden. Auch dürften die Nebenkostenabrechnungen unterm Strich angenehm ausfallen. Das alles entlastet die Haushaltskasse, schafft Platz für Vorsorge und Konsum. Auch wenn Klimaschützer klagen, die Preise würden die Energiewende behindern: Es ist eine gute Nachricht.

 

Der Ölpreis befindet sich im freien Fall. Verantwortlich dafür ist die Opec. Sie fördert Öl, das niemand haben will. In absehbarer Zeit wird sogar mehr Öl fließen. Der Iran will nämlich mit dem Ende der Sanktionen im kommenden Jahr wieder jede Menge Öl verkaufen. Auch der Irak plant den Ausbau seiner Kapazitäten. Und Indonesien tritt dem Kartell nach neun Jahren Pause wieder bei. Das bedeutet, dass innerhalb des Kartells das Angebot deutlich angehoben wird.

 

Aus diesem Grund wirbt der Iran massiv für eine Förderkürzung. Die anderen Mitglieder sollen Platz schaffen für das Angebot des Iran. Das allerdings liegt nicht im Interesse Saudi Arabiens. Die beiden Nationen sind sich spinnefeind. Ein niedriger Ölpreis schadet dem Iran.

 

Ein zu niedriger Ölpreis schadet aber auch Saudi-Arabien. Das Königreich braucht seine Einnahmen, um die Untertanen des Königreichs mit niedrigen Steuern und Subventionen bei Laune zu halten.

 

Öl ist eine Waffe, auch wenn Förderländer wie Venezuela sich herzlich wenig für die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Irak interessieren dürften. Aus Sicht der Opec sitzt der größte Feind auch nicht an ihrem Tisch. Es sind die nordamerikanischen Ölsandförderer und Fracker. Fracking lohnt sich nur bei einem teuren Ölpreis. Auch deshalb soll Öl lange billig bleiben.

 

Gerade angesichts des schwachen Euro ist der niedrige Ölpreis ein Segen. Er nutzt energieintensiv produzierenden Unternehmen und ermöglicht Verbrauchern mehr Konsum, was sich positiv auf die deutsche Wirtschaft auswirken wird. Dieser Tage veröffentlichen viele Volkswirte ihre Prognosen für das kommende Jahr. In einem Punkt dürften sich die meisten davon jetzt schon erledigt haben. Es ist weit und breit unterm Strich nur ein Inflatiönchen zu sehen.

 

Und ja – langfristig hat der Anfang vom Ende des Ölzeitalters begonnen. Die Beschlüsse der Klimakonferenz lassen keinen anderen Schluss zu. Verbraucher sollten das beachten und das nicht nur, wenn sie sich eine neue Heizung anschaffen wollen. Viele Unternehmen und Staaten brauchen ein neues Geschäftsmodell. Das wird auch an den Aktienmärkten nicht spurlos vorbei gehen.

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Was wollt Ihr noch?

04.12.2015 11:12 | Stefan Wolff

Mario Draghi hält an seiner ultralockeren Geldpolitik fest. Das Anleiheprogramm wird verlängert. Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, werden zukünftig noch härter bestraft. Und die Märkte? Reagieren enttäuscht. Auf der EZB-Pressekonferenz hat sich ein Kollege sogar soweit verstiegen, Draghi vorzuwerfen, er habe die Erwartungen nicht erfüllt. Was darf es denn noch sein fürs Vollkasko-Banking und -Börsern?

Natürlich. Der Einlagenzins hätte auch auf -0,4 Prozent sinken können. Oder auf -0,5 Prozent. Dann wären die Erwartungen über-erfüllt worden. Natürlich könnte die EZB von morgen Anleihen im Wert von 80 Milliarden Euro pro Monat kaufen. Oder 100 Milliarden oder 500 Milliarden. Sie könnte Unternehmensanleihen kaufen. Oder gleich Aktien, Öl und Gold.

Dann wären bestimmt alle happy. Dax 15.000. The sky is the limit. Die Märkte haben sich daran gewöhnt, dass es keinerlei Risiken gibt. Ein Ende der Niedrigzinspolitik bedeutet die Rückkehr der Risiken. Wenn die Geldpolitik nicht immer mehr gelockert wird, führen Gewöhnungseffekte zur Erkenntnis, dass Risiken möglich sind.

Die Reaktionen auf die jüngste EZB-Sitzung zeigen deutlich, dass die Akteure an den Finanzmärkten eine Vollkaskoversicherung wollen. Die Gewinne sollen von allein kommen, und wenn es schief läuft, rettet der Staat. Das kann nicht ewig gut gehen. Wer auf Dauer versucht, Marktmechanismen zu beeinflussen, wird irgendwann ein deftiges Echo bekommen.

An ihrem Inflationsziel beißt sich die EZB schon jetzt die Zähne aus. Sie kann sich nicht eingestehen, nicht mehr Herrin über die Teuerungsrate zu sein. In der Fachwelt spricht man vom “Transmissionsmechanismus”, wenn sich geldpolitische Maßnahmen auf die Wirtschaft auswirken. Dass dieser nicht funktioniert, stellt die Währungshüter vor ein Rätsel, auch wenn die Teuerung momentan natürlich von den gefallenen Energiepreisen bestimmt wird.

Dabei ist die niedrige Inflationsrate zu einem Stück auch das Werk der Euro-Retter. Die Reformmaßnahmen in vielen Ländern haben Löhne, Renten, Investitionen und Konsum schrumpfen oder zumindest stagnieren lassen. Das ist kein Nährboden für Inflation.

Langfristig jedoch ist die Teuerungsrate immer angesprungen, wenn mehr Geld in den Kreislauf gepumpt wurde. Das kann auch dieses Mal passieren – ganz unverhofft. Schnell werden sich dann die Währungshüter ihr Inflationsziel von oben anschauen und große Schwierigkeiten damit haben, ihre Maßnahmen zurückzuschrauben, ohne die Märkte und die Wirtschaft allzu sehr zu schocken. Vielleicht wird dann deutlich, dass die Politik der offenen Schleusen zu viel des Guten gewesen ist.

Als in der Finanzkrise die Nacht am dunkelsten gewesen ist, hat die EZB genau richtig gehandelt. Angesichts zaudernder Politiker erwies sie sich als Fels in der Brandung. Inzwischen ist sie zum Anhängsel des Marktes geworden. Draghi wurde als “Nikolaus” bezeichnet, der “Geschenke” bringen sollte. Wenn das die Aufgabe einer Zentralbank ist, dann wackelt der Schwanz mit dem Hund.

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Fast ungebremst marschiert der Euro auf die Parität zum US-Dollar zu. Doch wenn ein Euro einen Dollar kostet, dürfte die Reise noch lange nicht beendet sein.

Eine Währung im freien Fall. Experten gehen davon aus, dass der Euro erst einmal bis auf 80 US-Cent durchgereicht werden könnte. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hat den Boden dafür bereitet. Sie wird auch am kommenden Donnerstag dafür sorgen, dass sich daran nichts ändert.

Angeblich jubeln die Exporteure über dieses umfassende Konjunkturprogramm, doch das ist wie immer nur die halbe Wahrheit. Viele Produzenten sind ihren Märkten gefolgt. Sie stellen ihre Waren vor Ort her. Die Angestellten werden zumeist in der jeweiligen Landeswährung bezahlt. Zuhause wird in Euro bilanziert.

Viele Unternehmen kaufen Einzelteile aus dem Ausland ein, weil dort die Löhne günstiger sind. Gezahlt wird in der jeweiligen Landeswährung oder in US-Dollar. Sportartikelhersteller oder Bekleidungsketten lassen gleich ganz in Asien herstellen. Sie leiden unter einem billigen Euro.

Auch mit Krediten ist das so eine Sache. Gerade große Konzerne haben viele Geldquellen. Ein billiger Euro macht US-Kredite zu einem teuren Geschäft. Und er erschwert die Kalkulation. Auch Mittelständler haben diese Probleme. Viele Investitionen im Ausland können erst gar nicht über die Hausbank finanziert werden. Auslandskredite gehören zum Wachstum.

Last but not least leiden natürlich alle Unternehmen, die Rohstoffe importieren müssen. Öl, Kupfer oder Aluminium werden in Dollar gehandelt. Nicht auszudenken, was passieren würde, würden die Ölpreise spürbar anziehen. Ein Preisschock hätte das Zeug dazu, die deutsche Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen.

Und dem Verbraucher eine kalte Wohnung zu bescheren, denn dass ein billiger Euro nur jene treffe, die zum Weihnachtsshopping nach London oder New York jetten, ist natürlich ein Märchen. Steigende Energiepreise kommen in jedem Haushalt an. Eine lang anhaltende Euroschwäche würde auch die Preise für Unterhaltungselektronik und andere Waren, die vornehmlich aus Fernost kommen, verteuern.

Als der Euro das letzte Mal so schwach war wie heute, sahen Beobachter dies als Zeichen der Schwäche. Der Euro sei eine Weichwährung, hieß es damals. Der Wechselkurs spiegele nicht nur die wirtschaftliche Schwäche der Region (gemeint war vor allem Deutschland) sondern auch das tiefe Misstrauen der Devisenhändler dieser Welt in die Gemeinschaftswährung.

Was damals schlecht beleumundet war, gilt heute als eine Tugend. Dabei ist doch völlig klar, dass es selten eine gute Idee ist, mit einer weichen Währung die Wirtschaft ankurbeln zu wollen. Unternehmen müssen sich wettbewerbsfähig halten, um bestehen zu können. Das geht zwar auch über den Preis, ist aber nicht nachhaltig.

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Zeichen der Schwäche

13.11.2015 14:11 | Stefan Wolff

Die Börse hat derzeit ganz schön zu kämpfen. Nach einem goldenen Oktober zeichnet sich ein ziemlich trüber Herbst ab.

Langsam aber unaufhaltsam macht sich die lahmende Weltkonjunktur auch hierzulande bemerkbar. Im dritten Quartal wuchs Deutschlands Wirtschaft “nur” um 0,3 Prozent, nach 0,4 Prozent Wachstum im Vorquartal. Dabei zeichnet sich deutlich ab, wohin die Wirtschaft in den kommenden Wochen laufen wird.

 

Vor allem die nachlassende Dynamik in den Schwellenländern bereitet Sorge. Für deutsche Exporteure sind diese Wachstumsregionen zuletzt immer wichtiger geworden. Chinas Wachstum lässt nach, besonders rohstofflastige Märkte entwickeln sich ebenso weniger dynamisch als erhofft. Die Bestellungen aus Ländern außerhalb des Euroraums sind im vergangenen Quartal um 8,6 Prozent geschrumpft. Das wird nicht ohne Folgen für das deutsche Wirtschaftswachstum bleiben.

 

In Deutschland ist die Industrieproduktion überraschend geschrumpft. Der Rückgang um 1,1 Prozent im September dürfte keine Eintagsfliege bleiben. Die Auftragseingänge sind im September um 1,7 Prozent zurück gegangen. Hier deutet sich an, dass weitere Belastungsproben für das Wachstum folgen werden.

 

Neben den Exporten stellen die Unternehmensinvestitionen die zweite Achilles-Ferse der deutschen Wirtschaft. Unternehmen halten sich nach einem kurzen Hoch wieder merklich zurück. Die angespannte Lage in vielen Kundenländern lässt sie nur zögerlich in neue Maschinen und Anlagen investieren.

 

Einzig der Konsum bietet Lichtblicke. Die vielen – aus Arbeitnehmersicht – günstigen Tarifabschlüsse sorgen für mehr Geld in den Taschen. Die geringe Inflation mit niedrigen Sprit- und Heizpreisen trägt ebenfalls zur guten Laune der Verbraucher bei. Auch dieser (erfreuliche) Trend wird sich wohl fortsetzen, zumal der Staat als Konsument stärker auftreten wird. Die Flüchtlingskrise zwingt ihn dazu.

 

Innerhalb Europas läuft es dagegen gemischt. Spaniens Wirtschaft brummt dank der entschlossenen Reformen dort. Italien dagegen präsentiert sich schwach. Frankreich kann wieder ganz zaghaft auf den Wachstumspfad zurück kehren. Diese Entwicklung kann der europäischen Zentralbank nicht gefallen. Die Währungshüter wollen solides Wachstum und werden vermutlich falsche Schlüsse aus der aktuellen Situation ziehen.

 

Es spricht vieles dafür, dass der Einlagenzins weiterins Negative abgesenkt wird. Banken sollen so “gezwungen” werden, ihr Geld zu verleihen, statt es gegen Gebühr bei der EZB zu parken. Bislang war diese Maßnahme nur leidlich erfolgreich. Wenn die Kreditvergabe wieder angestiegen ist, dann liegt das vor allem daran, dass die Unternehmen wieder Mut gefasst haben. Die Lage der Weltwirtschaft gibt aber wenig Anlass dazu.
Aus Börsensicht wächst die Sorge vor einem Ungleichgewicht zwischen Aktienkursen und ökonomischer Realität. Sicher wird die Börse euphorisch auf weitere Lockerungsmaßnahmen reagieren. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass sich diese Begeisterung relativ schnell abnutzt.

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Die Welt ist schnelllebiger geworden. Skandale erledigen sich fast wie von allein. Schließlich verschwinden sie schnell aus den Schlagzeilen. Sie müssen Platz machen für neue Skandale. Und so gerät heute in Vergessenheit, was gestern noch für großes Hallo gesorgt hat. Der Prostituierten-Skandal bei VW, der Bestechungskandal bei Siemens, der Test-Skandal beim ADAC – alles Schnee von gestern.

VW wird morgen Schnee von gestern sein. Oder übermorgen. Noch aber beherrscht das Thema die Schlagzeilen. Der Skandal ist so bemerkenswert, dass sich Hollywood schon die Rechte an einem Buch über die Krise gesichert hat, das noch gar nicht geschrieben worden ist. Egal. Die Produktionsfirma von Leonardo di Caprio wird Diesel-Gate verfilmen. Ob di Caprio den Piech oder den Winterkorn spielt? Wir dürfen gespannt sein. In jedem Fall könnte er auf eine Motorhaube steigen und “Ich bin der König der Welt!” rufen. Dazu Wagner anstelle von Dion.

Anleger haben da ganz andere Probleme. VW-Aktien haben wegen des Diesel-Skandals gut ein Drittel ihres Wertes verloren. “Da muss doch was gehen”, denken viele und sind versucht, bei Volkswagen wieder einzusteigen. Doch wer jetzt auf einen Anstieg von VW setzt, geht alles andere als eine sichere Wette ein. Beispiele anderer Unternehmen zeigen, dass besondere Ereignisse für einzelne Börsenwerte nachhaltigen Schaden anrichten können, wenn das Gras, das über die Sache wächst, regelmäßig gemäht wird.

So haben Tsunami und Atomkatastrophe von Fukushima ein nachhaltiges Börsenbeben bei RWE und Eon ausgelöst. Die Unternehmen bekommen die hektisch verordnete Energiewende nicht in den Griff. RWE-Aktien sind so geschwächt. Sie könnten sogar aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) ausscheiden. Ihren Status als Witwen- und Waisenpapiere haben Energieversorger jedenfalls nachhaltig verloren, auch wenn die jüngsten Berichte über einen bestandenwen Stresstest wieder Auftrieb gegeben haben.

Ähnlich verhält es sich mit vielen Bankaktien. Papiere der Deutschen Bank haben vor Ausbruch der Finanzkrise über 100 Euro gekostet. Inzwischen sind sie nur noch ein Viertel davon wert. Trotz des viel beschworenen Kulturwandels bekommt das Finanzhaus die dort verbreitete kriminelle Energie nicht in den Griff.

Zumindest folgen “Fällen, die in der Vergangenheit liegen”, stets Fälle, die in einer jüngeren Vergangenheit liegen. Die schlechten Nachrichten fließen kontinuierlich. Das verhindert eine nachhaltige Erholung der Aktien. Ob das Großreinemachen von Deutsche-Bank-Chef Cryan einen nachhaltigen Schub für die Aktien auslösen kann, ist offen. Seit Ausbruch der Finanzkrise haben Papiere der Deutschen Bank über 70 Prozent ihres ursprünglichen Werts verloren.

Den Papieren von Volkswagen kann auch so ein Schicksal drohen. Das Image von Europas größtem Autohersteller ist nachhaltig beschädigt. Es sind längst nicht alle Details der Diesel-Affäre bekannt, sodass das Thema wohl noch einige Zeit die Schlagzeilen beherrschen wird. Zudem werden erst die Unternehmenszahlen der kommenden Quartale zeigen, wie hoch der Imageschaden eigentlich ist. Die ersten Sparmaßnahmen hat VW bereits bekannt gegeben. Weitere Hiobsbotschaften werden folgen. Das aber ist dann kaum Stoff für Hollywood.

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Scout24 hat es geschafft und seine Aktien an der Börse platziert. Angesichts der doch stark ramponierten Börsenstimmung ist das ein Erfolg. Der einzige Schönheitsfehler ist, dass der Preis der Aktien unter den Ausgabekurs gefallen ist. Ansonsten – Chapeau! Denn der erzielte Preis lag im angestrebten Mittelfeld.

 

Jetzt also: Mein Haus, mein Auto, meine Freundin. Das Kleinanzeigenportal wird an der Börse gehandelt. Eisbrecherqualitäten dürfte Scout24 aber nicht nicht haben. Den folgenden Börsenaspiranten grätscht ein Unternehmen rein, dass schon lange an der Börse ist. VW könnte die Börsenstimmung nachhaltig vergiften, vor allem wenn Autozulieferer an die Börse streben.

 

Folgerichtig hat Schaeffler erst einmal zurück gezogen, will erst Details bekannt geben und dann den Sprung wagen. Das ist kein gutes Zeichen. Denn wer mit gesenktem  Haupt das Börsenparkett betritt, kann keinen Erfolg erwarten. Auch Covestro, die Kunststofftochter von Bayer, musste den Ausgabepreis bereits deutlich reduzieren und hat den Börsengang um ein paar Tage verschoben. Bayer muss nun Geld nachschießen, was den Leverkusenern ganz sicher nicht gefällt.

 

Und – blicken wir den Tatsachen ins Auge – wenn Covestro und Schaeffler wackeln, dann wackelt auch Hapag Lloyd. Das Fenster für Börsengänge könnte sich wieder schließen, bevor es sich richtig geöffnet hat.  Die milliardenschweren Börsengänge sind aber wichtig für das Aktienklima. Denn wenn die Dickschiffe patzen sollten, wird das kleinere Unternehmen abschrecken. Damit bliebe ihnen ein wichtiges, von Bankkrediten unabhängiges, Finanzierungsinstrument verwehrt. was bedauerlich wäre. Die Börse als Kapitaltankstelle muss auch abseits der großen Namen und des Glamours funktionieren.

 

Pomp und Show findet man bei Börsendebüts ohnehin nur noch selten. Firmen, die Geld vom Anleger wollen, geben sich bescheidener als früher.  Daran hat auch die wachsende Zahl an aufstrebenden Internet-Unternehmen nicht viel geändert. Immerhin gibt es sie wieder. Scout24 gehört zwar zu den Unternehmen, die eine bekannte Geschäftsstrategie (vom Autokauf bis zur Eheanbahnung) ins Internet verlagert haben, doch die Virtualisierung der Wrtschaft schreitet auch an der Börse voran.

 

Die finanzielle Unabhängigkeit zahlen die Unterrnehmen mit mehr Transparenz, doch den Preis zahlen sie meist  gern. Schließlich kann die Börse eine nicht versiegende Geldquelle sein. Die Ausgabe von neuen Aktien ist immer möglich. Wenn triftige Gründe dafür vorliegen, werden die Papiere auch in der Regel gern genommen. Das gilt vor allem dann, wenn eine Erfolgsbilanz vorgewiesen werden kann.

 

Börsendebütanten müssen diesen Beweis erst noch antreten. Aus diesem Grund sollten private Anleger besonders vorsichtig und zurückhaltend bei Börsengängen sein. Auch große Namen, wie damals die Deutsche Telekom, müssen nicht immer halten, was sie versprechen. Für Großanleger stellen Börsengänge eine Mischkalkulation dar. Wer die Aktien von vielen verschiedenen Unternehmen kauft, kann ein paar Blindgänger verkraften. Wer sich nur auf ein Unternehmen stürzt, ist im Verlustfalle sehr viel stärker betroffen.

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Ob “Diesel-Gate”, “Dirty Diesel” oder “Abgas-Affäre” – Volkswagen hat betrogen und ist dabei erwischt worden. Es ist ein Skandal ersten Ranges mit unabsehbaren Folgen. Und wer glaubt, in vier Wochen wäre Gras über die Sache gewachsen, kennt die US-Behörden nicht.

 

Die in Wolfsburg müssen gedacht haben, sie können zaubern und stinkende Abgase in laue Lüftchen verwandeln. Hat nicht geklappt. Der Trick ist aufgeflogen. VW hat sie alle angeschmiert: Umweltbehörde und Autokäufer, die dachten, sie hätten ein besonders umweltfreundliches Juwel deutscher Ingenieurskunst erstanden. Dass dem nicht so ist, weiß nun die ganze Welt.

 

Abgastests unter Laborbedingungen spiegeln nicht die Realität. Das ist bekannt. Aber 30- bis 40-mal höhere Emissionen als vorgegaukelt werden auch herauszublasen, ist ein starkes Stück. Noch erschreckender ist die Tatsache, dass es offensichtlich günstiger und einfacher ist, eine Schummelsoftware inklusive Betrugsmechanismus in elf Millionen Autos zu verbauen, als einen umweltfreundlicheren Motor zu entwickeln.

 

Am allermeisten hat Volkswagen aber sich und seine Mitarbeiter betrogen. Denn nach Hartz- und Prostituierten-Affäre hat sich der Konzern einen umfassenden Kulturwandel verschrieben. Hat wohl nicht ganz geklappt. Das Diesel-Gate ist ein klarer Verstoß gegen die Verhaltensregeln (Compliance), die sich VW selbst gegeben hat.

 

“Grundlage für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg ist rechtmäßiges Handeln. Die Verhaltensgrundsätze des Volkswagen Konzerns beinhalten wesentliche Grundprinzipien, schaffen Orientierung und fördern somit richtiges Verhalten aller Mitarbeiter im Geschäftsalltag”,

 

heißt es da unter anderem. Das passt nicht dazu, wenn versucht wird, wirtschaftlichen Erfolg über gefälschte Daten zu erreichen. Wie sich jetzt herausstellt, ist das in der Tat auch nicht nachhaltig.

 

Die Kreise ziehen immer weiter. Auch Modelle in Europa sollen jetzt überhöhte Abgaswerte aufweisen. BMW soll auch betroffen sein, wobei keine Rede von Manipulation ist. Daimler betont, nicht zu betrügen, schweigt sich aber über Abgaswerte aus und hat kein Modell beim International Council on Clean Transportation (ICCT) abgegeben. Die ICCT ist die Organisation, die VW hat auffliegen lassen.

 

Bei all der Verwirrung und all den Nachrichten kristallisiert sich eines heraus. Es hat sich wohl ausgedieselt. Dem Antrieb, dem nach fester Überzeugung der deutschen Hersteller die Zukunft gehören sollte, droht der Kolbenfresser. Die Diesel-Gegner wetzen ihre Messer. Die EU-Kommission hat schon im Juli einen Versuch unternommen, Diesel-Fahrzeuge aus deutschen Städten zu eliminieren. Diverse Umweltorganisationen stimmen in den Chor ein.

 

30 Milliarden Euro sind in der Spitze von VW abgeflossen. Bis zu 40 Milliarden Euro könnte das Desaster die Wolfsburger kosten. Wobei: Den Schaden beziffern zu wollen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Vor allem der Imageschaden ist immens. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass gerade US-Behörden noch nach Jahren nachhaken und Strafen verhängen. Diesel-Gate kann für VW zu einem Fass ohne Boden werden.

 

Und noch ein Vergleich zur Finanzbranche drängt sich auf. VW hat schon vor Monaten von den Vorwürfen gewusst, ohne etwas zu unternehmen. Dazu ist der Betrug einfach dreist. Beides lässt auf die feste Überzeugung der Urheber schließen, nicht erwischt zu werden und – falls doch – damit durchzukommen. Die selbst ernannten “Masters of the Universe” sitzen nicht nur in den Banktürmen.

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Der Sommer hatte es in sich. Binnen weniger Wochen hat der Deutsche Aktienindex (Dax) verloren, was er an Gewinnen im laufenden Jahr eingeheimst hatte. Und nur langsam erholen sich die Kurse von diesem Tiefschlag wieder. Die Ruhe erscheint aber trügerisch.

 

Als sich der Dax im Oktober vergangenen Jahres auf eine rasante Kraxeltour begab, hat es schnell erste Warnungen gegeben, hier könnte sich eine Spekulationsblase aufpumpen. Damals wollte kaum jemand etwas davon hören, wie immer eigentlich, wenn Optimismus droht, in Euphorie zu schwenken.

 

Heute – nach dem Sommercrash – ist klar, dass wohl einiges aus dem Ruder gelaufen war. Zu groß ist die Zahl der Baustellen. Vor allem China bietet Anlass zur Sorge. Jahrelang hat der Staat künstlich exorbitantes Wachstum befeuert. Jetzt steht die Regierung hilflos da, wie Goethes Zauberlehrling. Oder wie Mario Draghi. Seit ziemlich genau einem halben Jahr läuft das Anleiheaufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank nun, ohne, dass sich die gewünschten Erfolge eingestellt hätten. Weder Inflation noch Unternehmensinvestitionen schießen ins Kraut. Beides wollte die EZB ankurbeln.

 

Vielmehr muss sich der EZB-Chef jetzt schon fragen, wie er irgendwann aus der Billigzins-Nummer wieder rauskommen will. Draghis US-Kollegin Janet Yellen hat ihre liebe Not mit ihrer Zinswende. Sie rudert sogar unter Verweis auf externe Probleme (China) zurück, was eine extrem gewöhnungsbedürftige Sichtweise ist. Schließlich herrscht in den USA nicht gerade ein Wirtschaftsboom.

 

Ohnehin tut sich die Fed schwer mit einer Zinsanhebung. Und so dürfte die Börse eher negativ reagieren, egal, was Janet Yellen in der kommenden Woche unternehmen wird.

 

Bis dahin also China. Die Daten sind allesamt alles andere als ermunternd. Vieles spricht für eine harte Landung der Wirtschaft. Wie die Börse das einordnet, ist zuweilen amüsant. Im Juli hat die deutsche Wirtschaft neue Rekorde beim Außenhandel gesetzt und so signalisiert, dass die Konjunktur weiter robust dasteht.

 

Ganz anders sieht das in China aus. Der Einbruch der Im- und Exporte ist im August deutlich stärker ausgefallen als gedacht. Auf diese Gemengelage haben die Händler mit Käufen reagiert und dem Aktienmarkt einen ordentlichen Schub verpasst, was ziemlich gaga ist. Denn gewöhnlich folgt der August auf den Juli. Will meinen: Die Daten aus China deuten eher an, dass den Unternehmen Ungemach droht, die Geschäfte also schwerer laufen werden.

 

Die Börse bleibt auch weiterhin angeknackst, kommende Kursgewinne müssen nicht nachhaltig sein. Eher drohen weitere Rückschläge.

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Die Abwertung des Yuan hat viele Wellen geschlagen. Viele Beobachter befürchten, China könnte einen Abwertungswettlauf lostreten. Das unschöne Wort vom “Währungskrieg” macht die Runde. Und schon sind die Horrorszenarien auf dem Tisch. China könnte in eine tiefe Rezession fallen und die Welt in den Abgrund ziehen.

Allen Unkenrufen zum Trotz wird Chinas Währung aber nicht in den freien Fall übergehen. Schließlich hat Chinas Zentralbank den Yuan-Kurs nicht freigegeben. Sie behält die Kontrolle und steht jederzeit bereit, den Yuan zu stärken, sollte dies nötig sein. Allerdings lassen die Währungshüter mehr Schwankungen zu als bisher, weil sie sich näher an den Schlusskursen eines jeweiligen Handelstages orientieren.

Staatsräson statt Absturz

Generell bleibt es also dabei, dass die Tagesveränderung des Yuan gegenüber dem Dollar nicht mehr als zwei Prozent betragen darf. Wenn also der Yuan an drei Tagen dreimal zwei Prozent verliert, ist das kein Absturz sondern entspricht der Staatsräson.

Der Devisenmarkt ist jetzt ein kleines bisschen freier geworden, ohne frei zu sein. Das soll ein Signal an den Internationalen Währungsfonds sein, denn China hat großes Interesse daran, dass der Yuan in den Währungskorb aufgenommen wird. Das würde bedeuten, mehr Welthandel und mehr Devisengeschäft würde in Yuan abgewickelt, die Devise könnte  zu einer Reservewährung für Notenbanken, sogar zu einer Leitwährung, wie Dollar, Euro oder Yen werden.

China ist nicht allein

Aber natürlich hat Chinas Notenbank nicht nur aus Prestigegründen die Zügel gelockert. Viele andere asiatische Währungen haben in den vergangenen Wochen und Monaten schon recht stark gegenüber dem Dollar abgewertet. Und um da eine gewisse preisliche Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Produkte wieder auf dem Weltmarkt zu haben, also um das alte Gleichgewicht herzustellen, ist es sicherlich im Sinne der Zentralbank und der Regierung, die Währung abwerten zu lassen.

Das geschieht natürlich sehr zum Ärger all jener ausländischen Unternehmen, die in China ihre Waren und Güter losschlagen wollen. Deutschland gehörte im Devisengefüge zu den Nutznießern.  In den Bilanzen vieler deutscher Firmen hat sich zwar das immer schwächere chinesische Wirtschaftswachstum schon niedergeschlagen. Doch profitierten die deutschen Exporteure immer noch vom schwachen Euro. Schließlich koppelt China den Yuan den erstarkenden Dollar. Die dadurch entstandenen Zusatzgewinne schwinden nun.

Ein Währungskrieg sieht anders aus

Die etwas größeren Schwankungen und eine Abwertung um wahrscheinlich zehn Prozent (so munkeln es viele Währungsexperten), sollten weniger Sorgen bereiten als das schwache chinesische Wirtschaftswachstum. Währungen schwanken nun einmal untereinander. Es hat einen völlig überteuerten Dollar gegeben, einen maßlos überbewerteten Euro. Es gibt den teuren Franken und eine schlappe türkische Lira. Das alles sorgt für schwankende Geschäfte der Unternehmen, ist aber an sich nicht besorgniserregend.

Andere Nachrichten aus China sind da schon besorgniserregender. Schon zwei Monate in Folge ist der Automarkt geschrumpft. Die Hersteller kontern mit Preisnachlässen, bislang ohne Erfolg. Rabatte sind in diesem Markt Neuland. Chinas Autohändler sind es gewohnt, dass der Kunde den geforderten Preis bezahlt, meist direkt und in bar. Diese goldenen Zeiten scheinen vorbei.

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Börsianer sind traditionell konservativ-liberal gesonnen. Wirtschaft, so der gängige Slogan, lenkt sich selbst. Bankenregulierung? Blanker Kommunismus! Ladenschlusszeiten? Freiheitsberaubung! Staatliche Unternehmen? Mittelalter! Eine harte, konsequente Haltung, so könnte man annehmen, doch frei nach dem Motto “Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass” weicht diese harte Haltung sehr schnell auf, wenn es tatsächlich ans Eingemachte gehen sollte.

 

So war es während der Finanzkrise überhaupt kein Problem, dass die Commerzbank zum Teil verstaatlicht wurde. Die Enteignung der Hypo-Real-Estate-Aktionäre wurde zwar als Skandal bezeichnet, doch im Großen und Ganzen ging das in Ordnung, dass Bankenverluste sozialisiert wurden. Aufrechte Kritik kam vom damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden“, sagte er im Herbst 2008. Gleichzeitig allerdings hatte sich sein Institut mit einen Notkredit der US-Notenbank aufgefrischt.

 

Auch andere Unternehmen rufen nach dem Staat, wie zum Beispiel der Düngemittelhersteller K+S. Eine Sperrminorität soll die Übernahme durch den kanadischen Potash-Konzern verhindern. Zu diesem Zweck soll die staatliche Kfw-Bank Aktien kaufen, so die Forderung, die wohl nicht erfüllt werden dürfte, die aber an der Börse keine Proteststürme ausgelöst hat.

 

Ganz dicke aber kommt es derzeit in China. Die Börsenkurse sind wie Fallobst gepurzelt und der Staat stemmt sich dagegen. Hierzulande werden diese Maßnahmen positiv kommentiert. Es wird sogar von “Hoffnungen” gesprochen, dass diese Maßnahmen greifen. Zuletzt knickten die Kurse ein. Die massive Abwertung des chinesischen Yuan lässt Befürchtungen wachsen, es könne um die chinesische Wirtschaft noch ernster stehen als gedacht.

 

Generell aber feiern die Teilnehmer an die Finanzmärkten staatliche Interventionen. Der chinesische Markt ist einfach zu wichtig. Dabei würden die Schritte der chinesischen Regierung übertragen auf die deutsche Ungeheuerliches bedeuten.

 

Angenommen, das Finanzministerium verböte den Fondsgesellschaften x, y, z Papiere von Siemens, der Telekom und VW zu verkaufen. Banken würden dazu verpflichtet, weitere Wertpapiere in ihre Bestände zu übernehmen, obwohl diese im Preis fallen. Überhaupt dürfte per Gesetz nur die Hälfte aller handelbaren Aktien auch wirklich gehandelt werden. Zusätzlich träte die Bundesbank massiv als Aktienkäufer auf.

 

Sicher würde ein Aufschrei durch die Finanzmärkte gehen. Denn mit freier Marktwirtschaft hat ein solches Vorgehen nur wenig zu tun. Eigentlich ist es ein ungeheuerlicher Vorgang. Obwohl: Die EZB macht ja eigentlich auch nichts anderes mit ihren an Anleihekäufen. Es steckt eben mehr Staat in der Börse als man meinen würde.

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Ein Sommerloch können Anleger und Wertpapierhändler getrost vergessen. Die Börse kommt nicht zur Ruhe, denn in der Türkei könnte der Grundstein für eine neue Krise gelegt werden.

 

In Athen kommt ein Stückweit die Normalität zurück. Seit Montag dürfen wieder Aktien gehandelt werden, nachdem die Börse einen Monat lang geschlossen war. Auch wenn die Kurse gleich am ersten Handelstag eingebrochen sind, ist es ein gutes Zeichen, dass die Regierung die Weichen dafür stellt, dass die Wirtschaft wieder funktionieren kann.

 

Die Probleme Griechenlands bleiben allerdings bestehen. Das dritte Rettungspaket ist noch lange nicht geschnürt, und ob die geforderten Reformen tatsächlich Früchte tragen werden, ist offen. Jedenfalls mehren sich die Bedenken jener, die eine reine Konzentration auf schwäbische Spartugenden für nicht zielführend halten.

 

Dabei wäre eine Stabilisierung Griechenlands derzeit so wichtig wie selten zuvor. Denn gleich nebenan – in der Türkei – heizt sich gerade ein neuer Krisenherd auf. Die Entscheidung der türkischen Regierung, sowohl den “Islamischen Staat” als auch kurdische Stellungen zu bombardieren, birgt nicht nur im wahren Sinne des Wortes Zündstoff. Der Wirtschaft des Landes droht der Kollaps.

 

An der Börse in Istanbul gab es schon erste Reaktionen. Die Kurse gaben m Juli um fünf Prozent nach. Die türkische Lira erholte sich zwar auf Monatssicht, steht aber schon geraume Zeit unter Abwertungsdruck. In den vergangenen zehn Jahren hat die Devise gegenüber dem Euro fast die Hälfte an Wert verloren.

 

Das Dilemma ist groß. Eigentlich wollte die türkische Notenbank die Leitzinsen deutlich senken, um so Investitionen zu erleichtern und der Konjunktur einen Schub zu geben. Erst im vergangenen Februar hatte es eine Mini-Absenkung auf 7,5 Prozent gegeben. Das allerdings reicht in der aktuellen Zinslandschaft nicht, um Unternehmen dazu zu bewegen, Geld auszugeben.

 

Wachsende Inflationsgefahr macht diesen Plänen nun einen Strich durch die Rechnung. Zwar gibt die türkische Regierung eine Teuerungsrate von 7,20 Prozent an, was aufs Jahr gesehen der niedrigste Wert seit 2011 wäre. Doch Volkswirte taxieren die Inflationsrate weit höher. Aggressive Zinsschritte in Richtung Europa verbieten sich da.

 

Die für dieses Jahr angestrebte Wirtschaftswachstumsrate von drei Prozent könnte sich in der Türkei schnell in Luft auflösen, sollten sich die Probleme verschärfen. Und das dürfte geschehen, sollten sich die Kämpfe weiter ausweiten. Sowohl die kurdische Seite als auch der IS dürften die Angriffe nicht unbeantwortet lassen.

 

Am sensibelsten sollte der Tourismus auf die neuen Gefahren reagieren. Der Türkei ist es gelungen, einen hochwertigen Tourismus am Bosporus zu etablieren. Die Reisebranche trägt über zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Türkei bei. Wie schnell sich die Reisegewohnheiten ändern können, zeigt sich aber zum Beispiel im Maghreb und in Ägypten. Anschläge und politische Unsicherheiten schlugen deutlich auf die Buchungszahlen durch.

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Die Wirtschaft wandelt sich. Auch die Sichtweise der Börse wechselt, was sich an den Kursen deutlich ablesen lassen kann. Vor kurzem hat Facebook den Elektrogiganten General Electric überholt. Die Soziale Plattform wird an der Börse höher bewertet als GE. Die Technologiebörse Nasdaq wies für Facebook eine Marktkapitalisierung von 272 Milliarden Dollar aus, gleichzeitig war GE 270 Milliarden Dollar wert.

 

Was sagt das über unsere Wirtschaftswelt aus? General Electric beschäftigt weltweit mehr als 300.000 Mitarbeiter, verkauft Produkte von der Kraftwerksturbine über Röntgengeräte bis hin zum Küchenherd. Facebook bringt Menschen zusammen und benötigt dafür 10.000 Menschen. Diese Konzerne trennen Welten.

 

Aber an der Börse wird nun einmal Zukunft gehandelt und die findet im World Wide Web statt. Die starke Bewertung von Facebook spiegelt demnach die hohen Erwartungen an die Innovationskraft und das künftige Wachstum des Unternehmens. Dass solche Einschätzungen auch kolossal in die Hose gehen können, zeigt sich immer wieder. Zum Beispiel hatten Anleger den kleinen Münchner TV-Rechtehändler EM-TV eine Zeitlang gleichhoch bewertet wie den Disney-Konzern.

 

Dass bei den Hightechwerten jetzt auch eine Spekulationsblase platzen könnte, wird immer wieder befürchtet. Allerdings haben sich die Zeiten geändert. Im Internet wird inzwischen Geld verdient. Technologien, die vor ein paar Jahren noch Science Fiction waren, sind heute Realität.

 

Und doch wechseln die Geschäftsmodelle schnell. Unternehmen, die sich nicht anpassen, geraten fix ins Hintertreffen, was auch die aktuelle Bilanzsaison zeigt. Internet-Urgestein Yahoo schreibt rote Zahlen, ist auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal. Das Online-Auktionshaus Ebay ist nach dem Verkauf des Bezahldienstes Paypal nur noch ein Schatten seiner selbst. Amazon dagegen überraschte mit einem Quartalsgewinn. Das Geschäft mit der Cloud entwickelte sich prächtig.

 

Amazon hat übrigens von der Marktkapitalisierung die Handelskette Walmart überholt. Online schlägt offline. Das gilt fast generell. Die an der Technologiebörse Nasdaq präsenten Schwergewichte Apple, Facebook, Google und Co. haben fast durchweg sei Jahresbeginn 20 Prozent zulegen können.

 

Wie schnell es aber gehen kann, dass ein Unternehmen ins Hintertreffen gerät, hat Nokia gezeigt. Die Finnen waren mal weltgrößter Handyhersteller, kamen beim Smartphone zu spät und folglich unter die Räder. Microsoft wollte Nokia nochmal groß rausbringen, doch die Rechnung ging nicht auf.
Stillstand heißt also Rückschritt. Das gilt für jeden Wirtschaftsbereich – auch für das Internet. Nur – was das nächste große Ding wird, das Kunden und Märkte gleichermaßen elektrisieren kann, ist nicht bekannt. Die Smartwatch ist es wohl nicht. Sonst hätte Apple die Umsätze nicht so verschämt in der Quartalsbilanz versteckt.

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